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Red Hot Chili Peppers: 30 Jahre ONE HOT MINUTE

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Mit ONE HOT MINUTE veröffentlichten Red Hot Chili Peppers 1995 ihr sechstes Studioalbum – ein Werk, das musikalisch wie emotional einen radikalen Bruch mit dem gefeierten Vorgänger BLOOD SUGAR SEX MAGIK (1991) markiert. Während jenes Album die Band in den Olymp des Funk-Rock katapultierte, war ONE HOT MINUTE von inneren Zerreißproben und düsteren Abgründen geprägt.

Der Fall nach BLOOD SUGAR SEX MAGIK

Der immense Erfolg von BLOOD SUGAR SEX MAGIK setzte Gitarrist John Frusciante zunehmend unter Druck. Der sensible Musiker fühlte sich von der plötzlichen Popularität entfremdet und flüchtete sich in Drogen, bis er 1992 die laufende Tour abrupt verließ. Zwei Jahre später stieg Dave Navarro, bekannt durch Jane’s Addiction, als neuer Gitarrist ein. Doch ONE HOT MINUTE sollte sein einziges Album mit Red Hot Chili Peppers bleiben.

Absturz zurück in die Drogensucht

Zum zweiten Mal arbeitete die Band mit Produzent Rick Rubin zusammen, doch der Sound veränderte sich spürbar: Der funkige Groove wich härteren Riffs, und psychedelische Elemente durchzogen die Lieder. Diese musikalische Schwere spiegelte die persönliche Krise von Sänger Anthony Kiedis wider, der 1994 nach fünf Jahren Abstinenz rückfällig wurde. Ausgelöst durch eine Zahnoperation, bei der ihm Valium verabreicht wurde, verfiel er erneut der Sucht – ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Texte zieht. Die Songs sind durchzogen von Schmerz, Selbstreflexion und Kritik an den zerstörerischen Auswirkungen von Drogen.

Auch Bassist Flea trat gesanglich in den Vordergrund: Er übernahm den Lead-Gesang bei ‘Pea’, dem Outro von ‘Deep Kick’ und dem Refrain von ‘Stretch’. Trotz über zwei Millionen verkaufter Exemplare und Platz vier in den US Billboard Charts blieb der kommerzielle Erfolg hinter dem Vorgänger zurück, der sich über sieben Millionen Mal verkauft hatte.

Red Hot Chili Peppers-Aufnahmen unter keinem guten Stern

Die Spannungen innerhalb der Band verschärften sich während der Aufnahmen. Navarro, selbst mit Drogenproblemen konfrontiert, wurde 1998 schließlich entlassen, und Frusciante kehrte zurück. ONE HOT MINUTE bleibt ein musikalisches Dokument der Zerrissenheit. Viele der Songs schrieb Kiedis, während er seinen Rückfall noch vor der Band geheimhielt. Besonders berührend ist ‘Tearjerker’, ein Tribut an Kurt Cobain. In seiner Autobiografie ‘Scar Tissue’ von 2004 beschreibt Kiedis Cobains Tod als „emotionale Bombe“, die weltweit Menschen tief berührte. Eine geplante Dokumentation über die Entstehung des Albums, ähnlich wie ‘Funky Monks’, wurde nie veröffentlicht. Einzelne Sequenzen tauchten zwar auf, doch das fertige Werk blieb aus ungeklärten Gründen unter Verschluss.

ONE HOT MINUTE ist kein typisches Red Hot Chili Peppers-Album. Es ist ein düsteres, ehrliches und oft unterschätztes Werk, das die Band in einer ihrer verletzlichsten Phasen zeigt und gerade deshalb einen besonderen Platz in ihrer Diskografie verdient.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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