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Underoath Interview zum Album LOST IN THE SOUND OF SEPARATION

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Tampa? Da war doch was! Richtig: Morbid Angel, Death, Obituary, Monstrosity und ein paar andere legendäre Death Metal Kapellen machten diesen Namen in den 90ern zum Synonym für das Eldorado des Todeskorns. Kein Wunder ist, dass die namensgebende Stadt Tampa von solchen Höllengeburten heimgesucht wurde – immerhin gibt es dort für je tausend der etwa 330.000 Einwohner eine eigene Kirche. Da muss man sich ja fast zwangsläufig der dunklen Seite der Macht zuwenden.

Underoath indes sind den anderen Weg gegangen und spielen ihre Konzerte explizit für Jesus Christus. Das kann man zwar auch subtiler und unaufdringlicher machen, siehe beispielsweise As I Lay Dying, aber Schwamm drüber. Musikalisch sind Underoath nämlich über jeden Zweifel erhaben. Auch ihr neues Evangelium LOST IN THE SOUND OF SEPARATION ist ein unglaublich hartes, kompromissloses und vertracktes Stück Musik geworden und steht dem starken Vorgänger DEFINE THE GREAT LINE in nichts nach.

Was ein wenig überrascht, ist die inhaltliche Düsternis, die Sänger Spencer Chamberlain in die erste Hälfte dieses dialektischen Werks gesteckt hat. Mehr denn je arbeitet der vom Saulus zum Paulus gewandelte Fronter darin nämlich seine drogengetränkte Vergangenheit auf. Schade, dass er nicht, wie abgemacht, persönlich darüber sprechen will, doch immerhin springt Gitarren-Petrus Tim McTague für den Sangesbruder in die Bresche – trotz Rotznase und Dauerschniefen. „Ich bin eigentlich nicht qualifiziert, über die Inhalte zu sprechen, das ist Spencers Ding. Die erste Hälfte ist aber tatsächlich eher apokalyptisch gehalten. Spencer singt über das Ende der Welt, wie sich die Menschen gegenseitig zerstören und wie die Menschheit kollabiert – natürlich eher bildlich als wörtlich gesprochen.“

Wäre ja auch noch schöner, schließlich sollte man von einer christlichen Band doch wohl erwarten können, dass sie den Menschen etwas Hoffnung geben will. „Das folgt dann im zweiten Teil, denn am Ende des Albums steht die Erlösung. Uns geht es darum, den Menschen zu zeigen, was mit ihnen und der Welt um sie herum geschieht und wie sie sich dafür einsetzen können, die Dinge zu verbessern. Wir wollen einen positiven Vibe verbreiten.“

Das mit dem Vibe gelingt ihnen mit LOST IN THE SOUND OF SEPARATION ohne Zweifel hervorragend: Jedem Freund verfrickelter Post-Hardcore-, Metalcore- oder Whatevercore-Salven, die sich erst nach und nach in all ihrer epischen Bombastik entfalten, dürfte Underoaths sechstes Studioalbum ein morbides Grinsen ins Gesicht meißeln. Und mit missionierungsresistentem Christenschutzpanzer kann man den nervigen Ideologie-Anteil des Underoath-Pakets dann auch geflissentlich ignorieren.

Bilder von Underoath findet ihr wie gewöhnlich in der Bildergalerie, den aktuellen Clip ‘Desperate Times Desperate Measures’ weiter unten.

Benjamin Foitzik

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‘Desperate Times Desperate Measures’

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