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Steve Harris-Interview: Das Geheimnis des Iron Maiden-Bassisten

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Für manche Menschen scheinen die 24 Stunden eines Tages nicht auszureichen. Einer von ihnen heißt Steve Harris. Zum Zeitpunkt des Interviews ist der Iron Maiden-Boss mit seiner Band auf ausgedehnter USA-Tour (METAL HAMMER berichtete ausführlich in der Juliausgabe), das letzte Studioalbum THE FINAL FRONTIER (2010) lief überaus erfolgreich, ebenso die anschließenden Konzerte sowie die 2011er-DVD EN VIVO!. Zudem ist Steve Harris, wenn es um Produktion und Songwriting geht, die entscheidende Schlüsselfigur im Maiden-Imperium. Der überaus freundliche Gentleman hat eine große Familie, und in seinem Tagesablauf müssen auch noch ganz profane Dinge wie etwa die Leidenschaft für Fußball Platz finden.

Zu diesen Verpflichtungen gesellt sich jetzt STEVE HARRIS’ BRITISH LION, sein erstes Soloprojekt. Ein beeindruckendes Pensum, vor allem wenn man bedenkt, dass BRITISH LION alles andere als ein Schnellschuss ist: Die Ursprünge der Songs sind älter als zehn Jahre. Trotzdem lief BRITISH LION komplett unter dem Radar entlang, und selbst in Steve Harris’ engstem Umfeld wusste niemand, was der Maiden-Chef hier am Kochen hatte.

(…)

Steve, es ist fast unvorstellbar, dass offensichtlich niemand etwas von deinen Plänen wusste. Wie schwer war es, -BRITISH LION vor allen geheim zu halten?

Es war wirklich ziemlich schwierig. Bis heute haben nur etwa neun Personen die Songs gehört. Das ist aber gar nicht so verkehrt, denn eigentlich wusste niemand etwas darüber, nicht einmal meine Kollegen bei Iron Maiden. Ende 2011 habe ich Nicko McBrain (Iron Maiden-Drummer – Anm.d.A.) einige Songs vorgespielt, und er mochte sie. Aber der Rest der Jungs hatte keine Ahnung, was hier vor sich ging. Ich habe es wirklich für mich behalten, denn es gab keinen Grund, jemanden einzuweihen. Rückblickend bin sehr zufrieden damit, wie es gelaufen ist.

Es ist schon erstaunlich, dass so etwas in unserer Zeit noch funktioniert. Du arbeitest mit verschiedenen Musikern in verschiedenen Studios, da laufen Angestellte herum, alle haben Bekannte und Freunde, ein Twitter-Account ist immer in der Nähe und es gibt mit Sicherheit jemanden, der sich verquatschen könnte.

Genau, aber es war eine gute Gelegenheit, diesem Projekt etwas Mystisches zu verleihen. Und weißt du was? Das wird in dieser Form auch nie wieder passieren. Denn wird die Sache erst einmal bekannt, ist es beim nächsten Schritt – so es einen nächsten Schritt geben sollte – kein Geheimnis mehr, weil alle schon darüber Bescheid wissen. Es ist also eine einmalige Sache, und das finde ich gut.

Die Arbeit an BRITISH LION muss sich ein wenig wie die am ersten Iron Maiden-Album angefühlt haben. Solange deine Band noch keine Veröffentlichung hat und dich niemand kennt, hast du genügend Zeit, um am ersten Album zu feilen.

Ja, das stimmt. Und deswegen unterscheidet sich die Arbeitsweise stark von dem, was ich sonst mache. Mit Maiden gehen wir für drei bis vier Wochen ins Studio und hämmern die Songs raus. Da herrscht schon ein extremer Druck. Bei BRITISH LION hingegen gab es überhaupt keinen Druck, es sei denn, einer der Musiker hatte eine Idee und wollte sie dringend festhalten. Für mich war es sehr wichtig, dass alles wie geplant läuft und wir ohne Zeitdruck arbeiten können. Am Ende, wenn das Album erscheint, hoffe ich nur, dass es den ganzen Aufwand wert war. Hoffentlich. Wir werden sehen, denn im Moment erleben wir ja eher schwierige Zeiten, um Musik zu veröffentlichen.

Zudem für eine Art von Musik, welche die Iron Maiden-Fans von dir nicht unbedingt erwarten würden.

Ich bin davon überzeugt, dass die Leute das Album entweder lieben oder hassen werden. Ein Mittelfeld der Meinungen wird es kaum geben. Hier etwas vorauszusagen, ist schwierig. Aber genau das ist auch so aufregend daran. Ich habe absolut keine Ahnung, wie die Reaktionen ausfallen werden. Sicher, ich würde gerne einige Konzerte mit British Lion spielen. Aber wir können nichts planen, ohne zu wissen, wie die Reaktionen sein werden. Welche Clubs sollen wir buchen? Okay, wenn das Projekt floppt, dann ist es egal, dann würden wir sowieso nur in winzigen Clubs spielen. Und ehrlich gesagt würde ich das auch am liebsten tun. Aber wenn die Platte läuft, könnte es auch sein, dass uns vielleicht 200 oder sogar 500 Leute sehen wollen. Deshalb ist es etwas kompliziert, jetzt schon Pläne machen zu wollen. Aber das ist auch das Spannende daran.

(…)

Man hört der Platte an, dass ihr offensichtlich eine Menge Spaß hattet…

… auch wenn einige dunkle Parts darauf enthalten sind. Aber das ist gut. Wie schon erwähnt, haben wir vor vielen Jahren einige der Songs live gespielt, und ich würde das eigentlich gerne wieder tun.

Wann war das etwa?

Oh, keine Ahnung, das ist sicher zehn Jahre her. Mindestens.

(…)

War es für die anderen Musiker jemals ein Thema, dass du Steve Harris bist?

Ich denke nicht. Am Ende sind sie einfach froh, dass diese Platte nach so langer Zeit überhaupt erscheint und dass das Album durch meinen Beitrag so viel Beachtung findet. Andererseits: Man kann Unmengen an Aufmerksamkeit bekommen, doch wenn die Leute die Musik nicht mögen, hat man nichts davon. Deshalb ist es wichtiger, ein starkes Produkt mit guter Substanz zu haben. Und ich finde, genau das ist British Lion. Ich hoffe wirklich, dass es den Leuten gefällt, denn es ist gute, starke Musik. Und das ist auch alles, was Musik sein muss. 

Mehr zu Steve Harris und seinem Solo-Album BRITISH LION lest ihr in unserer Oktober-Ausgabe.

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