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Alien Ant Farm: 25 Jahre zweites Album ANTHOLOGY

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Alien Ant Farms ANTHOLOGY (2001) ist eine Momentaufnahme aus einer Zeit, in der Nu Metal die Welt im Sturm eroberte – und doch ist das Album weit mehr als ein Produkt seiner Ära. Es ist der Punkt, an dem vier Freunde aus Riverside, Kalifornien von der eigenen Garage in die Maschinerie eines großen Labels katapultiert wurden und plötzlich zwischen Linkin Park und Papa Roach auf den größten Bühnen der Welt standen.

Vom Underground ins Rampenlicht

Bevor ANTHOLOGY 2001 über New Noize und DreamWorks Records erschien, hatten Alien Ant Farm bereits ein erstaunlich solides Fundament gelegt. Sänger Dryden Mitchell, Gitarrist Terry Corso, Bassist Tye Zamora und Schlagzeuger Mike Cosgrove gründeten die Band 1996, veröffentlichten noch im selben Jahr ihre erste EP $100 EP und legten 1998 mit LOVE SONGS nach. Ihr Debütalbum GREATEST HITS (1999) erschien über ihr eigenes Label Chick Music Records. Der Titel ist eine starke Wahl für eine Band, die damals noch in Clubs spielte und sich den Weg nach oben hart erspielte.

Ihr Ziel war klar: einen Labeldeal an Land ziehen. Und der kam: über Umwege und Freundschaft. Auf Tournee freundeten sie sich mit Papa Roach an, die kurz darauf ihren kommerziellen Durchbruch feierten. Als Papa Roach plötzlich selbst das New Noize-Label gehörte, hatten Alien Ant Farm natürlich bereits einen dicken Stein im Brett. Ganz so einfach war es für sie dann aber doch nicht, es galt noch immer andere Entscheidungsträger zu überzeugen.

Das Cover, das alles veränderte

Dass ausgerechnet ein Michael Jackson-Cover zum metaphorischen Durchbruchs-Hit der Band werden würde, war nicht geplant. Frontmann Dryden Mitchell erzählte einmal in einem Billboard-Interview, wie polarisierend Jackson damals war:

„Ich frage bei unseren Konzerten immer, wie viele Leute Michael Jackson mögen, und vielleicht 50 Menschen heben die Hand. Dann frage ich, wer ihn nicht mag, und 5.000 Hände sind in der Luft. Dann spielen wir das Lied, und jedem gefällt es. Ich glaube, sie wissen einfach nicht, was sie mögen.“

Ironischerweise war Michael Jackson auch Mitchells erstes Konzert als Besucher. Der entscheidende Moment kam, als das Cover vor einer Papa Roach-Show vom Band lief – und Jay Baumgardner, Produzent von Korn und Slipknot, im Publikum stand. Im Gespräch mit dem Mel Magazine wird sich an seine Reaktion erinnert: „Es ist unglaublich. Ich glaube, das ist ein Hit.“ Damit war der Weg frei für Alien Ant Farm.

Der Startschuss ins Jahr 2001

Die erste Single des neuen Albums hieß ‘Movies’ und erschien im Januar 2001. Sie markierte den Beginn eines turbulenten Jahres. Kaum war der Vertrag unterschrieben, ging es für Alien Ant Farm auf US-Tour: gemeinsam mit Linkin Park und Taproot, später als Vorband von Orgy. Danach folgte der Sprung nach Europa, wo sie zwei Wochen lang Papa Roach begleiteten. Die Band war plötzlich überall, und ANTHOLOGY wurde zum Soundtrack dieser rasanten Aufwärtsbewegung.

Weltweite Tourneen und Chart-Erfolge

Nach der Albumveröffentlichung tourten Alien Ant Farm durch Australien, Neuseeland, Europa und die USA. Die Resonanz war durchweg positiv – nicht zuletzt, weil die Welt zu diesem Zeitpunkt geradezu nach neuen Nu Metal-Acts lechzte. Korn und Limp Bizkit dominierten die Charts, und Alien Ant Farm passten mit ihrem Mix aus Alternative, Rock und Nu Metal perfekt in diese Landschaft. So überrascht es nicht, dass ANTHOLOGY Platz 11 der US-Charts erreichte, in Deutschland immerhin Platz 20. Doch der größte Überraschungserfolg kam ausgerechnet aus Australien: Die Single ‘Smooth Criminal’ schoss dort auf Platz 1.

Ein Album seiner Zeit

Musikalisch bewegt sich ANTHOLOGY zwischen Alternative Rock, Nu Metal und melodischen Experimenten. Besonders das letzte Stück ‘Universe’ sticht heraus: Das Streicher-Arrangement stammt von David Campbell, der später Filmmusik für ‘Brokeback Mountain’ (2005) und ‘Rock Of Ages’ komponierte und mit unzähligen Künstlern arbeitete. Ein unerwartet cineastischer Abschluss für ein Album, das ansonsten vor Energie, Groove und jugendlicher Unbekümmertheit strotzt.

Fazit: Ein Nu Metal-Meilenstein mit eigenem Charakter

ANTHOLOGY ist das Dokument einer Band, die aus dem Nichts kam. Sie kämpfte sich durch unzählige Tourneen nach oben und lieferte im perfekten Moment den richtigen Sound. Ein Album, das die Nu Metal-Ära nicht nur widerspiegelt, sondern mitgeprägt hat – und das auch 25 Jahre später noch erstaunlich frisch klingt.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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