Toggle menu

Metal Hammer

Search
Blackout Tuesday
Logo Daheim Dabei Konzerte

19 Uhr: Max Raabe

Weiterempfehlen!
  • Mail Icon
  • Mail Icon
  • Mail Icon
  • Stunden
  • Minuten
  • Sekunden

Heavy Metal und Punk: eine Szene in Thüringen, 1986

von
teilen
twittern
mailen
teilen


Meine Heimatstadt Sömmerda hatte seit Beginn der 80er eine starke Metal-Szene. In schwarzes Leder gekleidete Gestalten mit Nietengürteln und langen Haaren versetzten die Bürger der Thüringer Kleinstadt in ungläubiges Erstaunen und Entsetzen. Die Musik-Fans nannten sich „Heavies“ und hörten anfangs vor allen Dingen klassische Bands wie Judas Priest, Iron Maiden und Motörhead.

Als eifriger Radiohörer verbrachte ich ganze Nächte vor dem Gerät, um diese Musik mit Hilfe meines „Stern-Rekorders“ (die Platten gab es ja in der DDR so gut wie nicht) mitzuschneiden. Und obwohl um einige Jahre jünger, dauerte es nicht lange, bis ich zu einem Teil dieser nicht gerade staatskonformen Jugendkultur wurde. Wichtig dafür waren vor allen Dingen Sachkenntnis (‘Crusader’ von Saxon sollte man schon annähernd mitgrölen können), ein gewisses Maß an Trinkfestigkeit (hier scheiterte der Schreiber kläglich, indem er bei seinem Antrittsbesuch den Tisch samt zugehöriger Decke und Getränken vollständig abdekorierte) und das gängige Outfit.

Lederjacken waren leider Mangelware, doch ein ortsansässiger Bäcker verstand sich vortrefflich auf das Schneidern dieser – nebst dazu passenden Hosen und Westen. Er fertigte die Sachen aus Kunstleder, das aus einer nahegelegen Kofferfabrik stammte. Infolge der nicht gerade atmungsaktiven Materialzusammensetzung kam es in den Hosen bei höheren Außentemperaturen zu unangenehmer Geruchsbildung und bei den Jacken im Frostbereich zur Komplettversteifung – man konnte die Jacken einfach mal in die Ecke stellen.

Falls man Bekannte bei der Deutschen Reichsbahn hatte, zierte das wallende Haupthaar eine mit Ketten und Nieten optisch aufgewertete Bahnermütze im Stil von Rob Halford. Nietenarmbänder und –gürtel waren selbstverständlich Eigenlaborate, wobei auch Spikes aus dem Sportbereich und Transportriemen für das Endlospapier der im Ort hergestellten Kleincomputer-Drucker zur Verwendung kamen. Bei deren illegaler Beschaffung soll es übrigens zu beträchtlichem volkswirtschaftlichen Schaden gekommen sein. Ich trug außerdem ein mit Dachpappennägeln verziertes Hundehalsband, von dessen Einsatz ich aber nach diversen Polizeikontrollen und einem Kneipenrauswurf schnell wieder Abstand nahm.


teilen
twittern
mailen
teilen
Heavy Metal: Historie und Wandlungen

Dass in der Presse und den Medien ausschließlich negativ über Heavy Metal berichtet wurde, ist schon seit längerer Zeit vorbei. Nicht zuletzt dank unter anderem Wacken, ‘Nothing Else Matters’ oder dem Auftritt von Lordi beim ESC. Unsere Szene ist langsam, aber sicher in den Mainstream spaziert. Das fiese Wörtchen "gesellschaftsfähig" trifft mittlerweile auch auf Heavy Metal und die Fans zu. In den letzten Tagen befassten sich gleich mehrere Medienplattformen mit der "Teufelsmusik". Bei Deutsche Welle ist ein Artikel über die Entwicklung des Metal zu lesen, der ein im Grunde erschreckendes, aber wahres Fazit in sich birgt. "Was noch vor wenigen…
Weiterlesen
Zur Startseite