Wenn eine Band schon bei ihrer Gründung 1973 als „Supergroup“ etikettiert wird, dann weiß man: Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt. Bad Company – das Londoner Dream-Team aus Paul Rodgers und Simon Kirke (beide Ex-Free), Mick Ralphs (Ex-Mott The Hoople), Boz Burrell (Ex-King Crimson) – war von Anfang an mehr als nur ein Nebenprojekt. Mit Manager Peter Grant, dem Strippenzieher und Pianisten hinter Led Zeppelin, im Rücken war die Truppe quasi zum Erfolg verdammt. 1976, mit ihrem dritten Album RUN WITH THE PACK, zementierten sie endgültig ihren Platz im Rock-Olymp. Die Veröffentlichung liegt heute genau 50 Jahre zurück, weshalb wir eine Reise in die Vergangenheit wagen.
Ist der Name Programm?
Natürlich ranken sich Mythen um den Namen Bad Company. Manche behaupten, er stamme vom gleichnamigen Jeff Bridges-Film (1972). Klingt einleuchtend, ist aber Quatsch. Rodgers selbst erzählte später, dass er sich von einem viktorianischen Benimmbuch inspirieren ließ. Darin zu sehen: ein Bild eines Kindes, das eine zwielichtige Gestalt an einer Laterne beäugt. Darunter die Warnung „Beware of bad company“, zu Deutsch „Hüte dich vor schlechter Gesellschaft“.
Studio auf Rädern
Aufgenommen wurde das Album 1975 nicht etwa in einem sterilen Studio, sondern im legendären Rolling Stones Mobile Studio – einem DAF F1600 Turbo Truck. Ein rollender Tempel des Rock, in dem auch Led Zeppelin, Deep Purple, Motörhead und Iron Maiden ihre Spuren hinterließen. Die Idee stammte von Stones-Pianist Ian Stewart, der schlicht keinen Bock mehr auf die engen Zeitpläne klassischer Studios hatte. Bad Company nutzten die Freiheit und lieferten ein Album, das nach Freiheit und Faustschlag klingt.
Das Cover stammt von Künstler Kosh, der auch schon das Beatles-Werk ABBEY ROAD veredelte. Innen gab’s ein Foto der Band, wie sie lässig auf dem Sofa hockt und die Zeichentrickserie ‘Bugs Bunny’ schaut. Ursprünglich sollte es die Sitcom ‘I Love Lucy’ sein, aber die Genehmigung dafür bekamen Bad Company nicht. Egal, die Botschaft war klar: Das sind die Jungs, mit denen man abhängen will, solange man Bier im Kühlschrank hat.
Bad Company wussten, was gut ist
Musikalisch? Zehn Songs, knackige 36 Minuten, kein Gramm Fett. Der Titel-Song ‘Run With The Pack’ gilt bis heute als einer der größten Bad Company-Momente überhaupt. Das Classic Rock Magazine setzt ihn sogar auf Platz 1 der besten Lieder, die die Band je hervorbrachte. Dazu das bittersüße ‘Silver, Blue & Gold’, das hymnische ‘Live For The Music’ und ein augenzwinkerndes Cover von ‘Young Blood’ (Coasters, 1956). Kein Wunder, dass die Platte in den USA auf Platz 5 der Billboard 200 schoss und sich über eine Million Mal verkaufte.
Die Schattenseite
Doch die Geschichte hat auch ihre dunklen Ränder. Die geplante Tournee mit der Band Back Street Crawler wurde abgesagt, nachdem deren Frontmann Paul Kossoff – ebenfalls ein Free-Veteran – im März 1976 mit nur 26 Jahren an einer Lungenembolie starb. Ein tragischer Schatten über einem Album, das eigentlich für die große Bühne bestimmt war.
Ein Werk für die Ewigkeit
Heute, 50 Jahre später, glänzt die Platte immer noch silbern – im Original wortwörtlich, denn die Vinylerstauflage kam in metallischem Glanz daher, während die CD später nur ein graues Abziehbild davon war. Ralphs ist 2025 von uns gegangen, Burrell bereits 2006, doch Rodgers und Kirke halten die Fahne hoch. RUN WITH THE PACK bleibt ein Monument: ein Album, das nicht nur die wilde Jagd der Siebziger einfängt, sondern auch zeigt, wie man mit Rock’n’Roll die Welt im Sturm einnimmt.
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