Für eine noch immer aktive Prog Rock-Legende wie Yes kann es nur darum gehen, weiterhin respektiert zu werden und die Vergangenheit lediglich als Basisorientierung zu nehmen. Diese Taktik ist allein deshalb angebracht, da ihr Originalsänger Jon Anderson nicht mehr an Bord ist und sein aktueller Nachfolger Jon Davison stimmlich zwar in ähnlichen Gewässern fischt, aber eben nur in ähnlichen. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist AURORA durchaus unterhaltsam. Denn die langjährigen Stammkräfte Steve Howe (Gitarre) und Geoff Downes (Keyboards) sorgen dafür, dass der typische Yes-Stil weder durch Zeitgeistzutaten noch unnötige Experimente verwässert wird, ohne dabei zur bloßen Kopie der eigenen Geschichte zu verkommen. Okay, unter den neuen Songs gibt es nicht nur künstlerische Schwergewichte, sondern auch manch eine musikalische Plattitüde (‘Emotional Intelligence’, ‘Jambustin’), aber die gehörten in der Vergangenheit ebenso zu dieser Band wie ihre grandiosen Epen. Auf AURORA sind es vor allem die Songs ‘Aurora’, ‘Ariadne’ und ‘Countermovement’, die an die großen Tage erinnern, zumal auch die Produktion (unter der Ägide von Howe) der Tradition treu bleibt, ohne antiquiert zu klingen. Insofern kann man diese Scheibe (fast) jedem Yes-Fan empfehlen, man sollte beim Wunsch nach griffigeren Direktiven oder mehr Innovation jedoch (mit zwei Ausnahmen: ‘All Hands On Deck’ und ‘Outside The Box’) zur Vorsicht raten.
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