Album des Monats

Dr. Living Dead! 6 Stars
Radioactive Intervention

Thrash Metal
12 Songs / 37:09 Min. / 30.11.2012 - High Roller / Soulfood

METAL HAMMER 12/2012 Foto: METAL HAMMER METAL HAMMER 12/2012 Mal wieder Bock auf eine ordentliche Old School-Thrash Metal-Versohlung? Auf Riffs, die Slayer, Nuclear Assault und alten Anthrax huldigen? Dann Obacht, hier kommt die Überraschung des Jahres: RADIOACTIVE INTERVENTION ist das zweite Album der jungen Band Dr. Living Dead!, und die vier Schweden haben den klassischen alten Thrash-Sound bis ins Mark aufgesogen und wissen ganz genau, worauf es ankommt. Zusätzlich trieft aber auch die ganz alte Crossover-Schule aus allen Poren.

Und nur, damit noch jemand weiterliest: Damit sind Bands wie Suicidal Tendencies, S.O.D., Cryptic Slaughter und D.R.I. gemeint. Hier geht es nicht um Rap und Rock, nicht um die ­H-Blockx, Thumb oder Limp Bizkit. Dies ist stattdessen knietief, ach, kinntief dem Sound verhaftet, der entstand, als Ende der achtziger Jahre die Thrash Metal- und Hardcore-Szenen ihre Vorurteile über den Haufen warfen und sich plötzlich gegenseitig doch ganz cool fanden. ‘Mental Warzone’ klingt beispielsweise so unfassbar hart nach Suicidal Tendencies, dass man, eine Schwäche für diesen Sound und diese Zeit vorausgesetzt, um ein fettes Grinsen nicht herumkommt.

Der Anfang von ‘They Live’ bringt sofort ‘Milk’ von S.O.D. auf den Schirm, und zwischendurch schaut gesanglich immer mal wieder eine mustergültige Joey Belladonna-Melodieführung um die Ecke. Dazu kommen wirklich klassische, gute Slayer-Riffs (‘Radioactive Intervention’, ‘Suffering’), kurze Intro-Samples und eine ordentliche Wolke Zeitmaschinengeruch. Ist das innovativ? Nein. Interessiert das? NEIN!

Dr. Living Dead! haben sicher nicht vor, ein neues Hightech-Rad zu erfinden, sondern wollen das alte, geile Hollandrad Thrash Metal/Crossover liebevoll und vor allem originalgetreu restaurieren und damit ein bisschen abstylen. Es muss nicht immer ein enormer Anspruch an die eigene „Kunst“ sein, noch dazu, wenn dieser mit Arroganz und Selbstüberschätzung einhergeht. Dann doch lieber offensichtlich zitieren und Spaß haben.

Genau deshalb hat sich die Band als weitere Facette ein Image ausgedacht, das bis ins kleinste Detail true ist und vor Verbeugungen an die gute alte Zeit nur so strotzt: Die Old School-Totenkopfmasken der Musiker werden vom originalen Suicidal-Bandana gehalten, und das klassische Achtziger-Thrash-Artwork ziert ein waschechtes Band-Maskottchen in der Tradition von Eddie und Vic Rattlehead. Ist das gut! Fans der genannten Bands und dieser musikalischen Epoche dürften inzwischen haargenau wissen, was sie hier erwartet. Also, das Bandana an die Stirn geklatscht, Jeanskutte angelegt, in die hohen weißen Sneaker geschlüpft, den Kappenschirm noch mal ordentlich nach oben gebogen und ab zum Plattenladen! Schön, dass es so etwas noch gibt.

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