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Jethro Tull: TOO OLD TO ROCK ’N’ ROLL: TOO YOUNG TO DIE! ist 50

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TOO OLD TO ROCK ’N’ ROLL: TOO YOUNG TO DIE! – schon der Titel klingt wie ein trotzig erhobener Mittelfinger. Genau das war Jethro Tulls neuntes Album auch: ein britisches Statement gegen das vorschnelle Wegsortieren einer Band, die sich weigerte, brav in die Mottenkiste der „alten Garde“ geschoben zu werden. Dass die Veröffentlichung dieses Werks heute bereits ein halbes Jahrhundert her ist und Frontmann Ian Anderson noch lange nicht ans Aufhören denkt, beweist, wie ernst diese Botschaft ihm damals schon war.

Ein Konzeptalbum, das eigentlich auf die Bühne gehört

Ursprünglich sollte die Geschichte um Ray Lomas – ein fiktiver, alternder Rocker, der den Anschluss an die moderne Musik verliert, aber nicht dazu bereit ist, in Vergessenheit zu geraten – sogar auf die Bühne. Am Ende wurde das Ganze in die Albumform gezwängt. Ein Großteil der Handlung versteckte sich im Comic, der auf der Hülle der Platte zu finden war. Ein bisschen schräg, ein bisschen ernst, ganz viel Jethro Tull. Die Band selbst beschreibt das Werk heute auf der eigenen Website als „Rock-Oper über das Älterwerden in der Rock-Welt“, eine Mischung aus skurrilem Humor und bitterer Wahrheit über die Zyklen der Musikindustrie.

„Zu alt“ – bis der Trend wiederkehrt

Frontmann Ian Anderson, musikalisches Multitalent und Chef des Quintetts, sah das Ganze schon damals mit ironischem Grinsen. Seine Haltung beschrieb er 1999 im Gespräch mit Guitar World: Rock und Mode laufen in Zyklen. Heute ist man „zu alt“, morgen wieder Kult. Und, ja – das war bei der Veröffentlichung 1976 auch ein Seitenhieb auf die Punk-Bewegung, die laut Anderson „suggerierte, dass die alte Garde, Bands wie wir, ihren Zenit überschritten hätten“. Jethro Tull konterten sinngemäß: Wir sind noch lange nicht fertig. Auch ein halbes Jahrhundert später, mit dem neuesten Album CURIOUS RUMINANT (2025) und der Wiederbelebung von Jethro Tull Ende der 2010er Jahre, hat er das eindrucksvoll bewiesen.

Neues Blut, alte Kritik

John Glascock gab auf TOO OLD TO ROCK ’N’ ROLL: TOO YOUNG TO DIE! sein Debüt am Bass – und steuerte auch Hintergrundgesang bei. Trotzdem wurde das Album damals skeptisch beäugt. Kritiker warfen dem Werk vor, zu kommerziell zu klingen, zu sehr von The Kinks inspiriert zu sein, zu wenig klassische Jethro Tull. Der US-Amerikanische Rolling Stone ätzte sogar, Anderson solle lieber Musik machen, denn „Geschichtenerzähler sei er definitiv keiner“. Dies ist das einzige Jethro Tull-Album der Siebziger, das keinen Goldstatus erreichte – in gewissem Maß scheinen die Fans derselben Meinung gewesen zu sein.

Die Deutschen waren vergleichsweise gnädig, die Platte schaffte es immerhin auf Platz 26 der Charts. Das ist zwar nicht überragend, aber respektabel für ein Werk, das sich bewusst gegen den Zeitgeist stemmte.

Heute: Kultstatus durch Weitsicht

Mit Abstand betrachtet wirkt das Urteil der damaligen Presse fast schon peinlich. Denn das Thema – das Altern in einer jugendfixierten Branche – ist zeitlos. Genau deshalb wird das Album heute gefeiert: Es war seiner Zeit voraus, mutig und ehrlich. Damit traf es einen Nerv, der bis heute in vielen Köpfen pulsiert.

Wenn man TOO OLD TO ROCK ’N’ ROLL: TOO YOUNG TO DIE! heute hört, spürt man nicht die Müdigkeit eines alternden Rockers, sondern den Kampfgeist einer Band, die sich weigert, sich von Trends diktieren zu lassen. Ein Album wie ein trotziges Grinsen – und ein Beweis dafür, dass man in der Rock-Welt nie wirklich „zu alt“ ist.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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