Für viele, so auch mich, waren Megadeth der Soundtrack der Jugend. MEGADETH soll das letzte Album sein – und erinnert vom Riffing her an COUNTDOWN TO EXTINCTION (1992) und teilweise YOUTHANASIA (1994), vor allem auch klanglich. Die Lieder sind meist straight und rhythmisch geprägt, wirken locker-flockig, verzichten auf große Experimente (RISK, jemand?) oder progressives Kopfkino (die Achtziger von Megadeth, jemand?). Dazu kommt noch der kauzig-kernige Gesang samt Sprecheinlagen, bei denen man nicht weiß, ob Mustaine gerade mit Zahnseide vorm Spiegel oder im Studio steht. Das Einzige, was MEGADETH zu höchsten Weihen fehlt, ist ein Über-Hit wie ‘Symphony Of Destruction’. ‘Hey God!’, ‘Puppet Parade’, ‘Another Bad Day’, ‘Obey The Call’ oder ‘I Am War’ gehen aber in diese qualitativ und kompositorisch fantastische Richtung. Und, ehrlich: Wer bei den letzten Sekunden des Schluss-Songs ‘The Last Note’, „I came, I ruled, now I disappear“ keine Träne verdrückt, versteht nicht, was wir hier gerade verlieren: einen Querkopf, einen Quengler, einen begnadeten Gitarristen. Am Ende bleiben vier Worte: Danke für die Musik!
Mustaine und seine Angestellten verlassen die Bühne (vorläufig?) so, wie man es erwarten konnte. Das letzte Album hat ein paar gute Nummern in petto (‘Tipping Point’, ‘Let There Be Shred’, ‘The Last Note’ ohne das pathetische Gelaber) und liefert inklusive des gelungenen Coverartworks einen würdigen Abschied. Ein echtes Meisterwerk war nicht zu erwarten, aber MEGADETH gehört auch nicht in die Abteilung Rohrkrepierer. Marc Halupczok (5 Punkte)
Ob es an der Rückkehr von Bassist James Lomenzo oder der Beteiligung von Neugitarrist Teemu Mäntysaari liegt, dass dieses Abschiedsalbum vor melodischem Esprit übersprüht, ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass auf memorables Song-Material gesetzt wird und Mega-Dave in ‘Puppet Parade’ gar Alice Cooper evoziert. Womit MEGADETH mehr Überzeugungsargumente besitzt als alles, was die Big Four-Konkurrenz zuletzt vorzuweisen vermochte. Frank Thiessies (5,5 Punkte)
***
Du willst METAL HAMMER lesen, aber kein Abo abschließen? Kein Problem! Die aktuelle Ausgabe portofrei nach Hause bestellen: www.metal-hammer.de/heftbestellung
***
