In Flames: COME CLARITY wird 16 Jahre alt

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Mit COME CLARITY haben In Flames den Stil ihres zweiten Lebens perfektioniert. Hochmelodisch und mit mehr als einem Fuß im Modern Metal US-amerikanischer Prägung umarmen sie zugleich ihre Vergangenheit. So stehen knallharte Brecher wie ‘Leeches’ oder ‘Scream’ neben dem melancholischen Titel-Song und in allen Farben strahlenden, erhebenden Hymnen wie ‘Crawl Through Knives’ (schon mal versucht, beim Refrain nicht die Arme in die Höhe zu reißen? Spoiler: Es geht nicht!). Was COME CLARITY perfekt macht, ist, dass beide Welten eine unaufl ösliche Einheit bilden – nicht neben-, sondern miteinander stehen. Und natürlich die absolute Hit-Dichte, der immer gelungene Wechsel zwischen Anders Fridéns Growls, Screams, Gesängen und ohrenbetäubendem Flüstern, die mal satt groovenden, mal zum Niederknien harmonischen Riffs sowie die glasklare Hochdruckproduktion. A SENSE OF PURPOSE (2008) setzt diesen Weg fort.

Anlässlich des Geburtstags von COME CLARITY haben wir in unserem Archiv gegraben und präsentieren euch hier Auszüge aus dem damaligen Interview. Robert Müller sprach mit In Flames-Frontmann Anders Fridén.

METAL HAMMER: Welche Grundvoraussetzungen sollte COME CLARITY erfüllen?

Anders Fridén: In Flames ließen sich schon immer auf zwei ganz schlichte Elemente reduzieren: Melodie und Aggressivität. Als ich mit Björn (Gelotte, Gitarrist – Anm.d.A.) und Jesper (Strömblad, ebenfalls Gitarrist – Anm.d.A.) über dieses Album sprach, blickten wir nicht zurück und stellten fest: Das eine, also die Härte, ist uns auf den letzten Alben verloren gegangen. Bei uns passieren die Dinge eher, als dass sie geplant werden. Wir machen so ein Album Song für Song, arbeiten niemals an zwei Dingen gleichzeitig. Dadurch geraten wir nie in Versuchung, unseren natürlichen kreativen Fluss zu sehr zu verbiegen.

„Dynamik ist ein wichtiger Bestandteil von In Flames’ Ästhetik.“

MH: Gab es einen bestimmten Song, nach dem euch klar war: So soll das Album klingen?

AF: ‘Vacuum’ gehörte zu den ersten Stücken, die wir schrieben. Als es fertig war, wussten wir: Das ist der richtige Weg. Danach begannen wir, das Album als Ganzes ins Auge zu nehmen, suchten beispielsweise gezielt nach einem langsameren Song oder stellten klar, dass es kein zweites ‘Only For The Weak’ geben dürfte. Der Grund? Dynamik ist ein wichtiger Bestandteil von In Flames’ Ästhetik, und zwar nicht nur innerhalb des Songs, sondern auch über das gesamte Album hinweg.

MH: Neben dem oberflächlichen Zurückgehen zur Härte der alten Tage gibt es auf COME CLARITY eine Menge neuer Elemente – etwa deinen Gesang, der in Stücken wie dem Titel-Song oder ‘Crawling Through The Knifes’ gänzlich neue Dimensionen annimmt.

AF: Ich gebe mein Bestes… Nein, im Ernst: Die Stimme ist mein Instrument und ich bemühe mich immer, ihm neue klangeliche Facetten abzugewinnen. Ich machte die Gesangsproduktion gemeinsam mit Daniel Bergstrand, und er ermutigte mich, neue Dinge auszuprobieren. Wahrscheinlich ist der Gesang das experimentellste Feld innerhalb der In Flames-Formel. Aus dem einfachen Grund, dass mir da niemand reinredet. Auf diesem Album wollte ich meine Stimme mehr in den Vordergrund stellen und mich nicht hinter den Harmonien verstecken. Ehrlich gesagt wollte ich das früher auch schon, aber vielleicht habe ich erst jetzt das Selbstvertrauen gefunden, damit wirklich ernst zu machen.

„Ruhm und Geld als solche sind mir vollkommen egal.“

MH: Welche Perspektive siehst du heute für In Flames? Seid ihr so erfolgreich, wie ihr werden könnt?

AF: Ich hätte nie geglaubt, dass wir einmal so erfolgreich wie heute sein würden, daher wage ich es heute nicht, über die Zukunft zu spekulieren. Es war nie unser Ziel, uns nach ein paar Megahits mit 40 auf eine Südseeinsel zurückzuziehen. Und es ist mir auch nicht wichtig, ich habe alles, was ich zum Leben benötige. Ruhm und Geld als solche sind mir vollkommen egal.

MH: Trotzdem: In Flames werden innerhalb des Metal-Genres schon eine Weile als „das nächste große Ding“ gehandelt.

AF: Das interessiert mich nicht. Das nächste große Ding ist übermorgen das nächste vergessene Ding. Wir machen unsere Musik nach unseren eigenen Regeln. So soll es weitergehen, und die einzige Hoffnung, die ich habe, ist, dass sich irgendwann jemand an uns erinnert als die Band aus Göteborg, die ihr Ding durchgezogen hat und damit einen Teil zur Musikgeschichte beitrug.

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In Flames: Die Listening Session in Stockholm

Für Listening Sessions Haus-eigener Bands lässt sich das deutsche Label Nuclear Blast gerne besondere Aktionen einfallen – man denke etwa an den Verdun-Besuch zum Sabaton-Album THE GREAT WAR oder die Lappland-Reise in die märchenhafte Welt von Nightwish. Dass In Flames in die schwedische Hauptstadt Stockholm laden statt in ihre als Wiege des Melodic Death Metal geltende Heimat Göteborg hat logistische Gründe: Die Band kehrte erst vor Kurzem von ihrer US-Tournee zurück und bricht nach dem Interviewtag zur ausgedehnten Konzertreise durch Europa auf – die wenige Zeit, die den Musikern zu Hause bei ihren Familien bleibt, will genutzt werden. Daher stoßen…
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