Album des Monats
Dark Tranquillity
Construct
Melodic Death Metal
von Jakob Kranz
Foto:
Nuclear Blast
Kreator PHANTOM ANTICHRIST (2012) Cover
Ein Blick nach draußen genügt, um die brodelnde Wut im Bauch
endgültig zum Überkochen zu bringen. Gierige Banken, politische Machtspiele,
soziale und gesellschaftliche Konflikte, zunehmende Überwachung durch Staat und
Unternehmen, die Zerstörung unseres eigenen Biotops aus blinder Profitsucht –
es ist höchste Zeit für ein wütendes Statement. Das perfekte Metal-Medium
hierfür ist schon immer der Thrash, und allen voran waren speziell Kreator nie
darum verlegen, harte Themen aufzugreifen und sich im künstlerischen Sinn die
Finger schmutzig zu machen. Klare Worte mit messerscharfen Riffs zu bündeln ist
eine der großen Stärken der Band, die sich im Verlauf ihrer Karriere immer
weiter verbessert, verfeinert und neu justiert hat.
Betrachtet man die Linie von EXTREME AGGRESSION (1989) und COMA OF SOULS (1990) über VIOLENT REVOLUTION (2001) bis hin zu HORDES OF CHAOS (2009), dann ist PHANTOM ANTICHRIST ein typisches, weil sofort als solches erkennbares Kreator-Album. Ihr erstklassig gespielter Thrash Metal verbindet brutale Aggression und mitreißende Melodien zu großen Hymnen in der Tradition der ewig Altvorderen Iron Maiden und Judas Priest. Doch Kreator waren nie eine Band der sturen Traditionspflege. Vielmehr sind sie von der Suche nach Erneuerung und Weiterentwicklung getrieben, ohne dabei ihren stilistischen Kern aus dem Fokus zu verlieren. Diesmal sitzt die deutlichste Veränderung auf der Bank, als fünfter Mann. Für den Sound von PHANTOM ANTICHRIST war Jens Bogren (unter anderem Amon Amarth und Katatonia) verantwortlich, der Kreator einen opulenten, beinahe eleganten Feinschliff verpasst hat. Dieser unterscheidet sich deutlich vom rauen Charme der HORDES OF CHAOS-Produktion, deren Neuauflage eine Wiederholung und somit einen Stillstand der Maschine bedeutet hätte.
Unabhängig von dieser akustischen Veränderung beinhaltet PHANTOM ANTICHRIST neun klassische Kreator-Kompositionen, welche den Fans wie Balsam die Synapsen herunterlaufen werden. Doch hinter den mächtigen Rhythmen, sich duellierenden Soli und prägnanten Melodien stecken viele raffinierte Details, unerwartete Stimmungswechsel und plötzliche Kinnhaken, welche dieses Album zum vielseitigsten der Kreator-Geschichte machen. Vom aggressiven ‘Phantom Antichrist’ über das an ‘Violent Revolution’ erinnernde ‘Death To The World’, den Midtempo-Headbanger ‘From Flood Into Fire’ (was für ein simpler und doch grandioser Chorus!) und weiter über das treibende ‘Civilization Collapse‘ bis hin zum epischen Finale von ‘Until Our Paths Cross Again’ ist PHANTOM ANTICHRIST randvoll mit Hymnen, Hits und zukünftigen Klassikern. Zudem liefert die Zeile „We can bring this empire to fall“ (aus ‘United In Hate’) den potenziellen Schlachtruf für die kommenden Konzerte. Wenn sich also die Kreator-Kreativität mit dem Streben nach Weiterentwicklung zusammenfassen lässt, ist PHANTOM ANTICHRIST der logische Karriereschritt, welcher ihr musikalisches Spektrum in alle Richtungen erweitert. Darum ist dieses Album ein Meisterwerk, welches sowohl musikalisch als auch inhaltlich notwendige Akzente setzt und zusätzlich dem etwas bieder gewordenen Thrash Metal seinen en vogue gewordenen Retro-Rost vom stählernen Rahmen schmirgelt. Wie eingangs erwähnt: Es war höchste Zeit für ein starkes Kreator-Album.
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von Jakob Kranz
Juli-Heft 2012: Die 50 schlimmsten Metal-Tragödien
In der Juli-Ausgabe verneigen wir unser Haupt vor den schlimmsten Todes-, Krankheits- und Unglücksfällen der Metal-Geschichte. Doch wir blicken natürlich auch nach vorne.
Kreator-Interview: Mit Alt mach Neu
Qualität ist man aus dem Hause KREATOR gewohnt. Diese löbliche Zier setzt das Quartett auch mit PHANTOM ANTICHRIST fort. Bester Thrash – zeitlos und modern. MILLE PETROZZA verrät unter anderem, wer sich hinter dem „Phantom Antichrist“ verbirgt.
Kreator bilden zusammen mit Destruction und Sodom das sogenannte Dreigestirn des deutschen Thrash Metal und verkauften weltweit über zwei Millionen Alben.

Kommentare (5)
GENAU!
Genial!
Ich hab das Album selber und bin der selben Meinung wie Herr Kranz.
Was man aber noch sagen muss,ist,dass Kreator diesmal sogar in dem Song United in Hate sogar Speed/Power Metal-
Elemente eingebaut haben(was aber ihrer Härte nichts getan haben).
Alles in allem ein Album,was sein Geld wert ist ;=)
von Freundchen666 am 11. Juni 2012 16:06 Uhr Melden
Kreator -Phantom Antichrist
Hammer Album! Kreator sind wie ein guter Wein.
von Smingo am 14. Juni 2012 10:46 Uhr Melden
Yeah
Kreator haben den Soundcheck-Sieg echt verdient. Gratulation! Das Album ist ein Meisterwerk.
von "Silvia J" am 18. Juni 2012 10:16 Uhr Melden
Der Hammer...
Wenn das Album nicht wie ein Blitz einschlägt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter...Kreator beweisen, dass sie verdientermaßen die Helden des Teutonen-Thrash sind!
Attacke, Mille, das Album hol ich mir!!!!!!
von G. am 18. Juni 2012 10:16 Uhr Melden
Bestes Metal Album der letzten Jahre!!!
Da können sich einige Bands eine Scheibe von abschneiden. Genial was die Ruhrpottler (bin selbst einer) uns da präsentieren. Die Platte lässt auch die letzten Kreator kritiker verstummen. Ein Meisterwerk, weiter so Kreator!!!
von Lusches666 am 26. Juni 2012 11:07 Uhr Melden