Kritik zu Rammstein ZEIT

Rammstein ZEIT

Industrial Metal  , Universal (11 Songs / VÖ: 29.4.)

6/ 7
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ZEIT ist Rammsteins „schwarzes Album“ – zumindest, was die Grundstimmung angeht. Obwohl Nummer acht nicht groß von der etablierten Erfolgsformel abweicht, nimmt es eine Sonderstellung in der Rammstein-Diskografie ein: Natürlich wildern Deutschlands beliebteste Brandstifter seit jeher nah am Gotischen, Schwarzen und Morbiden – doch selten so vordergründig wie hier. Vor allem beim Einleitungs-Triple und Abschluss des Albums werden Nostalgie und Melancholie großgeschrieben; dazu passend bestimmen Achtziger Jahre-New Wave-Keyboards von Flake oft das Klangbild. Klar wird auf ZEIT nicht nur getrauert und geklagt, sondern vor allem im Mittelteil auch mit Wucht, Wumms und Verve gefeuert. Dabei rufen vertraut wirkende Stakkato-Riffs wohlige Erinnerungen hervor, während viele Details und Brüche erfreut und überrascht jauchzen lassen. Zugleich schocken weder Till Lindemanns Texte noch Richard Z. Kruspes und Paul Landers’ Riffs über Gebühr.

Altersmilde? Nein, schlimmer: Die Welt ist so verroht, dass Rammstein gar nicht mehr übertreiben, sondern nur noch den Spiegel hinhalten müssen, um sie zu karikieren. Das ist der subversive Dreh, der auf dem vorherigen Album oft gefehlt hat! In unnachahmlicher Lyrik geht es an gesellschaftliche Missstände wie die eingeimpfte Furcht vor dem Unbekannten, die zu Paranoia, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus führt (‘Angst’), sexistisches Status- und Anspruchsdenken, das Rammstein im Volksmusik-Klopper ‘Dicke Titten’ verhöhnen, oberflächlicher Bumms- und Schönheitswahn (‘OK’, ‘Zick Zack’) und häusliche Gewalt (rührend: ‘Meine Tränen’).

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Trost findet nur, wer sich dem Dunkel hinwendet (‘Schwarz’) und darin Gemeinschaft findet (‘Armee der Tristen’ als Hymne für die Metal- und Gothic-Szene). Es ist möglich, dass ZEIT – ähnlich wie ROSENROT nach REISE, REISE – das Image des nachgeschobenen und irgendwie verqueren Albums angehaftet bekommt. Speziell diese Verschrobenheit macht es aber reiz- und wertvoll.

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Kommt Zeit, kommt Ra(mms)t(ein): Anlässlich ihres achten Studiowerks ZEIT beschäftigen wir uns in einem umfangreichen Special mit dem Phänomen Rammstein und lassen Menschen zu Wort kommen, die das Berliner Sextett auf seinem Weg in Gold- und Platin-Regionen sowie ausverkaufte Stadien begleitet und mit kreativem Input unterstützt haben. Die aktuelle METAL HAMMER-Ausgabe portofrei nach Hause bestellen: www.metal-hammer.de/heftbestellung

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ZEIT von Rammstein – die Tracklist:

  1. Armee der Tristen
  2. Zeit
  3. Schwarz
  4. Giftig
  5. Zick Zack
  6. Ok
  7. Meine Tränen
  8. Angst
  9. Dicke Titten
  10. Lügen
  11. Adieu

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