Formatdebatte: „NFTs stärken die Verbindung zwischen Künstler und Fan.“

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Christoph Tiers ist seit mehr als zehn Jahren in der Musik-Branche tätig und hat weit über hundert Produktionen aller Genres als Recording, Mixing und Mastering Engineer begleitet. Seit 2016 unterrichtet er an der Fernschule für Tontechnik und Musikproduktion in Karlsdorf. Uns erklärt Tiers, wie NFTs in der Musik funktionieren, thematisiert die Chancen für Fans und Künstler, aber auch die Risiken solch einer Wertanlage.

METAL HAMMER: Christoph, wie funktionieren eigentlich NFTs im Musikbereich?

Christoph Tiers: Bei NFTs handelt es sich – vereinfacht ausgedrückt – um Eigentumszertifikate, die mittels Blockchain gesichert werden. Primär werden damit digitale Kunstwerke gehandelt, beispielsweise eine 3D-Animation, ein Video, ein Foto oder auch eine exklusive Musikaufnahme. NFTs im Musikbereich sind also sowohl Merchandise als auch Anlage- und Spekulationsobjekte. Allgemein gesagt stellen NFTs für Musikschaffende eine kostengünstige und relativ einfache Möglichkeit dar, ihren Fans zusätzliche Inhalte zur Verfügung zu stellen und damit Geld zu verdienen. In einer Zeit, in der das Kernprodukt – die Musik – für die meisten Marktteilnehmer lächerlich kleine Gewinne abwirft, sind solche Möglichkeiten für beide Seiten wichtig. Sie stärken die Bindung zwischen Künstler und Fan und ermöglichen Indie-Artists Einkommensströme, die sie unabhängiger von Plattenfirmen und Nebeneinkünften macht. Und das wiederum ist gut für die Kunst.

Jo-Jo-Effekt

MH: Deinem Blog entnehme ich, dass NFTs im Musikbereich bislang nur für wohlhabende Fans interessant sind. Muss man sich das als Mäzenatentum oder doch als Wertanlage vorstellen?

CT: Das ist so nicht ganz richtig. Der große Boom der NFTs, vor allem auch in Bezug auf Musik, ging in der Tat mit medienwirksamen Multimillionenbeträgen einher, die in einzelnen Transaktionen erreicht wurden und natürlich dem durchschnittlichen Musikkonsumenten nicht zur Verfügung stehen. Diese horrenden Beträge stellen aber nicht die Regel dar – auch nicht für etablierte Acts. Sie machen nur gute Schlagzeilen. Wie immer, wenn eine neue, Erfolg versprechende Technologie auf den Markt kommt, gibt es über den gesamten Markt eine Art Jo-Jo-Effekt, bevor sich das Ganze in einem realistischen Rahmen einpendelt. Deutlich alltagstauglicher und mächtiger als das Mäzenatentum sind Crowdfunding-Ansätze wie beispielsweise der von Biddz. Hier legen Fans zusammen, um den Vorschuss eines Artists zu finanzieren, und jeder Spender erhält im Gegenzug einen Anteil an den späteren Streaming-Einnahmen. Meiner Meinung nach ist das ein sehr faires Modell.

Anteil am Wertzuwachs

MH: In welcher Hinsicht?

CT: Hast du dir schon mal ein Bandshirt gekauft, das du eigentlich gar nicht anziehst, nur um die Band und ihre Musik zu unterstützen? Das physische Produkt ist in solch einem Prozess eigentlich hinfällig und kann einfach durch ein digitales Pendant ersetzt werden. Das ist nicht nur logistisch viel einfacher, es kommt auch mehr Umsatz beim Künstler an. Man kann diese NFTs sammeln, handeln, und im Fall eines Wertzuwachses mit Gewinn weiterverkaufen. Durch sogenannte „Smart Contracts“ kann der Urheber des NFT sogar eine Beteiligung an zukünftigen Verkäufen festlegen. Das ist neuartig und wirklich nur fair, denn ein Wertzuwachs ist in der Regel primär der Arbeit des Künstlers zu verdanken. Das ist meiner Meinung nach einer der stärksten Pluspunkte an NFTs.

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