Es kommt wirlich selten vor, dass ich den Waschzettel, also die Eigen-PR-Ankündigung einer Band, zitiere. Aber hier muss es einfach mal sein. Und zwar als Rahmen, Lustmacher und ja, auch als Warnung. „SIGNAL FIRE“, heißt es in der Verlautbarung auf Bandcamp, „ist die Vision einer Kojima-esken Dystopie endloser Stellvertreterkriege, wo die Flut verfügbarer Information längst den menschlichen Intellekt überrollt hat. Eine Welt, in der jene, die amoralisch, schamlos und gewieft genug sind, die Wirklichkeit nach ihren Launen formen können.“ Klingt (bis auf den Verweis auf ‘Metal Gear’-Erfinder Hideo Kojima) schon sehr nach Gegenwart, so anstrengend wie kaputt. Das US-amerikanische Sextett benutzt dafür seine patentierte Mischung aus Metal, Electronica, Industrial, Grindcore – und die ist ebenso anstrengend wie kaputt. Aber eben auch schillernd, grandios, auf sympathische Art und Weise größenwahnsinnig. Seit dem Jahr 2020 liefert Tony Wolski vom Detroiter Hardcore-Kollektiv The Armed die Vocals, und das macht er perfekt: mit tollwütigem Gebelfer genau wie mit hellen, träumenden Harmonien – für all die Vistas, wo er seinen Augen nicht zu trauen glaubt (‘Signal Fire’, ‘Like Fotocrom’, das Skinny Puppy-mäßige ‘New Gods’). Schlagzeuger Nick Yacyshyn (von Sumac und Baptists) toleriert die manchmal taktgebenden Industrial-Synths mit der Grandezza eines Menschen, der weiß, dass er am Ende alles zusammenkloppen kann. Blastbeats, Electro-Breaks, Synthiepop und Hardcore à la Converge, oft in ein und demselben Track, aber beseelt und menschlich – Genghis Tron machen aus der Tech-Dystopie große Kunst.
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