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Long Distance Calling Trips

Rock, Sony (11 Songs / VÖ: 25.3.)

7/ 7
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Foto: Promo

Eines kann man den Münsteranern Long Distance Calling nicht vorwerfen: Dass sie es einfach machen. Weder sich selbst, noch ihren Fans. Mit dem letzten Album THE FLOOD INSIDE hatten sich alle Beteiligten doch gerade erst daran gewöhnen müssen, dass mit Martin „Marsen“ Fischer ein fester Vokalist dazugehörte, der seine Sache zugegebenermaßen exzellent machte.

Und, zack, wird dieser nun (nach freundschaftlicher Trennung aus privaten Gründen) schon auf dem nächsten und zugleich neuen Album durch Band-Intimus Petter Carlsen ersetzt. Die bange Frage liegt auf der Hand: Geht das gut? Antwort: Ja, geht es. Denn wohl kaum eine andere Band hat die Veränderung von Anfang an als Teil des kreativen Prozesses so umarmt wie Long Distance Calling. Dies geschieht manchmal subtil, weshalb TRIPS absolut urtypisch nach seinen Erschaffern klingt, ohne sich dabei platten Selbstdiebstahls zu bedienen. Manchmal muss es aber die Keule sein, denn die Dancefloor-Grooves und pornösen Keyboards des Openers ‘Getaway’ muss man sich erst mal (zu-)trauen.

Eine weitere Überraschung ist das – vermutlich sehr zur Freude von Produzent Vincent Sorg – neu gefundene Händchen für hochklassige Hooks wie in ‘Reconnect’. Hier geht im Chorus so dermaßen die Sonne auf, dass man kurz überlegt, ob es tatsächlich noch dieselbe Band ist, um dann begeistert mitzuwippen. Wie der Albumtitel TRIPS bereits andeutet, ermöglichen Kompositionen wie das wunderbar derbe riffende ‘Trauma’ oder das überlange ‘Flux’ (was für herrliche Gitarren…) mentale Reisen, die besonders über Kopfhörer ziemlich abgefahrene Routen einschlagen – in ihrer Paradedisziplin schlägt diese Band eben keiner. Doch das aktualisierte Gewand passt einfach ausgezeichnet, was ganz besonderes für den singenden Neuzugang gilt. Natürlich, der grundlegende Unterschied zwischen den beiden Stimmen ist beachtlich. Wo Marsen eine Art attraktive Düsternis im Faith No More-Stil versprühte, klingt Carlsen eher glockenhell, fast schon hymnisch.

Doch exakt diese Note verleiht den neuen Songs einen ganz bestimmten Reiz, der sich ausgezeichnet mit einer gesteigerten, unterschwelligen Eingängigkeit verträgt, die TRIPS nicht abgesprochen werden kann. Ecken und Kanten hat das hier nämlich noch reichlich, doch auf Albumlänge fühlt sich das neue Material einfach runder, überlegter, reflektierter an. So, als ob nur die allerbesten Parts und Ideen genommen werden durften. Zusammengefasst: Von der Disco zum Epos und wieder zurück – Long Distance Calling ignorieren alle Erwartungen und liefern ein weiteres Meisterwerk ab. Wo soll das bloß noch hinführen?

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