Als Amon Amarth am 8. Mai 2001 ihr drittes Album THE CRUSHER veröffentlichten, war längst klar, dass die Schweden mehr waren als ein weiterer Melodic Death Metal‑Export aus dem Norden. Das Quintett um Frontmann Johan Hegg hatte sich bereits mit ONCE SENT FROM THE GOLDEN HALL (1998) und THE AVENGER (1999) einen Namen gemacht, doch THE CRUSHER war das Album, das ihre Stellung in der Szene endgültig festigte. Heute, 25 Jahre später, werfen wir einen Blick zurück auf diesen Meilenstein auf dem Weg zur internationalen Größe.
Ein Album wie ein Schlachtfeld
Neun Songs, rund 45 Minuten Spielzeit und keine Sekunde Leerlauf. THE CRUSHER war zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung das aggressivste Werk der Band. Musikalisch blieb man sich treu: epischer Melodic Death Metal, der die Wucht der Wikinger mit hymnischen Gitarren und donnerndem Schlagzeug verbindet. Hegg, Mikkonen, Söderberg, Lundström und Andersson lieferten ein Album ab, das sich nahtlos in ihre Diskografie einfügt und gleichzeitig die Weichen für die Zukunft stellte.
Ein besonderes Detail: ‘Risen From The Sea’ wurde ursprünglich für die nie erschienene EP THOR ARISE geschrieben – ein Stück Band-Geschichte, das hier endlich seinen Platz fand. Eine weitere Sahnehaube ist das Cover von Possesseds ‘The Eyes Of Horror’, das Amon Amarths Wurzeln im extremen Metal unterstreicht.
Entstehung zwischen Tourneestress und Studiofokus
Der Schreibprozess begann direkt nach der Tournee mit Morbid Angel im Jahr 1999. Die Band war im Höhenflug, und 2000 ging es direkt ins Studio: aufgenommen von Lars Szöke, abgemischt von Peter Tägtgren – zwei Namen, die tief im skandinavischen Metal verwurzelt sind. Einzig das Bonuslied entstand separat in den Das Boot Studios in Stockholm.
Auch optisch machte THE CRUSHER Eindruck: Das Artwork entsprang der Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Künstler Thomas Ewerhard, der später unter anderem für Hammerfall und Dimmu Borgir Cover gestalten sollte.
Der Weg über den großen Teich
Kurz vor Veröffentlichung spielten Amon Amarth 1999 erstmals auf dem Wacken Open Air: ein Auftritt, der ihren Ruf als Live‑Abrissbirne festigte. THE CRUSHER half, diese Position zu zementieren. Nach dem Release folgte zunächst eine Tournee mit Marduk und Vader, bevor die Band im August 2001 beim Milwaukee Metal Festival ihr erstes USA‑Konzert gab. Es war der Beginn einer neuen Ära: Headliner‑Tourneen in Europa und den USA folgten.
Eigentlich hätte die große US‑Tour noch 2001 stattfinden sollen, doch die Ereignisse des 11. September verschoben alles ins Jahr 2002. Trotzdem: THE CRUSHER war das Album, das Amon Amarth erstmals nachhaltig in Nordamerika etablierte.
Limitierte Editionen und Deluxe‑Reissue
Sammler wissen: THE CRUSHER hat einige besondere Veröffentlichungen erlebt. 2008 erschien das Album als limitierte Picture‑LP, auf nur 500 Exemplare begrenzt. 2009 folgte die Deluxe Reissue, remastered von Jens Bogren. Das Highlight: eine komplette Live‑Aufnahme des Albums, eingespielt in Bochum – ein frühes Dokument der Livepower der Band.
Der Vorbote des Durchbruchs
Auch wenn VERSUS THE WORLD (2002) später als ihr endgültiger Durchbruch gefeiert wurde – inklusive „Album des Monats“ im METAL HAMMER – war THE CRUSHER der entscheidende Schritt dorthin. Es zeigte eine Band, die ihren Klang gefunden hatte, hungrig war und bereit, die Welt zu erobern.
25 Jahre später hat das Album nichts von seiner Kraft verloren. Es ist roh, direkt, melodisch und brutal – ein Paradebeispiel dafür, wie Amon Amarth ihre Mischung aus nordischer Mythologie und Melodic Death Metal perfektionierten. THE CRUSHER ist kein Übergangswerk, sondern ein Fundament. Ein Album, das die Bühne bereitete für alles, was danach kam.
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