Wir sind nicht nur alle furchtbar busy, sondern auch alle: furchtbar müde. Da bildet das Kollektiv um Justin Greaves keine Ausnahme, und SCEADUHELM (hat der Titel was mit dem Alzheimer-Medikament Aduhelm zu tun?) trägt dieser Erschöpfung in zwölf neuen Tracks Rechnung. Es geht um Burnout, Trauer, institutionalisierte Gewalt und die fließenden Grenzen zwischen dem Persönlichen und dem Politischen. Das Resultat ist düster und skizzenhaft. Die Musik stammt ausschließlich von Justin Greaves; den Gesang liefern Belinda Kordic, Ryan Patterson und/oder Justin Storms mit eigenen Texten. Der Sound spiegelt eher Zurückhaltung als Loslassen wider und verharrt in post-punkig donnernder Kühle (exemplarisch dafür: ‘Beautiful Destroyer’). Die Spannung steigt langsam und wird gehalten, die ersehnte Auf- beziehungsweise Erlösung bleibt jedoch aus – was Absicht ist. Pattersons dunkle Americana-Stimme und Kordics Nineties-Trip-Hop (‘The Dropout’) und Shirley Manson-Schnarren (‘Hollows End’) sind herausragend, während Storms seltsam blass bleibt. Und: Was bei Crippled Black Phoenix live wunderbar funktioniert – die Vielstimmigkeit, die unterschiedlichen Intensitäten der Mitwirkenden, die sich auf der Bühne abklatschen –, lässt sich leider nicht ganz ohne Verluste auf Konserve ziehen. Da schaffen auch die zwischen die Tracks montierten Film- und Audio-Snippets keine Kohäsion. Trotzdem: Es gab schon weit weniger zwingende Crippled Black Phoenix-Alben als SCEADUHELM.
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