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Thrash Metal 2024: Frischer Wind

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Das komplette Thrash Metal-Doppel-Interview mit Dust Bolt und Surgical Strike findet ihr in der METAL HAMMER-Märzausgabe 2024, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

METAL HAMMER: Lenny und Jens, eure Bands haben schon zusammen gespielt. Tauscht sich die deutsche Thrash Metal-Szene regelmäßig aus?

Jens Albert: Vieles läuft über Facebook. Live trifft man eher zufällig auf andere Bands, Line-ups sind oft Veranstaltersache. Oder man spielt Tauschkonzerte, wie wir mit Infestation: Sie luden uns zur Releaseparty ein, und wir holten sie nach einem Ausfall zum Thrash-Rumble.

Lenny Bruce: Als wir Dust Bolt gründeten, gab es Bands im selben Alter. Mit Pripjat und Battlecreek waren wir auch privat verstrickt. In München trifft man sich im Backstage – es ist noch etwas davon da, was man Szene nennen könnte. Als wir anfingen, war dieses Gefühl stark, doch die Leben aller wurden voller und stressiger. Wir versuchen, unseren Kreis zusammenzuhalten und mit anderen Musikern Jamsessions oder Gigs zu besuchen.

Jens: In Süden gibt es eine größere Thrash Metal-Szene mit Bands wie Mindead, Toxic Waltz oder Antipeewee. Wir haben Ravager; Taskforce Toxicator sind aus Münster, Headshot aus Braunschweig. ­Surgical Strike leben in Deutschland verteilt, wir treffen uns nicht oft. Ich gehe aber gerne auf Undergroundgigs und komme auch zu Dust Bolt in Hannover.

Die Emotionen wurden extremer

MH: Surgical Strike traten nach zwei Demos Mitte der Neunziger ab und kehrten 2020 zurück. Für Dust Bolt ging es als deutsche Metal Battle-Sieger 2011 schnell bergauf. Wie blickt ihr auf eure Anfänge zurück?

Jens: In den Neunzigern spielten wir Old School-Thrash und waren sogar „Demo des Monats“ bei euch. Wir spielten nicht viel live, probten aber jedes Wochenende; alle kamen aus der Gegend. Für diese Musik war es keine gute Zeit: Wer härtere Musik machte, klang eher wie Pantera. Ich fand solche Bands cool, wollte das aber nicht selbst machen. Es war schwer, Musiker zu finden, irgendwann stand ich allein da. 2016 sprach mich ­Marcelo (Vasquez Rocha, Gitarrist – Anm.d.A.) an, und wir begannen neu. Die Debüt-EP schlug richtig ein, technisch spielten wir auf viel höherem Niveau – solche Musik wollte ich immer machen.

Lenny: Wir gründeten die Band mit 13, ohne einen Plan zu haben; wir handelten intuitiv und wurden von dem beeinflusst, was wir hörten: System Of A Down und Green Day, auf einem Nirvana-Bonustrack wird geschrien, mit 14 bekommt man eine Slipknot-Platte zugesteckt, dann zeigt einem der Neue in der Klasse Slayer und Iron Maiden – es öffnet sich eine neue Welt! Parallel dazu spielten wir Gigs. Intuitiv wurde es immer härter, weil die Emotionen extremer wurden und wir mehr Werkzeuge hatten – Slayer, Death Metal … Landsberg hatte eine starke DIY-Punk-/Hardcore-Bewegung mit Gigs in Jugendzentren und Leuten, die mit ihrem letzten Geld Bands buchten. Wir spielten Contests, organisierten Busse dorthin, vertickten unsere Demos in der Schule und wuchsen peu à peu in die Metal-Szene hinein.

Mehr Hirn als Herz?

MH: Lenny, SOUND & FURY zeigt eure Weiterentwick­lung: Teils klingt ihr nach Metallica, in der zweiten Hälfte recht experimentell. Ihr wollt euch nicht vom „Korsett“ Thrash einschränken lassen, sondern Genre-frei agieren. Was strebt ihr an?

Lenny: Es war eine Bauchentscheidung, wir stellen das Vorherige nicht in Frage. Als Band agieren wir impulsiv und emotional getrieben. Wir haben kein Rezept, das wir zwölf Alben lang durchziehen. Wir haben diese Reise immer zu viert vollzogen, und in der Pandemie legten wir erstmals eine Pause ein. Davor sind wir nie privat in den Urlaub geflogen, es gab keine Unternehmung ohne die anderen Jungs. Nach der Pause hatten alle Songs geschrieben und wir machten Mucke, ohne über Genres nachzudenken. Davor fühlte es sich an, als könnten wir nicht alles machen, was wir wollen. Dust Bolt sind wir vier beim Mucke machen. Auf den ersten vier Alben war das klar Thrash Metal – wie man es jetzt nennt, ist egal. Musik ist emotional, ich denke nicht darüber nach. Geschäftlich wäre es klüger, mehr Hirn als Herz einzusetzen, aber dann ist es keine Kunst mehr, sondern Entertainment.

MH: Kommt Weiterentwicklung im Thrash zu kurz? Wie konservativ sind Genre und Fans?

Jens: Die Reaktionen auf Dust Bolt zeigen, dass einige Leute ihre Meinung lieber für sich behalten sollten. Es muss einem nicht alles gefallen, aber persönliche Angriffe gehen nicht. Viele Leute sind zu engstirnig. Ich mag die Queensrÿche-Alben der Neunziger nicht, doch es gibt genug Alternativen. Wir brauchen keine Polizei, die Bands vorschreibt, welche Art Musik sie machen dürfen. Musik muss aus dem Bauch kommen, nicht aus dem Kopf!

„Thrash kann sich immer weiter selbst kopieren“

Lenny: Ich finde diese konservative Erwartungshaltung skurril: Bands sollen einem genau das geben, was man erwartet. Dabei opfern Musiker viel, sind ständig auf Tour, haben keine Kohle und entscheiden sich für dieses Leben, um Kunst zu machen. Sie denken sich schon etwas dabei. Man könnte auch fragen, was hinter Veränderungen steckt. Als Fan finde ich Wandel spannend. Nicht alles holt mich ab, aber interessant ist es allemal. Ich wurde Mitte der Neunziger geboren und habe keine direkte Thrash-Sozialisation. Ich kenne alles aus der Retrospektive und liebe die Bands, aber das ist 40 Jahre her! Wir sind viel jünger und kriegen nun Häme, weil wir nicht klingen wie das Original. Das war nie unsere Absicht! Thrash kann sich immer weiter selbst kopieren, viele Bands machen das gut.

Es ist aber wichtig, dass es auch Kräfte gibt, die das damalige Gefühl mit Neuem kombinieren. Meine Motivation ist, dass ich mit 14 ein Metal-Album bekam, das mein Leben verändert hat. Das Größte, was ich mit meiner Band schaffen kann, ist, andere anzustecken, selbst Musik zu machen. Wichtig ist Innovation, dass man etwas probiert. Ich empfinde Thrash und generell Metal als zu konservativ. Das könnte ihm schaden, denn wir haben ein Nachwuchsproblem – es fehlen Kids auf Konzerten und junge Bands; Proberäume und Jugendzentren stehen teils leer. Metal muss offener für neue Ideen werden – und losgelöster von Nostalgie und Vergangenheit.

„Ich bin für handgemachte Musik“

Jens: Ich sehe das genauso. Es gibt genug zeitlose Alben, die man bis heute hören kann. Stillstand ist immer schlecht. Über diese KI-generierte Platte regen sich die Leute richtig auf – aber man muss es ja nicht hören. Beschäftigt euch lieber mit etwas, das euch weiterbringt!

Lenny: Seit gefühlt zwanzig Jahren klingt Pop wie KI-Musik. Man sampelt lieber am Laptop, als einen echten Drummer aufzunehmen. Ich bin für handgemachte Musik. Fehler machen Musik erst interessant. Der Fuzz-Sound der Gitarre entstand, weil etwas kaputt war – so wurde ein Sound erfunden! Von Menschen gemachte Dinge werden nie aussterben. Sie fühlen sich anders an und berühren mehr als Maschinelles.

Das komplette Interview mit den beiden Frontmännern sowie zwei weitere Thrash Metal-Doppel-Interviews (Exhorder vs. Morbid Saint und Suicidal Angels vs. Messiah) findet ihr in der METAL HAMMER-Märzausgabe 2024, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

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