Videospielverfilmungen tragen ihren schlechten Ruf nicht zufällig, schließlich entpuppen sich Kinodadaptionen diverser Gaming-Franchises mit ziemlicher Regelmäßigkeit als hirnlose Action-Streifen. Dass auch der wohl berühmteste Klempner der Welt lange zu diesen Leinwandmisserfolgen zählte, lag weniger an der Figur an sich als an einem grundlegenden Missverständnis ihres Wesens. ‘Super Mario Bros.’ (1993) scheiterte daran exemplarisch, während ‘Der Super Mario Bros. Film’ (2023) erstmals begriff, dass Marios Welt keiner klassischen Dramaturgie gehorchen muss, um zu funktionieren. ‘Der Super Mario Galaxy Film’ führt diesen Gedanken nun konsequent fort.
Natürlich befinden sich Mario, Luigi und Co. – Achtung: Überraschung! – wieder auf Rettungsmission, dieses Mal, um die Mutter der Lumas, Rosalina, aus den Klauen von Dauerbösewicht Bowser (im Original gesprochen von Jack Black) und dessen Sohn Bowser Jr. zu befreien. Der eigentliche Kern des Films besteht dabei jedoch weniger in der dünnen Handlung, sondern in seinem permanenten Vorwärtsdrang. Szenen kippen in Gags, Gags in Referenzen, Referenzen in ein fast atemloses Spiel aus Selbstzitaten. Was erzählerisch wie ein Minimalprogramm wirkt, entpuppt sich als bewusst gesetzte Leerstelle, die Raum schafft für das eigentliche Prinzip von ‘Der Super Mario Galaxy Film’: Wiedererkennung als Erlebnis.
Besonders deutlich wird das in den zahlreichen Verweisen auf ‘Super Mario Odyssey’ (2017) und ‘Super Mario Bros. Wonder’ (2023), die nicht bloß zitiert, sondern rhythmisch in die Inszenierung eingebaut werden; ebenso verhält es sich mit der Rückkehr der in ‘Super Mario Galaxy’ (2007) eingeführten Figur Rosalina. Selbst Gastauftritte wie Fox McCloud (‘Star Fox’) oder Mr. Game & Watch (‘Nintendo Game & Watch’) fügen sich nahtlos in dieses Prinzip ein und sind weniger Fanservice als programmatisches Statement. Dieses Universum denkt längst nicht mehr in Einzelteilen, sondern in Verknüpfungen. Genau darin liegt jedoch auch die größte Schwäche von ‘Der Super Mario Galaxy Film’, denn wer die Querverweise nicht lesen kann, bleibt außen vor. Am Ende ist das weniger ein erzählerisches Defizit als eine klare Entscheidung: Spektakel schlägt Substanz und Wiedererkennung wird zur eigentlichen Währung. Wer das akzeptiert, erlebt einen Film, der seine eigene Logik nicht nur versteht, sondern radikal ernst nimmt – auch wenn sie weniger trägt, als sie antreibt.
