Toggle menu

Metal Hammer

Search
Rammstein – das Interview zum neuen Album: METAL HAMMER 06/19

Amon Amarth: Interview zum Album TWILIGHT OF THE THUNDER GOD

von
teilen
twittern
mailen
teilen

Die Wikinger sind auch nicht mehr das, was sie mal waren: Anstatt neben dem Gespräch grimmig die Klinge seines Drei-Meter-Schwertes zu wetzen, ist Amon Amarth Sänger Johan Hegg völlig aufgelöst, weil er gerade seine Festplatte zerschrotet hat. Konzentrieren wir uns auf wichtigeres!

Schon im Oktober lassen die Schweden nämliche wieder die Langschiffe zu Wasser und gehen auf große Plünder-tour durch die ganze Welt – erste Station: Amerika. Wer hat’s doch gleich erfunden, Johan? „Leif Erikson natürlich! Obwohl die nordamerikanischen Ureinwohner von Sibirien her kamen. Insofern ist es schwierig zu sagen, wer was entdeckt hat. Auf jeden Fall war es nicht Columbus, so viel steht fest. Als der in Amerika gelandet ist, gab es längst Geschichten über Eriksons Entdeckung! Da Island aber nur ein kleines Land ist, wussten die auf dem Kontinent noch nichts davon. Außerdem dachte Columbus ja, er hätte Indien entdeckt – was für ein Depp!“, lacht der Mann mit den Unterarmen wie Oberschenkeln.

Dann ist da aber ja auch noch das neue Amon Amarth Album TWILIGHT OF THE THUNDER GOD. Während Johan und Co. das Vorgängeralbum WITH ODEN ON OUR SIDE noch dem Herrn Papa im Götterreigen gewidmet hatten, ist auf TWILIGHT OF THE THUNDER GOD nun dessen Filius an der Reihe. „Thor ist ein wesentlicher Charakter der skandinavischen Mythologie und repräsentiert das Beste im Menschen, auch wenn er natürlich viele Fehler hat. Er steht für Mut, Stärke und Rechtschaffenheit, ist aber auch ein Hitzkopf. Er ist der Beschützer der Menschheit und verteidigt Midgard, das Reich der Menschen, gegen die Riesen. Das Album hat unglaublich viel Aggression, Action, Power und Brutalität, aber auch ein bisschen Melancholie – es beschreibt immerhin Thors letzten Kampf, denn danach gibt er den Hammer ab.“
 
Musikalisch liefern Amon Amarth genau das ab, was man von ihnen erwartet: kompromisslosen, zermalmenden Death Metal, der Szenarien besingt, bei denen man vor dem geistigen Auge grimmige Männer im Blutrausch kämpfen und durch die eisige Gischt segeln sieht, während am fernen Horizont Ragnarök aufzieht.

Coole Storys hin oder her – man fragt sich schon, ob die Jungs nicht langsam mal die Schnauze voll haben, immer nur von nordischer Mythologie zu grunzen. „Das sind nicht nur Geschichten“, erklärt Hegg. „Die nordische Mythologie inspiriert mich und beeinflusst mein ganzes Leben auf philosophischer Ebene. Die wichtigste metaphorische Verbindung ist für mich, dass du für das einstehen musst, woran du glaubst. Und wenn du dafür kämpfen musst, dann kämpfst du dafür! Es geht auch darum, loyal zu seinen Freunden und der Familie zu sein und für sie einzustehen. Das ist eine Lebensphilosophie – die Mythologie kann dich dazu inspirieren, ein besserer Mensch zu sein und ein besseres Leben zu führen.“

Ein besserer Mensch sein, Freunde und Familie ehren – hört sich doch fast nach dem christlichen Ideal der Nächstenliebe an, oder nicht? Dieser Gedanke trifft mitten ins Schwarze – Atheist Hegg ist auf der Palme. „Das christliche Ideal beruht auf einem wertenden Gott! Ich kann deshalb nicht an einen Gott glauben, weil es eine ziemlich lächerliche Vorstellung ist, dass irgendjemand die Welt geschaffen haben soll. Ich bitte dich! Da ist es wahrscheinlicher, dass am Nordpol ein alter Mann mit einem Bart lebt, der jedes Jahr mit seinem Schlitten losfährt und Kinder beschenkt!“

Und es geht weiter – noch hat Johan nicht genug: „Das Christentum beruht auf Untertänigkeit. Du unterwirfst dich, du gibst dich einem Gott hin – und er rettet dich nicht, sondern lässt dich niederknien. Warum sollte man sich so etwas geben? Wenn Gott tatsächlich existieren würde, wäre er ein ziemlich mieser Wichser! Guck dir doch an, was er mit diesem Abraham gemacht hat: Der sollte seinen eigenen Sohn auf dem Scheiterhaufen verbrennen! Was für ein blödes Arschloch macht denn so was? Und als Begründung gibt Gott an, er hätte nur seinen Glauben testen wollen. Was für ein Sadist!“

Und so endet das mit isländischen Wikingern begonnene Gespräch mit einer amüsanten Theodizee – Hail Thor!
 

teilen
twittern
mailen
teilen
Polar: Düstere Zeiten in hellster Strahlung

Gerademal eine Stunde nachdem Polar von ihrer letzten Tour-Station in Prag in den Gemäuern des Musik & Frieden angekommen sind, richtet sich der Trupp aus Großbritannien bereits fleißig für die anstehende Show ein. Mit einem etwas verschlafenen Blick, der dem freundlichen Lächeln jedoch nichts abtut, schlurft Sänger Adam Woodford, der sich freundschaftlich als “Woody” vorstellt, einem entgegen.   Seit einem Monat können Fans sich bereits an dem vierten Langspieler NOVA erfreuen. “Das Feedback zur Platte war bisher überwiegend positiv”, freut sich der Sänger. Polar haben bei den Arbeiten zum neuen Album erneut ein paar musikalische Änderungen durchlaufen. Seit der Veröffentlichung…
Weiterlesen
Zur Startseite