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Quorthon/Bathory: Ein Schelm der Böses erdachte

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[„Ein Schelm der Böses erdachte“ erschien 2004, in der August-Ausgabe des METAL HAMMER]

Kaum ein Metal Künstler ist bis heute so von Mysterien umgeben wie Quorthon. Mit seiner Band Bathory legte er den musikalischen und Image technischen Grundstein des heutigen Black Metal Genres, das seinen Namen zwar von den Briten Venom verliehen bekam, aber erst durch Bathorys erste drei Alben die Aura von geheimnisvoller, authentischer Bosheit erlangte.

Quorthons musikalischer Werdegang begann 1983, als er, damals noch unter dem Motörhead-inspirierten Pseudonym Black beziehungsweise Ace Spade, mit zwei Freunden die Band Nosferatu gründete. Nach mehreren Namenswechseln firmierte die Truppe schließ, lieh unter dem Namen der berühmtberüchtigten, in Jungfrauenblut badenden ungarischen Gräfin Bathory. Wenig später begann Quorthon sich so zu nennen, wie wir ihn heute kennen.

Einflussreichste Black Metal-Band ihrer Zeit

Ihre damalige rohe Mischung aus Heavy Metal und Oi Punk brachte die Band 1984 mit zwei Songs auf den legendären SCANDINAVIAN METAL ATTACK Sampler. Bis 1986 erschienen in rascher Folge mit BATHORY, THE RETURN… und vor allem UNDER THE SIGN OF THE BLACK MARK die drei Alben, die Bathory aufgrund der unerhört chaotischen, düsteren und gewalttätigen Musik und ihres Geheimnis umwitterten Erscheinungsbildes zur einflussreichsten Black Metal-Band ihrer Zeit machen sollten. Bis zu diesem Zeitpunkt funktionierten sie noch mehr oder weniger wie eine richtige Band mit einem relativ desorganisierten und selten dokumentierten, aber zumindest existenten Line-up.

Nach dem ’88er Album BLOOD FIRE DEATH, dem einzigen, auf dem jemals ein Band-Foto veröffentlicht wurde, sollte sich das ändern: In der Folge agierte Quorthon ausschließlich aus dem Studio heraus. Mit den Arbeiten an BLOOD ON ICE gab er der Band eine neue Richtung hin zu epischem Viking Metal – das Album sollte jedoch erst 1996 auf den Markt kommen, um den Bruch zu den Vorgängern nicht zu drastisch ausfallen zu lassen. Somit ist das 1989 das erste der Wikinger-Ära Bathorys – und bis heute eines der stilistisch eigenständigsten Metal Werke.

Der einzige Video-Clip, den Bathory je drehten, stammt aus dieser Zeit: ‚One Rode To Asa Bay‘. Quorthons wachsende Liebe zu klassischer Musik, insbesondere zu Richard Wagner, artikulierte sich auf dem düstereren Nachfolger TWILIGHT OF THE GODS (1991), bevor er ein weiteres Mal die Linie änderte und 1994/95 in rascher Folge zwei sehr thrashige Alben mit relativ politischen Texten veröffentlichte: REQUIEM und OCTAGON. Das verbleibende Oeuvre der Band darf man mit Quorthons ausdrücklicher Zustimmung als Dienstleistungen den Fans bezeichnen: DESTROYER OF WORLDS (2001) und die abschließende, zweiteilige NORDLAND-Saga (2002 und 2003) greifen stilistisch Bathorys kommerziell erfolgreiche Viking-Ära auf. Neben diesen Veröffentlichungen mit Bathory gibt es zwei Solo-Werke: QUORTHON (1994) und die Doppel-CD PURITY OF ESSENCE, auf denen Quorthon seine Visionen klassischer Rock-Musik dokumentierte.

https://youtu.be/hDpc-831GPs

Eine geheimnisvolle Aura

So viel zu den nackten Fakten. Was Bathory und Quorthon neben den bemerkenswerten musikalischen Leistungen zum Kult werden ließ, ist die geheimnisvolle Aura, die beide stets umgab. Es gibt bis heute kaum Bilder, die Band weigerte sich strikt, aufzutreten, die wahre Identität Quorthons blieb immer mysteriös. Ich habe Quorthon im Lauf der vergangenen zehn Jahre mehrfach getroffen, und jede Stunde mit ihm machte deutlicher, wie rasch sich ein derartiger Mythos verselbständigen kann. Natürlich schaffen Geheimnisse Neugierde, aber das Ausmaß der Spekulationen über ihn hat Quorthon, wie er mir oft gestand, selbst überrascht.

Er trennte strikt zwischen seiner normalen Existenz und der Figur, die er über Bathory darstellte, weil er – was bis heute die wenigsten Leute akzeptieren können – nie ein Star oder Teil einer so genannten Szene sein wollte. Dieser Mensch wollte in Ruhe seine Musik machen, mehr nicht – anfänglich getrieben von künstlerischen Visionen, gegen Ende seiner Karriere als schlichten Broterwerb. Bathory traten nie live auf, weil es, als sie Mitte der Achtziger noch Interesse und die personellen Möglichkeiten hatten, in Schweden einfach keine Clubs gab, die einer derartigen Band eine Bühne zur Verfügung stellten, und später, weil Quorthon nichts anderes interessierte als die Arbeit im Studio. Das Mysterium um seine Person und die Band war sicher hilfreich, was den kommerziellen Erfolg anging, aber irgendwann wurde es ihm augenscheinlich ein wenig unangenehm.

Nichtsdestotrotz ist Bathorys Schaffen, wenn man nur die Augen öffnen möchte, heute das vielleicht am besten dokumentierte im extremen Metal-Untergrund. In unzähligen Interviews, ausführlichen Liner-Notes auf den späten Alben und umfangreichen Texten, die auf der offiziellen Website der Band nachzulesen sind, berichtete er bis zur kleinsten Anekdote vom wundersamen Weg Bathorys von einer primitiven Garagen-Band zum visionären Studioprojekt.

Sinn für praktische Späße

Nur wenn es um seine Person ging, blieb Quorthon zurückhaltend. Ich kannte ihn als großen, fanatischen Eishockey-Fan, begeisterten Motorrad Freak, trinkfesten, aber Drogen strikt ablehnenden, humorvollen, aber auch verletzbaren Menschen. In seinen Augen ungerechtfertigte Vorwürfe gegen seine Person, die der Figur Quorthon des Öfteren entgegengebracht wurden, machten ihn wütend, doch in seinen Reaktionen fand sich immer sein Sinn für praktische Späße: Quorthon liebte es beispielsweise, die Spekulationen über seine wahre Identität mit gezielten Falschinformationen anzuheizen.

Heute scheint festzustehen, dass Quorthons richtiger Name Tomas Forsberg war und sein Vater Börje ihn Zeit seines Lebens mit aller Kraft förderte – angefangen mit dem SCANDINAVIAN METAL ATTACK Sampler, den er auf seinem damaligen Label Tyfon Gramofon herausbrachte, bis hin zu der Plattenfirma Black Mark, die er für das erste Bathory-Album gründete und über die er das Werk seines Sohnes bis heute veröffentlicht. Quorthon selbst bestritt dies Zeit seines Lebens.

Und es ist nicht Tomas Forsberg, den ich betrauere, sondern Quorthon: das künstlerische Genie, die geniale Fiktion eines Mannes, der die Metal Szene um so vieles bereicherte – nicht zuletzt um eines der unterhaltsamsten, fesselndsten Versteckspiele ihrer Geschichte. Tomas Forsberg hat jetzt das, was er sich als der Mensch hinter Quorthon sein Leben lang wünschte: ewige Ruhe.

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