Tim Lambesis: Stunde der Wahrheit

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Das komplette Interview mit Tim Lambesis von As I Lay Dying findet ihr in der METAL HAMMER-Oktoberausgabe 2019, erhältlich am Kiosk oder über diesen Link: >>www.metal-hammer.de/as-i-lay-dying<<

Seit seiner Entlassung auf Bewährung Ende 2016 hat Tim Lambesis jede Interview-Anfrage abgelehnt. Nun liefert der As I Lay Dying-Sänger Antworten – im exklusiven METAL HAMMER-Gespräch, einem der emotionalsten Interviews in der 35-jährigen Geschichte dieses Magazins.

METAL HAMMER: Was für ein Typ war Tim Lambesis im Jahr 2013?

Tim Lambesis: Ich befand mich in der dunkelsten Phase meines Lebens. Nicht nur am Tag meiner Verhaftung, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Aus heutiger Sicht fühlt es sich an, als würde ich über einen Bekannten sprechen, aber nicht über den, der ich heute bin. 2013 agierte ich sehr selbstsüchtig.

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Ich hatte mich von einem guten Freund, einem Familienmenschen und Teil der Gemeinschaft hin zu einem Charakter verändert, der sich selbst isolierte. Und dem andere Menschen immer weniger bedeuteten. Ich saß in einem dunklen Loch. Ich kann nicht einschätzen, inwiefern die Substanzen, die ich einnahm, diese Entwicklung beschleunigten. Aber die Verantwortung trage allein ich.

MH: Gab es keine Menschen im näheren Umfeld, die dich auf diese negative Entwicklung hingewiesen haben?

TL: Da ich Menschen immer mehr von mir wegstieß und es vorzog, allein zu sein, kamen derartige Diskussionen gar nicht dazu. Ich habe immer irgendwie Wege gefunden, um Distanz zu wahren. Selbst wenn mich ein Freund mal darauf ansprach – ich wischte diese Thematik sofort beiseite.

[…]

MH: Glaubst du, dass du mal wieder ein normales Leben führen kannst?

TL: Ich empfinde mein Leben zu Hause eigentlich als einigermaßen normal. Die Menschen… (er stockt, holt tief Luft) Die Menschen, die mich umgeben, beurteilen nicht nur meine Vergangenheit. Sich der Öffentlichkeit zu stellen, ist… (er kann nicht weiterreden, die Tränen übermannen ihn) Sich der Öffentlichkeit zu stellen, ist hart, aber ein wichtiger Schritt. Ich kann und will mich nicht verstecken.

MH: Du könntest allerdings in Zukunft auch ein Vorbild für andere sein, dass ein Wandel möglich ist. Wie gehst du heutzutage mit Wut und Frustration um?

TL: Das ist eine interessante Frage – es ist komplett anders als früher. In dem halben Jahr vor meiner Verhaftung hielt ich es für normal, in einer relativ erfolgreichen Band zu spielen, die nach meiner Pfeife tanzt. Ein „Nein!“ war ich nicht gewohnt. Aus diesem Zustand entwickelte sich eine gefährliche Selbstwahrnehmung. Ich fühle heute nichts als Dankbarkeit, die Frustrationen erscheinen viel weniger gewichtig. Ich hätte beispielsweise nie gedacht, dass es mal wieder ein As I Lay Dying-Album geben könnte.

MH: Hast du dich 2013 unbesiegbar gefühlt?

TL: Nicht, weil wir mit der Band erfolgreich waren. Aber ich glaube, dass Steroide dazu beitragen, dass das Gefühl der Unantastbarkeit immer größer wird. Diese Selbsteinschätzung war 2013 definitiv auf einem gefährlichen Level.

Ihr bekommt METAL HAMMER 10/2019 am Kiosk oder indem ihr das Heft per Mail bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

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Editorial METAL HAMMER 10/2022

Liebe Metalheads, so unsicher heutzutage vieles zu sein scheint, auf eine Regel ist Verlass: Nach dem Summer Breeze ist Herbst. Während diese Zeilen entstehen, hängt die Open Air-Saison noch schwer in den Knochen – doch schon klopfen einige Bands, die soeben für Festival-Höhepunkte sorgten, mit ihren neuen Albumveröffentlichungen an die Tür. Slipknot zündelten nicht nur auf dem Wacken Open Air, sondern auch dem eigenen Knotfest; jetzt geht es in euren Wohnzimmern weiter: THE END, SO FAR stellt für die Maskenmetaller eine Machtdemonstration dar, zeigt sie an einem neuen Gipfel ihres Schaffens – und am Ende eines weiteren Kapitels. Im vertrauensvollen…
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