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Ersteindruck PlayStation VR: Das kann Sonys virtuelle Realität!

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Inhalt & Einrichtung

In der schönen und ordentlich aufgeteilten Verpackung finden sich neben dem Headset zahlreiche Kabel sowie eine kleine Verteilerkiste, die sogenannte Prozessoreinheit. Diese hängt mit einem USB- sowie drei HDMI- und einem proprietären Kabel zwischen PS4, Fernseher und Headset und teilt das Signal der PlayStation 4 in das Headset-Signal und das TV-Signal für den „Social Screen“ auf. Dieser zeigt gegebenenfalls auch anwesenden Freunden und Lebenspartnern auf dem Fernseher, was der Spieler gerade erlebt. Zudem verhindert die Box, dass umgesteckt werden muss, wenn die PS4 im Normalbetrieb genutzt wird. Die Einheit schleift nämlich das HDMI-Signal durch – allerdings nicht im HDR-Farbraum, was einigen Spielern mit HDR-fähigen TV-Geräten sauer aufstoßen dürfte.

PlayStation VR: Das ist drin
PlayStation VR: Das ist alles drin

Der Anschluss ist einfach gehalten und erfordert, wenn man sich nicht ganz doof anstellt, noch nicht einmal einen Blick ins Handbuch. Das Headset wird mit einem HDMI- und einem proprietären Kabel vorne, Fernseher und PS4 mit je einem HDMI-Kabel hinten an der kleinen Box angeschlossen. Zudem ist ein Stromanschluss, sowie eine USB-Verbindung zur PS4 Pflicht. Die vielen Kabel sind zwar nicht schön, ordentlich verlegt fällt aber nur das rund 2,5 Meter lange Kabel zum Headset in den Blick. Das Headset bietet eigenen 3D-Sound, der anhand der Kopfbewegung berechnet wird. Hierzu müssen allerdings Kopfhörer an die kleine Kabel-Fernbedienung des Gerätes angeschlossen werden – jeder eigene Bügel- oder In-Ear-Kopfhörer mit Klinkenanschluss passt, auch ist ein paar günstiger In-Ears beigelegt.

Ärgerlich: Die zwingend notwendige PlayStation-Kamera ist nicht beigelegt und muss für weitere knapp 60 Euro separat gekauft werden. Die Installation selbst ist allerdings einfach und mit zwei, drei Handgriffen erledigt. Auch die optionalen Bewegungscontroller von PlayStation Move sind nicht enthalten, allerdings lassen sich fast alle Spiele auch ausschließlich mit dem Controller steuern.

Das PlayStation VR-Headset

Das Headset ist nicht gerade ein Leichtgewicht, durch seine Konstruktion aber von allen VR-Brillen am angenehmsten zu tragen. Durch seine ausgeklügelte Befestigungstechnik liegt das Gewicht nämlich auf der Stirn – und nicht auf dem Nasenrücken wie bei Oculus oder HTC. Dazu ist die Befestigung denkbar einfach: Knopf am Kopfband drücken, herausziehen, aufsetzen, mit einer Schraube arretieren und dann den Visor mit Tastendruck und Gefühl ans Gesicht heranziehen. Lederähnliche Polster an Stirn und Nacken machen das Tragen der knapp 600 Gramm angenehm und Gummilappen schützen vor nervigem Lichteinfall.

PlayStation VR: Das Headset in Nahaufnahme
PlayStation VR: Das Headset in Nahaufnahme

Der Visor bietet mit seinem 5,7 Zoll großen AMOLED-Display mit insgesamt 1.920 x 1.080 Pixel (also 960 x 1.080 Bildpunkte pro Auge) weniger Pixel als HTC oder Oculus, allerdings ist der sogenannte Fliegengittereffekt, bei dem man das Pixelraster des Displays wahrnimmt, durch die hier vorhanden Subpixel etwas weniger ausgeprägt. Statt eines sichtbaren Rasters ist der Störeffekt auf leichte Unsauberkeit, die ein wenig an Bildrauschen erinnert, reduziert.

Immersion und Tracking

Dennoch ist die Auflösung natürlich spürbar geringer als bei der gewohnten Full-HD-Darstellung auf dem TV. Die Immersion leidet darunter aber nur geringfügig – auch das auf 100° beschränkte Sichtfeld, ist schnell ausgeblendet.

Denn andere Aspekte funktionieren hervorragend: Die Kamera erkennt das Headset anstandslos und auch das Headtracking über mehrere Lichtpunkte auf Vorder- und Rückseite der Brille funktioniert flüssig, ohne jede Verzögerung (wichtig, denn andernfalls stark übelkeitserregend) und zuverlässig. So kann man sich entspannt umdrehen und die Umgebung in allen Richtungen untersuchen.

Um PlayStation VR zu kalibrieren müsst ihr einmalig eure Kamera auf den Spielbereich ausrichten, auch eine nicht zu harte Ausleuchtung des Wohnzimmers hilft der Präzision. Der Vorgang geht zügig und ist zudem präzise.

Die Spiele

Zum Start von PlayStation VR gibt es eine Vielzahl von VR-Erfahrungen, Kapiteln und Spielen, die von Action bis langsamem Adventure alles abdecken was das Herz begehrt. Für diesen Ersteindruck werden wir uns allerdings zunächst auf die acht Demos beschränken, die jeder Käufer auf einer Blu-ray mitgeliefert bekommt. Antesten kann der Spieler so Driveclub VR, Eve Valkyrie, Rigs: Mechanized Combat League, Headmaster, VR Worlds, Battlezone, Tumble VR und Wayward Sky. Wir haben im Folgenden die Erfahrungen nach Intensität geordnet und kurz zusammengefasst.

Headmaster

In Headmaster lernt der Spieler die richtige Kopfballtechnik: Mit der Bewegung des Kopfes muss man einfliegende Fußbälle aus statischer Position im Tor platzieren und kann dabei Bonuspunkte abgreifen, wenn man zusätzliche Ziele trifft. Eine nette Beschäftigung für zwischendurch, aber nicht viel mehr als eine Mini-Techdemo.

Tumble VR

Tumble VR ist eine Art VR-Jenga – in verschiedenen Spielmodi müssen Dinge gestapelt, gestapelte Dinge wieder zerlegt oder Lichtstrahlen mit Spiegeln und Bauklötzen umgelenkt werden. Das klingt zunächst profan, macht aber in der virtuellen Realität erstaunlich viel Spaß, zumal man mit dem DualShock 4 als Motion-Controller die einzelnen Blöcke und Gegenstände präzise auf dem Arbeitstisch platzieren kann. Kein Blockbuster, aber eine schöne, sehr entspannte Minispiel-Anwendung für VR, die auch technisch überzeugt.

Wayward Sky

Wayward Sky bezeichnet sich selbst als „Look and Click“-Adventure und tatsächlich umfasst das in einem unglaublich knuffigen Comic-Look gehaltene Spiel viele Elemente aus klassischen Adventures. Aus einer erhöhten Perspektive blickt der Spieler wie auf ein Diorama, das sich unter ihm erstreckt und navigiert die Spielfigur mit Blick und Controller-Klick durch die Level. Teilweise wechselt die Perspektive in eine Ego-Sicht, in der mit Motion-Controllern (oder DualShock 4) kleinere Rätsel gelöst oder Hebel betätigt werden. Die sehr kurze Demo zeigt leider nur einen winzigen Spiel-Ausschnitt, das entspannte Spielprinzip und die tolle Kulisse machen aber auch so schon richtig Spaß und bieten eine schöne Abwechslung vom VR-Actionüberfluss.

VR Worlds

VR Worlds ist eine VR-Spielesammlung, bei der Sony in verschiedenen Umgebungen zeigen will, was in der Virtuellen Realität möglich ist. In der Demo ist allerdings nur der Tauchgang “Ocean Descent”, bei dem man in dunkler Tiefe einem Hai begegnet und der Übungs-Schießstand der Gangster-Kurzgeschichte The London Heist verfügbar, bei dem man sich durch vielerlei Ziele ballert. Beide Demos funktionieren gut, vor allem die Haiattacke von Ocean Descent ist eindrucksvoll – aufgrund des beschränkten Einblicks in den Umfang von VR Worlds ist der Inhalt aber in dieser Form nur Mini-Spielerei.

Driveclub VR

Schon in 2D ist Driveclub ein ordentliches Rennspiel mit tollen Cockpits – die allerdings erst in der virtuellen Realität so richtig ihre Muskeln spielen lassen. Obwohl das Bild spürbar unschärfer und pixeliger ist als auf dem Fernseher und zudem auch die Kulisse im Detail Federn lassen musste, war eine Rennsimulation noch nie so immersiv und intuitiv. Aufgrund der hervorragend designten Innenräume der Rennwagen sowie dem gut funktionierenden Head-Tracking fühlt man sich wie am Steuer eines Luxus-Flitzers. Zudem bekommt man ein völlig anderes Gefühl für die Geschwindigkeit, Bremspunkte und Kurven, da man wie in der echten Welt in die Kurve hineinblicken und so die Abstände viel besser einschätzen kann. Ein erster Hinweis darauf, für welche Genres VR eine echte Bereicherung darstellen kann.

Battlezone

Ein weiteres Beispiel für gelungene Integration von VR ist das Reboot des Spielhallen-Klassikers Battlezone von Rebellion. Hier steuert man einen Kampfpanzer in klassischer Arcade-Manier gegen zahllose Feinde ins Gefecht. Mit Kanone, Maschinengewehr und EMP-Schockwelle setzt man sich gegen stilisierte Türme, Helis und Kampfpanzer zur Wehr. Aufgrund des detaillierten Cockpits, das alle wichtigen Informationen über den Panzer auf Bildschirmen darstellt sowie der hervorragenden Rundumsicht werden die Kämpfe schnell zum intensiven Ganzkörpererlebnis. Man sucht völlig intuitiv die Umgebung neben und über dem Kriegsgerät nach Feinden ab, checkt die Anzeigen im Cockpit und ballert was das Zeug hält. Einziges Manko: Die Demo ist deutlich zu kurz!

Eve: Valkyrie

Ebenfalls deutlich zu kurz ist die Demo des im Eve: Online-Universum angesiedelten Weltraum-Shooters Eve: Valkyrie, bei dem man das Steuer eine Raumjägers übernimmt. Eve war eines der ersten Spiele, die für VR gezeigt wurden – und fasziniert auch heute noch. Alleine die an Battlestar-Galactica erinnernde Startsequenz über ein Katapult sorgt für Staunen und der anschließende Feindflug im All, umgeben von riesigen Trägerschiffen für ein glückseliges Grinsen im Gesicht eines jeden Sci-Fi-Fans. Haben wir uns nicht schon zu seeligen X-Wing-Alliance oder Freespace-Zeiten genau diese Erfahrung gewünscht? Allerdings ist die Intensität hier dank heftiger Flugmanöver bereits hoch: Menschen mit Hang zur Motion Sickness sollten damit rechnen, zunächst nur kurze Einsätze fliegen zu können!

RIGS Mechanized Combat League

RIGS ist ein VR-Arena-Shooter und stellt damit die Mägen der Spieler vor die größte Herausforderung: Die Mechs, deren Kontrolle man in den Arenen übernimmt, beherrschen nämlich schnelle seitliche Ausweich-Bewegungen und hohe Sprünge, die Menschen mit Motion Sickness zu Beginn definitiv überfordern dürften. Alle anderen bekommen einen spaßigen Shooter zwischen Sport und Unreal Tournament, bei dem man durch Abschüsse einen Overdrive-Modus erreichen muss, um dann über einen Sprung durch einen Reifen ein Tor zu erzielen. Die Steuerung ist zunächst extrem ungewohnt und die Demo mit einer Halbzeit zu kurz, um sich wirklich auf die Action einzulassen. Dennoch funktioniert RIGS hervorragend – nicht zuletzt weil auch hier die Immersion durch das Cockpit schlüssig funktioniert.

Übelkeit und Ausblick

Eine wichtige Frage bleibt: Wird einem automatisch schlecht, wenn man PlayStation VR nutzt! Die Antwort? Nicht unbedingt! Auch wenn ich anscheinend mit einem starken Magen gesegnet bin, der sich auch von den wilden Sprungmanövern der Mechs in RIGS nicht im Ansatz beeindrucken lässt, hilft die unheimlich niedrige Latenz und die durchweg flüssige Darstellung der Spiele dabei, das Übelkeitsgefühl zu minimieren. Allerdings ist dieser Eindruck höchst subjektiv: Ähnlich wie auf dem Jahrmarkt kann ein Fahrgeschäft, was eine Person stundenlang aushält, für eine andere schon nach Sekunden zur Kotz-Schleuder werden. Generell gilt aber: Pausen sind Pflicht!

PlayStation VR steht noch ganz am Anfang der Software-Entwicklung. Tatsächlich gibt es aber schon jetzt interessante Spiele und Erfahrungen wie z.B. Batman VR und das VR-Level von Rise Of The Tomb Raider, bei dem man Croft Manor erkunden kann. Auch für Horror-Erfahrungen wie Until Dawn: Rush Of Blood oder Resident Evil 7 ist die Virtuelle Realität prädestiniert. Wir werden einige der Launch-Titel in der nächsten Woche etwas genauer unter die Lupe nehmen.

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