Der nächsten Person, die in meiner Gegenwart angesichts einer solchen Platte die Behauptung aufstellt, die Rockmusik sei tot, verpasse ich höchstpersönlich einen Einlauf!
Mit Griffen zu Superlativen soll man bekanntlich sparsam umgehen, aber für TOXICITY ist die Höchstwertung fast unumgänglich. System Of A Down haben das Kunststück vollbracht, ihre ureigne Identität, die sie bereits vor drei Jahren auf dem selbstbetitelten Debütalbum andeuteten, zu bewahren und noch zu verfeinern. Wo auf dem Debüt noch eine gewisse Monotonie (bis auf ‚Spiders‘ kamen die melodischen Momente etwas zu kurz) vorherrschte, waltet heute eine musikalische Vielfalt, die kaum in Worte zu fassen ist.
Das unkonventionelle Quartett aus Los Angeles ist zweifellos melodischer geworden, woran Serj Tankians einzigartiger Gesangsstil nicht unschuldig ist. Alleine schon die erste Single ‚Chop Suey‘ rechtfertigt den Kauf des Albums, vereint sie doch alle Qualitäten in sich, die System Of A Down im Jahr 2001 auszeichnen: irrsinnige Geschwindigkeitswechsel, unberechenbare Songstrukturen, emotionale, unter die Haut gehende Gesangslinien und ein Härtegrad, der sich gewaschen hat.
Das Unglaubliche ist, dass sie all diese Elemente und Stimmungsschwankungen problemlos im kompakten Dreiminutenformat unterbringen. Dennoch – und das ist für mich die größte Überraschung – wirken die Songs nicht zerfahren und künstlich zusammengestückelt, sondern sehr homogen. Wer beim Konsum dieser CD nicht hysterisch zappelnd vor der Stereoanlage tanzt, ist klinisch tot!
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