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Meinung

Meinung: Warum nicht über Phil Anselmos Hitlergruß hinweggesehen werden sollte

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Liebe Rocker,

Phil Anselmo hat in der letzten Woche mal wieder bewiesen, dass er nicht unbedingt die hellste Kerze auf dem Leuchter ist. Wer am Ende eines Konzertes den Hitlergruß zeigt und “White Power” in die Menge grölt, der ist entweder ein Neonazi (und seine Band heißt z.B. Skrewdriver) oder hat die einwandfrei funktionsfähigen Gehirnzellen durch Alkohol und/oder Drogenkonsum auf ein absolutes Minimum reduziert. Auch wenn ich trotz dieses Vorfalls nicht annehme, dass der Down-Sänger ein ideologisch gefestigter Rassist ist (und ich Phil somit eher in letztere Kategorie einsortiere), kann und will ich diesen Vorfall nicht einfach so unkommentiert stehen lassen.

Denn obwohl Anselmos Hitlergruß-Ausfälle schon vor diesem Abend bekannt waren, war das Dimebash-Ende jetzt der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Vielleicht, weil genug einfach genug ist, vielleicht, weil eine ganze Riege von Metal-Größen dabei war, vielleicht aber auch, weil sich ein einsamer Youtuber entschieden hat, Anselmos Verhalten einer großen Internet-Öffentlichkeit zu präsentieren. Völlig zu Recht äußern sich Musiker wie Robb Flynn äußerst kritisch über Anselmo und distanzieren sich von seinen Aussagen.

Dabei ist es aber nicht nur die Handlung von Anselmo selbst, sondern vor allem auch die Reaktionen von (zu) vielen Metal-Fans, die in sozialen Netzwerken sofort in eine Verteidigungshaltung springen und betonen, dass das doch nur „ein Ausrutscher“ gewesen wäre, Anselmo eben „besoffen“ gewesen sei und sich „Dimebag im Grabe umdrehen würde“, wenn er diesen Aufschrei miterleben würde. Zugegeben: Darrel und Anselmo haben mit Pantera Musikgeschichte geschrieben – ohne ‘Walk’, ‘Cowboys From Hell‘, ‘Cemetary Gates’ oder ‘Fucking Hostile’ wäre die moderne Metal-Welt vermutlich eine andere. Dennoch darf der Legendenstatus einer Band schlicht und ergreifend keine Entschuldigung für die Idiotie seiner Mitglieder sein. Vor allem wenn diese sich im Hier und Jetzt mit Hitlergrüßen und rassistischen Ansagen profilieren, die sie später durch einen dummen Witz zu erklären versuchen.

Der ganz überwiegende Teil der Metal-Szene hat sich immer durch ihre Einigkeit ausgezeichnet, in der so unwichtige Unterschiede wie Herkunft oder Hautfarbe gegenüber der großen Leidenschaft für die alles verbindende Musik verblassten. Für uns und für den ganz überwiegenden Teil der Fans hat Rassismus im Metal einfach keinen Platz, denn Rassismus ist nicht nur moralisch falsch, verwerflich und dumm, sondern widerspricht grundlegend dem „wir gegen den Rest”-Grundgedanken, aus dem der Metal überhaupt erst entstanden ist. Ja, es gibt viele Bands die mit Nazi-Symbolik kokettiert und provoziert haben, darunter Kiss, Sepultura oder Slayer – nur um einige der prominentesten Beispiel zu nennen. Es gibt viele, jetzt auftauchende Fotos mit „witzigen“ Hitlergruß-Posen aus den Achtziger und Neunziger Jahren, für die sich einige der darauf abgebildeten, jungen Musiker heute sicher in Grund und Boden schämen.

Dennoch gab es immer eine Art Grundkonsens: Provokation ist OK, echter Rassismus ist nicht tolerierbar. Selbst die gelangweilten Mittestands-Nazis der zweiten Black Metal-Welle aus Norwegen haben irgendwann begriffen, dass es eben nicht cool ist, Neonazi zu sein – weil es eben einfach nicht cool ist ein Rassist zu sein und andere Menschen aufgrund von Herkunft und Äußerlichkeiten zu hassen.

Aus genau diesem Grund ist Phil Anselmos Hitlergruß nicht zu tolerieren und die kritischen Reaktionen darauf nicht mit einem (kreuzdämlichen) Hinweis auf übermäßige „Political Correctness“ abzutun. In den USA führt Donald Trump derzeit einen von Rassismus geprägten Vorwahlkampf. Das Land ist gespalten zwischen ultra-rechten und liberalen Strömungen. Obwohl mit Barack Obama ein schwarzer Präsident die USA regiert, müssen schwarze Männer und Frauen mehr Angst vor Polizeigewalt haben, sie werden im alltäglichen Leben diskriminiert und haben bei weitem nicht die gleichen Chancen in Ausbildung und Beruf wie ihre weißen Mitbürger. Und dann soll es in Ordnung sein, wenn sich ein Musiker auf die Bühne stellt und „White Power“ ruft?

Auch unter deutschen Fans zeigt sich in den sozialen Netzwerken ein ähnlich verharmlosendes Verhalten – und das in einem Land, in dem derzeit wöchentlich Flüchtlingsunterkünfte brennen, in dem Handgranaten auf Aufnahmelager geworfen werden, in dem dunkelhäutige Menschen auf der Straße angegriffen werden und in dem der Hass aus den sozialen Netzwerken nur so trieft. Sicher, Metal war als Gesamtbewegung nie politisch und damit anders ausgerichtet als seine Geschwister Hardcore und Punk. Aber Metal war immer eine Gemeinschaft, eine Art sozialer Schutzraum „der Anderen“. Und Rassismus ist eben keine „Politik“. Rassismus ist Dummheit und Hass gegenüber „den Anderen“. Ich glaube nicht, dass Metal-Fans heute anders denken. Ich glaube nur, dass sich die Szene, gerade jetzt, auf ihre Grundwerte besinnen muss.

Ich halte es an dieser Stelle mit Robb Flynn: Ich glaube nicht, dass es im Metal Platz für Rassismus gibt. Aber wenn es ihn geben sollte, dann ohne mich!

Euer Eike

PS: Bitte hört auf, Devotionaliensammler wie Lemmy, der Zeit seines Lebens gegen Rassismus argumentiert und ihn als „eine der größten Dummheiten der Menschheit“ bezeichnet hat, mit in diese Diskussion einzubeziehen. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun.

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