Februar 2006, Texas. Die Neunziger waren vorbei, die großen Metaller wurden vom Grunge übertönt. Das ließen sie sich nicht weiter gefallen. Also schlugen sie zurück: Lauter, härter, präsenter. Mit dieser Mentalität stießen vier bärtige Texaner aufeinander, die in ihrem Debütwerk AGE OF WINTERS die Stimmung der US-Szene präzise auf den Punkt brachten. The Sword waren geboren, laut und voller Tatendrang – aber ihr erstes Album schlug auf unserer Seite des großen Teichs weniger ein als erwartet. Vielleicht lag es daran, dass Titel und Artwork eher ein Power Metal‑Epos erwarten ließen: irgendwo zwischen Tolkien‑Fantasien und Einhörnern. Doch The Sword machten früh klar, dass sie nicht gekommen waren, um Erwartungen zu erfüllen, sondern um sie zu zerschmettern.
Nicht drin, was draufsteht
Statt schillernder Heldensagen regieren auf AGE OF WINTERS schwere, staubige Riffs, die sich tief im Doom und Stoner Rock verwurzeln. J.D. Cronises markanter Gesang thront über Gitarrenwänden, die mal schleppend wie Lava fließen, nur um im nächsten Moment in thrashige Attacken auszubrechen. Diese Mischung aus archaischer Wucht und überraschender Dynamik war 2006 zumindest in den USA ein Volltreffer. Damit passte sie perfekt in die damalige globale nostalgische Metal‑Welle, zu der auch High On Fire, Witchcraft oder Wolfmother gezählt wurden.
The Sword verewigten sich in der Pop-Kultur
Die reguläre Version des Albums umfasst neun Lieder. Die japanische Ausgabe – einige Wochen später veröffentlicht – beinhaltet drei zusätzliche Livetracks. Als Single stach besonders ‘Freya’ hervor – ein Song, der The Sword weit über die Metal‑Szene hinaus bekanntmachte. Kein Wunder: Das Riff-Monster fand seinen Weg in die Videospiele ‘Guitar Hero II’ (2006), ‘Guitar Hero Smash Hits’ (2009) und in den Soundtrack des Rennspiels ‘Burnout Dominator’ (2007). Später tauchte es sogar in die YouTube Premium‑Serie ‘Wayne’ (2019) auf. Auch die Macher der Animationsserie ‘American Dad!’ scheinen Fans zu sein: ‘Barael’s Blade’ tauchte in Staffel 5 (‘Nur die inneren Werte zählen… oder?!’) auf, ‘Iron Swan’ in Staffel 10. Letzteres Lied wurde zusätzlich im Skate‑Klassiker-Videospiel ‘Tony Hawk’s Project 8’(2006) verewigt.
Eine Band, eine Aufnahme
Dass AGE OF WINTERS so geschlossen wirkt, liegt auch daran, dass Cronise, Gitarrist Kyle Shutt, Bassist Bryan Richie und Schlagzeuger Trivett Wingo tief in die Produktion eingebunden waren. Die Band arbeitete damals wie eine eingeschworene Einheit: ein Quartett, das genau wusste, welchen Sound es erschaffen wollte. Die Kritiker nahmen das Debüt entsprechend wohlwollend auf. Die folgenden Tourneen mit Trivium, Kylesa, In Flames, Nebula und sogar drei Shows mit Lamb Of God in Japan halfen dabei, den Namen The Sword international weiter zu verankern. In Europa wurden sie vor allem als Support von Metallica während deren „World Magnetic Tour“ 2008 einem breiteren Publikum bekannt.
Neuauflage und Vermächtnis
2008 erschien AGE OF WINTERS noch einmal im Boxset zusammen mit dem Nachfolger GODS OF THE EARTH. Das ist jenes Album, das The Sword erstmals in die Charts brachte. Ein späterer Erfolg, der ohne das rohe Fundament ihres Debüts kaum denkbar gewesen wäre. Heute, nach der Band-Auflösung 2022, wirkt AGE OF WINTERS wie ein eingefrorener Moment aus einer Zeit, in der Retro Metal noch nicht Mode war, sondern eine Mission. Umso schöner, dass die Auflösung nur von kurzer Dauer war und nach der Bühnenrückkehr 2024 neues Material von The Sword in Aussicht gestellt wurde!
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