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Im Pit bei: Children Of Bodom + Insomnium + Medeia

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Die finnischen Superstars Children Of Bodom machen sich mit ihrem nunmehr achten Studioalbum HALO OF BLOOD auf zu ihrer bislang größten Europatour. Präsentierte sich der wilde Haufen während des letztjährigen Festival-Marathons noch etwas angekratzt, stehen mittlerweile wieder alle Zeichen auf Sturm – denn nicht nur die Songs der neuen Platte erinnern an alte Tage, auch das unbändige Verlangen, eine Bühne nach der anderen abzureißen, ist wieder zurückgekehrt.

Bevor Frontsau Alexi Laiho und seine Mannen allerdings auf die Stuttgarter Hate Crew losgelassen werden, sind erstmal Medeia an der Reihe. Während sich das LKA erst noch richtig füllen muss, legt das finnische Sextett pünktlich um 19:30Uhr los. Eine Runde Alternative Death Metal steht hier auf dem Programm, zumindest wenn man den bandeigenen Aussagen beipflichten will.

Dieser äußert sich zumeist in derbem Gitarren-Geschrammel, bei dem das nötige Feingefühl leider auf der Strecke bleibt – von der armen Keyboarderin, die dabei komplett untergeht, ganz zu schweigen. Zwar blitzen hier und da auch melodische Momente durch, ansonsten gibt man sich aber bewusst atonal brutal. Das löst im Schwabenland keine großartigen Jubelstürme aus, der motivierten Performance wird aber dennoch Tribut gezollt.

Frenetisch bejubelt werden dagegen Insomnium, auch wenn dies am heutigen Abend sicherlich keine Selbstverständlichkeit ist. Bei einem Soundbild, das jegliche Abstimmung vermissen lässt und derart vielen offensichtlichen Verspielern, fällt es zu Anfang enorm schwer, sich auf den sonst so atmosphärisch melancholischen Death Metal einzulassen.

Nach einem völlig verhunzten ‘Where The Last Wave Broke‘ fangen sich die sympathischen Finnen aber glücklicherweise wieder. Wenn man bedenkt, dass sie heute ihren letzten Gig als Support von Children Of Bodom bestreiten und dabei mit Sicherheit schon vorab das ein oder andere alkoholische Getränk vernichtet haben, sei ihnen der schwache Start verziehen – ein Tourabschluss muss schließlich gefeiert werden.

Grund zu feiern haben wenig später dann auch die treuen Fans: Das himmlische ‘Down With The Sun‘ verlangt der Nackenmuskulatur einiges ab, ‘Ephemeral‘ aus der gleichnamigen neuen EP macht live ebenfalls eine starke Figur und ‘Mortal Share‘ markiert den vorläufigen Höhepunkt des Auftritts. Beim abschließenden ‘One For Sorrow‘ stürmen dann noch Medeia mit reichlich Hochprozentigem die Bühne und revanchieren sich für den vorherigen „Übergriff“ aus dem Insomnium-Lager.

Selbst Children Of Bodom-Schlagzeuger Jaska Raatikainen lässt es sich nicht nehmen, seinen Landsleuten Gesellschaft zu leisten und schon mal die Schießbude von Markus Hirvonen abzubauen, während dieser noch fleißig die Felle malträtiert. Insomnium hat man gewiss schon Mal besser gesehen, drückt man jedoch ein Auge zu, begeistern sie die Menge selbst mit einer etwas holprigen Abschiedsshow.

Was Children Of Bodom dann allerdings eine knappe halbe Stunde später abliefern, konnte man in der Form nun wirklich nicht erwarten. Von den eingangs erwähnten Müdigkeitserscheinungen ist rein gar nichts mehr zu spüren, denn schon beim Opener ‘Transference‘ merkt man Laiho und Co. an, dass sie wieder Blut geleckt haben. Beim darauffolgenden Doppelschlag ‘Needled 24/7‘ und ‘Living Dead Beat‘ explodiert das LKA dann komplett – ab diesem Zeitpunkt sollte der Pit nie wieder zur Ruhe kommen. Ganz im Gegenteil: Die ständig neu formierten Wall Of Deaths ziehen mehr und mehr ausrastende Bodom-Jünger in ihren Bann.

Das HALO OF BLOOD-Duo, bestehend aus dem pechschwarzen Titeltrack und dem Midtempo-Brecher ‘Scream For Silence‘, macht da keine Ausnahme. Anschließend gibt es wieder Old School-Kost vom Feinsten auf die Ohren. ‘Bodom After Midnight‘, ‘Lake Bodom‘ und die Bandhymne ‘Hate Crew Deathroll‘ werden mit einer Intensität abgefeuert, die schlicht Ihresgleichen sucht. Drummer Jaska Raatikainen peitscht seine Mitstreiter dabei so gnadenlos voran, dass diese teilweise schon Probleme haben, überhaupt hinterher zu kommen. Selbst für bodomsche Verhältnisse ist das Hochleistungssport jenseits der gängigen BpM-Grenze.

Bei solch einer schweißtreibenden Performance bleibt der moshenden Meute gar nichts anderes übrig, als mitzuziehen. Das weiß auch Saitenhexer Laiho zu schätzen, der selbst ein wenig überrascht zu sein scheint, was sich ihm da für ein imposantes Bild vor der Bühne bietet… und das an einem Montagabend. Grundsätzlich muss man dem selbsternannten Wildchild jedoch attestieren, dass er nach all seinen Eskapaden – die nicht selten im Krankenhaus endeten – zunehmend ruhiger agiert und sich mehr auf seine Gitarrenkünste fokussiert. Man könnte gar meinen, er sei nüchtern, auch wenn diese Aussage angesichts des trinkfesten Images der finnischen Truppe fast schon an Majestätsbeleidigung grenzt.

Beim stimmungsvoll beleuchteten  ‘Dead Man‘s Hand On You‘ darf dann erstmals durchgeatmet werden, bevor wieder kollektive Ekstase angesagt ist. Generell hat das Quartett optisch wieder einmal Einiges auf die Beine gestellt. Neben einer ausgeklügelten Lightshow zieren drei große Projektionstafeln die Bühne und setzen die jeweiligen Songs mit allerlei düsteren Bild-und Videountermalungen zusätzlich in Szene. Hierbei erlauben sich die Herren dann auch noch einen kleinen Scherz und benennen ihre Abrissbirne ‘Are You Dead Yet?‘ kurzerhand in ‘Are You Dad Yet?‘ um. Man habe einfach nicht genug Platz gehabt, um vier Projektionstafeln aufzuhängen, wie Keyboarder Janne Wirman aufklärt.

Während bei der Songsymbiose aus dem selten gehörten ‘Towards Dead End‘ und dem Klassiker ‘Hate Me!‘ nochmal alle Reserven mobilisiert werden, treten Insomnium erneut in Erscheinung. Frisch geduscht und mit stilechten Höschen bekleidet, sorgen sie nicht nur bei den Bodom-Kindern für irritierte Blicke. Da hilft nur noch der übermächtige Rausschmeißer ‘Downfall‘ und die Zugabe ‘In Your Face‘, die ihrem Namen definitiv gerecht wird. Nach einer derartigen, knapp 90-minütigen Vollbedienung, darf man mit Fug und Recht behaupten: Children Of Bodom haben ihren Platz im Live-Olymp wieder eingenommen.

Die Fotos oben in der Galerie stammen vom Childrem Of Bodom-Konzert am 01.10.2013 in Köln.

Setlist Children Of Bodom Stuttgart

  1. Transference
  2. Needled 24/7
  3. Living Dead Beat
  4. Halo Of Blood
  5. Scream For Silence
  6. Bodom After Midnight
  7. Lake Bodom
  8. Hate Crew Deathroll
  9. Shovel Knockout
  10. Dead Man’s Hand On You
  11. Are You Dead Yet?
  12. Blooddrunk
  13. Angels Don’t Kill
  14. Towards Dead End / Hate Me!
  15. Dowfall
  16. In Your Face

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