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Matapaloz: Interview mit dem “Herrn des Designs” der Hauptbühnengestaltung

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Die endzeitliche Gestaltung der Matapaloz Hauptbühne entstand unter der Leitung von Pablo Chichan. Wie der gute Mann an den Job kam, was er sonst macht und was ihn zur Optik der Matapaloz-Skulpturen inspirierte, lest ihr im Folgenden.

Erzähl uns doch bitte zunächst etwas über deine Vita, damit sich die Fans einen Überblick darüber verschaffen können, wer Pablo ist und was er macht…

Ich komme aus der südlichen Hemisphäre. Um es ein wenig zu konkretisieren: aus dem Norden Argentiniens. Und dort aus der Provinz Chaco. Ich wuchs in einer Gegend auf, in der es jede Menge Stammesnationen gab; echte südamerikanische Eingeborene. In den Neunzigern begann ich damit, die Welt zu bereisen.

Ich wollte einfach wissen, was draußen noch so abgeht; was um mich herum noch so passiert und wie die Dinge laufen. Ich bin also eine Menge herumgekommen. Meine gegenwärtige Aufgabe besteht darin, Festivals mit Dekorationen und Installationen zu versorgen.

Ein echter Weltbürger, also. Wie kam es denn dazu, dass du die Onkelz kennengelernt hast?

Die Onkelz sind auch in Spanien bekannt und vielen Leuten dort ein Begriff. Gänzlich unbefleckt war ich also nicht. (lacht) Der erste Kontakt war aber rein persönlicher Natur und ging über Stephan.

Ist das Matapaloz Festival die erste Großveranstaltung beziehungsweise das erste Festival, an dem du mitarbeitest?

Nein, das ist definitiv nicht meine erste Mitarbeit an einem großen Festival. Auch wenn ich es selbst kaum glauben kann, mach ich das jetzt schon über zwanzig Jahre.

Steter Austausch von Ideen

Okay, dann hast du ja einen ziemlich großen Erfahrungsschatz, aus dem du immer wieder schöpfen kannst. Wie muss man sich denn den kreativen Austausch zu Beginn vorstellen? Hattest du eine Vision, wie die Bühne und das Gelände aussehen sollen oder hat die Band dich gebeten, ihre Vorstellungen umzusetzen?

Der kreative Austausch war eine sehr spannende Angelegenheit. Ein Beispiel: Die Band hat einen großen Input an Ideen angeliefert. Allein schon, dass das Festival “Matapaloz” heißen soll, beflügelte meine Vorstellungskraft. Die Onkelz haben mir also klargemacht, was sie wollen beziehungsweise was sie sich vorstellen könnten.

Der nächste Schritt war dann, die Verknüpfung zwischen dem Namen des Festivals (aus dem sich ja dann noch viele weitere Ideen ableiten lassen) und der Vorstellung der Band zu finden. So kam eines zum anderen. Es gab einen steten Austausch von Ideen und man hat sich immer Gedanken über die Umsetzung von diesem oder jenem gemacht.

Das klingt nach einer Menge Arbeit, deren Anfang erst einmal im Kopf stattfindet, bevor man loslegen kann. Wie lange bist du denn schon mit den reinen handwerklichen Arbeiten beschäftigt?

Im Grunde genommen habe ich nach unserem ersten Meeting am Hockenheimring mit der Arbeit begonnen. Das war vor drei Monaten. Seitdem machen mein Team und ich rund 17 Stunden am Tag. Es wird also nicht langweilig. (lacht)

Freakige Container-Siedlung

Um noch mal auf deine Expertise zurückzukommen: Was unterscheidet das Matapaloz in der thematischen Umsetzung von anderen Festivals?

Ich glaube, es ist schon ziemlich einzigartig, so eine Vision auf ein derartig großes Festival zu münzen und anschließend in Anfassbares umzusetzen. Die ganze Dekoration; ach was, das ganze Konzept ist besonders und erstreckt sich ja nicht nur über die Hauptbühne, sondern das komplette Gelände.

Und dann natürlich die thematische Ausrichtung als solche. Pflanzen, Biomechanik und Co. – das ist alles interessant und neu. Der Unterschied liegt also nicht nur im Detail, sondern im Großen und Ganzen.

Dann musst du jetzt etwas konkreter werden. Inwiefern werden sich die Bühne der Bands und die Bühne des Barrios voneinander unterscheiden?

Nun, die Hauptbühne des Matapaloz ist praktisch der Ort, an dem diese gewaltige Pflanze residiert. Stellen wir uns kurz vor: Nach der Apokalypse musste dieser Matapalo (in unserem Fall eine Stachelpflanze) mutieren, um überleben zu können. Was liegt also näher, als sich mit einer fetten, lauten, öligen Maschine zu verbünden, um somit zur eigenen Rekonstruktion beitragen zu können? (lacht)

Außerdem hat diese Pflanze zwei Türme vereinnahmt, auf denen ursprünglich die letzten Atomwaffen stationiert waren, die im Übrigen für die Zerstörung unserer Welt verantwortlich sind. Nun, diese können jetzt jedenfalls nicht mehr benutzt werden, um Schaden anzurichten. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass sich diese Pflanze mit elektrischen Spulen verbunden hat, um so den Maschinen, die ja jetzt zu ihrem Organismus gehören, Energie zu spenden. Und es gibt zwei Gargoyles, die ihr dabei helfen, diese ungeheure Kraft zu kontrollieren.

Das ganze Gebiet ist also praktisch ihr Bereich, dessen Sicherheit ebenfalls ihr obliegt. “El Barrio” wird hingegen eine im wahrsten Wortsinn abgefahrene und freakige Container-Siedlung werden, in der die mutierten Menschen leben und dort an deren Form von “sozialer Interaktion” teilnehmen. Noch Fragen? (lacht laut)

Die Schönheit im Kaputten

Oha. Klingt, als wäre es direkt dem Hirn von Carpenter, King oder Giger entsprungen. Die Onkelz mögen es ja ein bisschen “erdiger”. Schon das Design der Tour 2000 hat sich an postnuklearen Banditenfestungen orientiert und fand seinen bisherigen Höhepunkt bei den Reunionshows 2014.

Das Matapaloz wird dem Ganzen jetzt die Krone aufsetzen. Biomechnik, Endzeit, Dystopie, wohin man sieht. Was denkst du, macht den Reiz dieser Dinge aus? Gibt es so etwas, wie die Schönheit im Kaputten?

Wenn es auf dem Festival so etwas wie eine Metaebene gibt, dann steht dick und fett “Transformation” auf ihrer Fahne geschrieben. Die Natur lehrt uns das doch jeden Tag. Lebewesen mutieren schon seit jeher, um überleben zu können. Das ist aber auch gleichzeitig der interessante Punkt: seit dem Tag, an dem Menschen einen Gehstock für sich entdeckt haben, um das Laufen zu erleichtern oder gar zu ermöglichen, gehört Biomechanik zu uns und unserem Leben.

Gut, kommen wir noch mal auf deine Person zu sprechen: Gibt es musikalische Bezugspunkte der Bands in diesem Jahr mit dir? Stehst du auf die harten Töne oder eher auf Elektronik, Rap – oder gar auf alles?

Natürlich habe ich in meinen jungen Jahren viel Rock gehört: Heavy Metal, Thrash und solche Sachen. Ich bin den harten Sounds gegenüber also sehr aufgeschlossen. Seitdem ich davon überzeugt bin, dass Töne und Frequenzen einen in andere emotionale Zustände transportieren und andere Spähren schicken können, bin ich auch den elektronischen Sounds verfallen.

Was mir besonders gut gefällt, ist, dass diese besondere Atmosphäre von all den Bands erzeugt werden wird, die dort spielen werden. Sie sind alle diejenigen, die irgendwas in uns auslösen können.

Was wirst du machen, wenn das Matapaloz vorbei ist?

Erst mal nicht aufhören, zu atmen. (lacht) Und weiter am Leben bleiben. Beides unabdingbar miteinander verbunden.

Kannst du den Fans ein paar Zahlen zur Bühne et cetera geben? Wie viel Material hast du verbaut?

Oha. Es ist eine Unmenge Material. Ich fertige ja richtige Skulpturen an, nicht “nur” reine Dekoration, daher ist das jetzt schwer zu sagen. Das ganze Zeug besteht teilweise aus Metall, teilweise aus Holz, teilweise aus jeder Menge recyceltem Müll. Ganz, ganz unterschiedlich.

Pablo, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten. Wir freuen uns alle darauf, deine Arbeiten in wenigen Tagen am Ring bestaunen zu dürfen.

Ich habe zu danken. Es ist mir eine Ehre. Lasst uns alle gemeinsam das Festival zu etwas ganz Großem machen!

Matapaloz: Alle Infos zum Festival der Böhsen Onkelz

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