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METAL HAMMER PODCAST Folge 1 mit Doro Pesch https://www.metal-hammer.de/wp-content/uploads/2020/11/27/09/mh-podcast-beitragsbanner.gif

Biografie-Auszug: Behemoth-Sänger über Krebserkrankung

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Wie wir berichteten, wird am 19. März 2015 ‘Confessions Of A Heretic: The Sacred And The Profane – Behemoth And Beyond’, die englischsprachige Biografie von Behemoth-Frontmann Nergal erscheinen.

Unter anderem erzählt Nergal auch von seiner Leukämieerkrankung, die er nach einer Knochenmarksspende 2010 vorläufig überwunden hat. Einen Auszug aus dem entsprechenden Abschnitt von ‘Confessions Of A Heretic’, der via metalinjection.net veröffentlicht wurde, könnt ihr hier lesen:

Was hat der Arzt gesagt, als er dich sah?

Zieh‘ dich aus, wir machen einen Bluttest, dann röntgen wir deine Lunge. Standardprozeduren. Aber er merkte offensichtlich, dass ich Probleme mit dem Atmen hatte, denn er bot mir zusätzlichen Sauerstoff an.

Hat er gesagt, du sollst da bleiben?

Ja. Drei Tage lange wurden verschiedene Test und Untersuchungen an mir vorgenommen.

Hat der Arzt dir gesagt, was das Problem sein könnte?

Nein. Ich nehme an, sie wollten mich nicht in Aufregung versetzen. Aber ich habe von ihrem Verdacht per Zufall erfahren.

Ich habe eine Nachricht gesehen, die an Dorota (polnische Sängerin, damalige Verlobte Nergals, Anm. d. Übers.) geschickt wurde. Darin war die Rede von drei Möglichkeiten. Ich muss gestehen, dass mir die einen Schauer über den Rücken jagte, obwohl die erste der Optionen nicht einmal so schlecht erschien.

Tuberkulose stand als erstes auf der Liste. Das hätte zwei oder drei Monate Krankenhaus bedeutet und dann hätte ich heimgehen können. Ich dachte, das wäre nicht das schlechteste Szenario. Als es aber schlimmer wurde, sagten die Ärzte, dass es auch ein Lymphangiom oder HIV sein könnte. Als ich diese letzten drei Buchstaben sah, fühlte ich mich schwach. Plötzlich zogen vor meinen Augen wie in einem Rückblick blitzlichtartig alle sexuellen Begegnungen der letzten Jahre vorbei. Es waren zwar einige, aber soweit ich mich erinnern konnte, war ich immer vorsichtig gewesen. Ich denke, ich hatte noch nie einen One-Night-Stand ohne Kondom. Ich hatte nur einen Gedanken: Lass es irgendetwas anderes als HIV sein.

Wann hast du von der endgültigen Diagnose erfahren?

Nach drei Tagen wurde ich in ein anderes Krankenhaus verlegt, in die Hämatologie-Station der Medizinischen Akademie in Gdańsk. Sie sagten mir nicht direkt, dass es ein Tumor war, aber ich hatte genug Hinweise, um meine eigenen Schlüsse zu ziehen. Sie führten einige weitere Tests durch und schließlich kam ein Arzt an mein Bett.

„Du hast Leukämie.“

Das ist exakt, was er sagte. Nichts sonst. Er hat mir einfach die Ergebnisse mitgeteilt. Ich wartete, bis er gegangen war und brach in Tränen aus. Dorota war bei mir und sie weinte ebenfalls. Das dauerte eine Weile – vielleicht zwei oder drei Minuten. Da war dieses riesige, überwältigende Gefühl der Schwäche.

Wusstest du überhaupt, was Leukämie ist?

Ich hatte keine Ahnung. Ich meine, ich wusste, dass diese Krankheit existiert, dass sie ernst, vielleicht sogar tödlich war, aber das war alles, was ich wusste. Also wischte ich die Tränen weg, griff zum Telefon und begann, alle Ärzte anzurufen, die ich kannte. Die Frage war kurz und präzise: ,Was ist Leukämie und wie bekämpfe ich es?’

Ich habe schnell realisiert, dass mir einige Monate lang ein harter Kampf bevorstand.

Wie hat es angefangen?

Ich weiß, das klingt sicher seltsam, aber ich bat Dorotas Bruder, mir einen elektrischen Rasierer mitzubringen. Ich dachte, wenn ich in den Kampf ziehe, brauche ich auch einen Kämpfer-Haarschnitt. Ich habe alles abrasiert, nur einen Streifen in der Mitte habe ich stehen lassen. Ich war bereit. Ich konnte beginnen, meinen Feind zu studieren.

Was genau hast du herausgefunden?

Dass es lymphoblastische Leukämie war: sehr aggressiv, aber leichter zu besiegen als myeloische Leukämie. Sie hat mich nicht aus einem Versteck heraus angegriffen, sondern sich mir sofort offenbart.

Hast du dir Vorwürfe gemacht, nicht früher zum Arzt gegangen zu sein?

Das war nur eine Sache weniger Wochen. Abgesehen davon habe ich die Ärzte gefragt, ob es irgendetwas geändert hätte und sie meinten ,Nein‘, obwohl mein Zustand so ernst war. Ich nehme an, ohne das unmittelbare medizinische Einschreiten, hätte ich maximal noch ein oder zwei Monate gelebt. Es war über ein halber Liter Wasser in meiner Lunge. Deshalb hatte ich diese Atemprobleme.

Wie ist es dahin gelangt?

Manchmal sammelt sich Wasser in der Lunge. Normalerweise natürlich nicht in diesem Umfang, aber es kommt dahin und wird dort gefiltert. In meiner Lunge war aber etwas – ein aufgeblähter Tumor, wie sich herausstellte –, das es davon abhielt. Also haben sie mir eine Drainage gelegt.

Danach hatte ich ein Loch an der Seite meines Körpers. Wie Jesus. Der Unterschied war, dass sie es mir nicht mit einem Speer beibrachten, sondern mit einem speziellen Röhrchen. Für zwei Tage floss daraus eine widerliche, rot-gelbliche Flüssigkeit in ein Glas neben meinem Bett.

Wenn ich heute in den Spiegel blicke, sehe ich diese Narbe – ebenso wie zwei andere von Zentralvenenkatedern – und grinse mir zu. Ich bin dankbar für diese Wunden. Sie sind meine Stigmata. Die Drainagen-Narbe erinnert mich an meinen ersten siegreichen Kampf. Als das Wasser aus der Lunge entfernt war, konnte ich zum ersten Mal seit vielen Tagen wieder ohne Beschwerden atmen. Ich fühlte mich stärker und konnte weiterkämpfen.

Hast du deinen Eltern davon erzählt?

Ich habe zuerst meinen Vater angerufen. Ich habe ihm die Geschichte ganz genau erzhält und ihn gebeten, meine Mutter auf die Angelegenheit vorzubereiten. Irena ist eine sehr sensible Person – manchmal denke ich, dass ihre Psyche wie die eines kleinen Mädchens ist.

Als wir zu Beginn über die Zeit der Diagnose sprachen, warst du sehr angespannt. Nun, wo wir über die Zeit im Krankenhaus reden, wirkst du entspannt. Das überrascht.

Es spiegelt meinen Zustand zu dem jeweiligen zeitlichen Abschnitt wieder. Als ich meinen Feind kannte, hörte ich auf, mich verrückt zu machen und beruhigte mich. Die Diagnose war ein Schlag, aber die Taubheit und der Zweifel hielten nicht lange an. Ich wusste, dass ich mich einer Herausforderung stellen musste. Wenn du durch einen düsteren Wald gehst und weißt, dass sich dort etwas im Dunklen versteckt, beginnst du, in Panik zu verfallen. Siehst du den Feind dagegen bei Licht, fokussierst du dich auf eine Strategie wie du ihn austricksen kannst. Ich liebe das Kämpfen und Spielen, also betrachtete ich die Krankheit als Herausforderung.

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