Es gibt Debütalben, die höflich anklopfen, sich vorstellen und artig fragen, ob sie vielleicht kurz reinhören dürfen. Dann gibt es noch BAD REPUTATION. Joan Jett hat 1981 der gesamten Musikindustrie den Mittelfinger gezeigt und dabei so breit gegrinst, dass selbst die härtesten Punk-Veteranen anerkennend nicken mussten.
Genug Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen
Dabei beginnt die Geschichte dieses Albums nicht mit einem glamourösen Labelvertrag, sondern einer Abfuhr nach der anderen. Nach dem Ende der Runaways stand Jett an einem Scheideweg: weitermachen oder untergehen. Sie entschied sich für Ersteres – und zwar mit einer Sturheit, die man sonst nur von heutigen nordischen Metal-Demos kennt, die vor Konzerthallen aus dem Kofferraum heraus verkauft werden. Genauso lief es nämlich damals ab: Im Mai 1980 erschien das Album erstmals unter dem schlichten Titel JOAN JETT, komplett unabhängig, komplett selbstgebastelt.
Die Plattenfirmen? Kein Interesse. Zu rotzig, zu ungehobelt, zu wenig formbar. Also machten Jett und Produzent Kenny Laguna das, was echte Rock’n’Roller tun: Sie verkauften die Scheiben selbst – direkt aus Lagunas Auto. Keine Marketing-Strategie, keine PR-Kampagne, nur rohe Überzeugungskraft und ein Album, das lauter war als jede Absage. Und, siehe da: Genau diese Hartnäckigkeit brachte Boardwalk Records auf den Plan. Ein Jahr später erschien das Werk erneut, diesmal unter dem Titel BAD REPUTATION – mit neuer Reihenfolge der Lieder, aber ansonsten unverändert.
Viele Gäste und Unterstützung für Joan Jett
Musikalisch ist das Album ein wilder Cocktail: Rock’n’Roll der Fünfziger und Sechziger, Glam-Attitüde, ein Spritzer Punk. Dazu eine Joan Jett, die klingt, als würde sie jedem Song persönlich die Zähne ausschlagen, wenn er nicht spurt. Unterstützt wurde sie dabei von Mitgliedern der Roll-Ups: Lea Hart, Jeff Peters und Paul Simmons. Dazu kommt eine Gästeliste, die sich liest wie ein „Who’s who“ der späten Siebziger: Steve Jones und Paul Cook von den Sex Pistols, Clem Burke und Frank Infante von Blondie.
Wo Jett ist, wird es laut und gut
Trotzdem hält sich bis heute ein hartnäckiger Mythos: dass BAD REPUTATION ein Album von Joan Jett & The Blackhearts sei. Totaler Unsinn, der selbst auf großen Streaming-Plattformen so vermarktet wird. The Blackhearts kamen erst später ins Spiel. BAD REPUTATION ist Jetts Solo-Statement, zu dem sie viele großartige Musiker einlud. Es bildet den direkten Vorläufer zu I LOVE ROCK’N’ ROLL (1981), dem Album, das sie endgültig in den Rock-Olymp katapultierte. Bei diesem Werk kamen dann auch endlich The Blackhearts ins Spiel.
1999 bekam das Album eine Frischzellenkur: Neu abgemischt, mit Bonusmaterial versehen und erneut veröffentlicht – ein Beweis dafür, dass Jetts Start in die Solo-Ära nichts von seiner Strahlkraft verloren hat. Unterm Strich bleibt BAD REPUTATION ein Manifest. Ein Album, das nicht fragt, ob es jemandem gefällt. Es existiert, weil Joan Jett es wollte – und weil Rock’n’Roll manchmal genau diese Mischung aus Trotz, Talent und totaler Unabhängigkeit braucht. Ein Jubiläum, das man nicht feiert, sondern laut aufdreht.
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