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Die Les Paul füllt leere Räume: Gary Moore ist tot

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Und, kann einer schon das Solo aus „Empty Rooms“? Weit vor Kirk Hammett (zu unpopulär), Steve Vai (zu abgefahren) und Yngwie Malmsteen (dann doch zu doof) war Gary Moore in den 80er-Jahren der Gitarrist der Gitarristen. Wer auf dem Land saß und in einer Band spielte, war auf Du und Du mit Moore. Adleräugte ihm im Video auf die Finger, notierte sich, welche Effektpedale er benutzte. Und jubelte, als er 1985 tatsächlich die Single-Charts stürmte, an Madonna und Wham vorbei, mit „Out In The Fields“. Einem Song über den Konflikt in Nordirland, Moores ursprünglicher Heimat, aufgenommen mit seinem Kompagnon Phil Lynott.

Lynott hatte bei Thin Lizzy gesungen, der (trotz U2) größten Band Dublins, in der auch Gary Moore immer wieder eine Heimat fand, vorübergehend. 1986 starb Lynott, „Out In The Fields“ war seine letzte Aufnahme. Das Ende der einzigen dauerhaften musikalischen Freundschaft, die es in Moores Karriere gab.

Auf Plattenhüllen und in Videos ließ er sich gern zum einsamen Mann mit der Gitarre stilisieren. Der Typ mit den Bomberlocken, der allein in großen Räumen stand, vor verlassenen Häusern, auf der leeren Bühne, im Spotlight. Man sollte es nicht überdramatisieren, aber sein Leben lang schien Gary Moore erfolglos auf der Suche nach der festen Formation zu sein, in die er aufgehen, sein überdurchschnittliches Talent zum Gemeinnutz machen konnte. Am 4. April 1952 in Belfast geboren, wurde er schon als Kind vom Blues erfasst, von der Aura Eric Claptons, Peter Greens, von Jimi Hendrix. Auf dem Cover seines erfolgreichsten Albums „Still Got The Blues“ von 1990 sieht man einen kleinen Jungen im Kinderzimmer auf dem Bett sitzen, mit Gibson Les Paul und Hendrix-Poster – das war er selbst, gewissermaßen. Nach dem Umzug nach Dublin schloss der junge Moore sich der Band Skid Row an, lernte dort Phil Lynott kennen, der die Gruppe aber bald verließ und Thin Lizzy gründete. Skid Row wurden zur Größe in der weltweiten Blues-Roadshow. Zum echten Durchbruch reichte es nicht.

So war das bis zum Schluss: Gary Moore war einer, dem immer viel Respekt gezollt wurde für seine Skills, seine musikalische Bildung, seine Weigerung, sich beim Haarspray-Publikum anzubiedern. Richtig geliebt wurde er allerdings nicht. Die beachtliche Solokarriere, Highlights als Special Guest bei Thin Lizzy, Arbeiten mit Cozy Powell, Greg Lake, den Cream-Zweidritteln Ginger Baker und Jack Bruce: Sein unvergleichlich singender Les-Paul-Ton hat überall im Felsgestein des Hard- und Bluesrock seine Spuren hinterlassen. Aber ihn selbst erwischte man nie. Vielleicht wollte Gary Moore das auch so.

Am 6. Februar ist er in einem Hotelzimmer im spanischen Estepona gestorben. Die Modern-Rock-Sender werden seine Songs heute spielen wie jeden Tag auch. Wir dagegen lassen heute mal die Gitarre stehen. Keine Note, einen ganzen Tag lang. Weil wir so traurig sind, dass es den Ton von Gary Moore nie mehr geben wird.

(Dieser Artikel erschien auf der neu relaunchten Seite www.rollingstone.de)

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