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Maik Weicherts Kolumne: Traue keinem, der Slayer nicht mag!

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Heaven Shall Burn Maik Weichert
Heaven Shall Burn 19.03.2010 Session
Weimar – , Germany

An einem schönen Spätsommernachmittag schlendere ich zum Briefkasten und treffe einen meiner netten Nachbarn. Man grüßt sich freundlich wie immer und hält kurzen Smalltalk. Dann fiel ein Satz, der mich doch etwas aus dem Trott meiner inneren Harmonie brachte. „Ach ja, was ich noch sagen wollte, es hat wirklich Spaß gemacht deine Kolumne bei METAL HAMMER zu lesen.“ Oooops. Meine Nachbarschaft ist sich also offensichtlich bewusst darüber, dass da so ein praktizierender Krachmusiker mit im Hause wohnt. Dabei habe ich mir immer eingebildet, in der Nachbarschaft als strebsamer Jurist wahrgenommen zu werden.

Das ist ja an sich kein Problem und es freut mich auch, dass wenigstens einer da draußen (und sogar in „meinem“ Haus!) meinem Geschreibe etwas abgewinnen kann, aber es ist schon komisch, wenn ich mir vorstelle, was sich jemand „Normales“ wohl so denkt wenn er die Musik, hört auf die ich so stehe. Werde ich da noch ernst genommen oder denken die alle, mein Gehirn ist vom Headbangen nur noch ein Matschklumpen?! Und wie ist es denn eigentlich gekommen, dass ich so eine Art Doppelleben führe? Ich kann mich gar nicht an den Zeitpunkt erinnern, an dem ich vom für jeden als Metalhead erkennbaren pickeligen Teenager zum Habitus eines Fast-Normalos gekommen bin. Gruselig eigentlich.

Aber die Welt ist doch voll von „versteckten“ Metallern, denen es genauso geht. Ich kann mich an einen sehr netten, aber völlig durchgeknallten Zeltnachbarn bei einem With Full Force Open Air erinnern, der war drei Tage lang wirklich komplett dauervoll und hat mehr oder weniger im Liegen mit seiner Crew die ganze Zeit volles Rohr irgendwelchen mexikanischen Grindcore gehört und sich mit Ketchup eingeschmiert. In der darauf folgenden Woche saß mir dann der gleiche Typ auf dem Einwohnermeldeamt gegenüber und hat mir meinen Reisepass ausgestellt. Da musste ich schon grinsen.

Selbst unser aller Lieblingspolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich im Wahlkampf als knallharter AC/DC Fan geoutet. Schwer sich vorzustellen, wie der Gut(t)e auf dem Weg zu den Opel-Verhandlungen „Money Talks“ vor sich her trällert.

Noch so ein Fall: Dimitri Medvedev. Offiziell Russlands Staatsoberhaupt und privat einer der wahrscheinlich größten Deep Purple und Black Sabbath Fans auf diesem Planeten. Zumindest aber wohl der mit den meisten Atomwaffen. Da kann man auch mal Deep Purpels „Fireball“ im Hintergrund laufen haben, wenn man auf den roten Knopf drückt. Zumindest dieser Mann muss doch wohl Mittel und Wege haben, Ritchie Blackmore weg von seinem Mittelaltergedudel und wieder hin zur Rock-Musik zu bewegen!
 

Ganz ehrlich, auch unseren Altkanzler Schröder habe ich im Verdacht. Bei jemandem, der es so dekadent und überheblich angehen lässt, ist doch wohl evident, dass er auf Mötley Crüe abfährt. Obwohl rein Biographisch wohl eher die Scorpions bei ihm im Platenschrank stehen dürften.

Da ist es doch nur noch eine Frage der Zeit, bis es den ersten Bolt Thrower-Fan als Verteidigungsminister oder ein ehemaliges Kiss-Groupie als Familienministerin geben wird. Einen von der Geldgeilheit eines Joey DeMaio inspirierten Finanzminister kann wahrlich jeder Staat gebrauchen und ein Motörhead-Biker als Verkehrsminister hätte sowieso alles im Griff!

Da passt der Spruch Mike Pattons: „Traue keinem, der Slayer nicht mag!“. Das wäre wenigstens ein verlässlicher Wegweiser für meine Wahlentscheidung! So lahm wie sich unsere beiden Kanzlerkandidaten aber im Rededuell präsentiert haben, traue ich denen maximal die ein oder andere Kiffer-Doom-Platte der Sammlung zu. Wahrscheinlich ist in der Garderobe St. Vitus oder Cathedral gelaufen, bevor die beiden aufeinander „losgelassen“ wurden.

Aber lieber zurück zu den Menschen, die wie du und ich mit dem Metal durch den Alltag driften. In Wirklichkeit hat man sich nicht wirklich total angepasst, kleine Zeichen und Erkennungsmerkmale hat sich doch jeder beibehalten und in den Dresscode dominierten Arbeitsalltag gerettet. Ich kann mich an eine Vorlesung in Rechtsmedizin erinnern, in der unser Dozent an dem Tag als das Kapitel „Würgemale“ auf dem Programm stand, seine Folien in einem Hefter mit einem dicken grünen Suffocation Aufkleber darauf mitbrachte – stilsicher würde ich sagen. Eine Freundin, die in den USA für so ein Schicki-Micki Life-Style-Magazin schreibt, trägt bei jeder VIP Party ihre Designerhosen nur mit Dimmu Borgir oder Cannibal Corpse Gürtelschnalle. Ich selber hatte einen Geschichtslehrer, der auf Amon Amarth und Unleashed stand und eine komplette Wikingermontur, samt Rüstung mit in den Unterricht brachte! Und ich kenne sogar einen Kinderpsychologen, den man in der Praxis ganz sicher auch mal mit einem Macabre Longsleeve antreffen kann.

Das alles ist für den Normalen Menschen nicht gleich erkennbar, aber jeder „Eingeweihte“ erkennt den musikalischen Gesinnungsgenossen sofort: Der Postmann der zum Unterschreiben einen Nuclear Blast Kugelschreiber hinhält oder den Taxifahrer mit dem W:O:A Aufkleber am Auto. Sogar der Beamte auf dem Einwohnermeldeamt, von dem ich Eingangs sprach, hatte eine Krawattennadel von Black Sabbath!

Was ich damit eigentlich sagen will? Hm, das weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht finde ich es einfach nur amüsant, dass in den Medien Metal und Metaller immer noch wie Jahrmarktsattraktionen und durchgeknallte Wesen von einem anderen Stern dargestellt werden – siehe Wacken-Berichterstattung. Als ob wir alle in einem Loch unter der Erde Leben und nur ab und zu mal hervorgebrochen kommen. Die Wahrheit ist aber, dass wir überall sind, in jedem Amt, in jeder Schule, in jedem Betrieb, in jedem Parlament, in jedem Armenhaus und in jedem Golfclub!

Metaller sind eben ganz normale Menschen, nur eben viel cooler!

Axel Jusseit Krefeld Germany
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Mash-up: Slayer treffen auf Soul-Ikone Edwin Starr

Jeder dürfte den Soul-Klassiker ‘War’ von Edwin Starr kennen. Es ist ein pumpendes Stück, in dem die Motown-Legende mit dem Krieg abrechnet. "War, what is it good for?" ("Krieg, wozu ist der gut?), fragt Starr, nur um die Antwort direkt hinterher zu singen: "Absolutely nothing" ("Zu überhaupt gar nichts"). Nun ist ein Mash-up dieses Songs mit dem Slayer-Track ‘South Of Heaven’ aufgetaucht (Video siehe unten). Durch die apokalyptischen Riffs von Slayer erhalten die aufrüttelnden Zeilen von Edwin Starr noch einmal eine ganz andere Vehemenz. Kommt ‘War’ im Original durchaus beschwingt daher, schwingt jetzt eine sehr reale, bedrohliche Ebene mit. METAL HAMMER findet: ein…
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