Wenn eine Band gewohnte Strukturen zurücklässt und ihr neues Werk in Eigen-Regie auf den Markt bringt, darf man davon ausgehen, dass ihr bisheriger Weg erfolgreich war. Für Archspire aus Kanada gilt dies definitiv: Nach vier Werken (die letzten drei auf Season Of Mist) zählt das 2009 gegründete und 2025 um Schlagzeuger Spencer Moore verstärkte Quintett heute zu den wichtigsten Formationen im boomenden Tech Death-Sektor. Mit TOO FAST TO DIE wagt die Truppe nun den Ausbruch und macht ihrem Albumtitel alle Ehre: Bereits der instrumental eingeleitete Auftakt ‘Liminal Cypher’ wirft die Frage auf, wie Vokalist Oliver Rae Aleron derart viele Worte (nebst Pigsqueals) in so kurzer Zeit herausbekommt. Dabei lockern Archspire ihre durch Stimme wie Tempo vermittelte Brachialität immer wieder mit überlegenen Gitarrenmelodien auf und erschaffen somit ein bitterböses Monstrum, das trotz aller Brutalität überraschend eingängig daherkommt und die gerne kritisierte Sperrigkeit des Genres durch seinen fließenden Charakter oft genug überwindet. Angesichts wahnwitziger Tracks wie ‘Carrion Ladder’ oder ‘Limb Of Leviticus’ kann man sich nur die Augen reiben und konstatieren, mit welch versierten Handwerkern man es hier zu tun hat. ‘Anomalous Descent’ zieren zudem Gangshouts und instrumentale Passagen, mit welchen auch der Beginn von ‘The Vessel’ aufwartet. Spitz und selbst für Death Metal-Fans anspruchsvoll bleibt das Schaffen von Archspire trotzdem – dass zu überlegener Kunst nicht jeder Zugang findet, gehört jedoch zu den ältesten Wahrheiten überhaupt.
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