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Außergewöhnliche Musik-Genres

Lauschaffäre: Was ist eigentlich Kawaii Metal?

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Was hat ein australischer Wrestler mit Zöpfen und Kniestrümpfen gemeinsam und an der Seite von zwei japanischen, herumhopsenden Mädchen zu suchen? Die Antwort liefert folgender Artikel und – so viel sei verraten – liegt im Kawaii Metal. Der ist auch unter den Namen Idol Metal, Cute Metal und Kawaiicore bekannt und gilt (zumindest auf europäischem Boden) als regelmäßiger Auslöser beherzter WTF-Ausrufe. Im Folgenden erklären wir das noch relativ junge Genre, seine Faszination und stellen euch wichtige Vertreter*innen vor. Schnallt euch an.

Die Schöpferinnen: Babymetal

Ein Artikel über zu besprechendes Genre beginnt zwangsläufig mit den Schöpferinnen des real gewordenen Wahnsinns: Suzuka Nakamoto (Su-Metal), Moa Kikuchi (Moametal) und Yui Mizuno (Yuimetal). Während Letztere 2018, also nach acht Jahren gelebter Reizüberflutung aus der Band ausstieg, mischen Su-Metal und Moametal die Szene noch immer auf. Und wurden damit schon längst zum Phänomen.

Babymetals Ursprung ist (aus europäischer Sicht) mehr als ungewöhnlich: Bevor Babymetal weltweit ganze Stadien mit gezopften Fans in karierten Schulröcken füllte, waren sie Teil der Talentschmiede Sakura Gakuin. Noch nie gehört? Rede ist von einer japanischen Pop-Idol-Gruppe, die aus momentan zwölf Mitgliedern und mehreren Subgruppen besteht. Alle thematisieren den japanischen Schulalltag. Teil dessen war der „Heavy Music Club“, später Babymetal.

Su-Metal durfte bleiben, die außerschulischen Aktivitäten konnten beginnen.
Su-Metal durfte bleiben, die außerschulischen Aktivitäten konnten beginnen.

Dass aus dem „Heavy Music Club“ eine eigenständige Band wurde, ist eine Besonderheit, denn am Ende des Schuljahres müssen die Ältesten die Gruppe verlassen, jüngere Sängerinnen rücken nach. Suzuka Nakamoto (Su-Metal) feierte 2013 ihren 16. Geburtstag und hätte eigentlich gehen müssen. Doch die zugehörige Agentur „Amuse“ erkannte das Potenzial der drei Schulmädchen und koppelte Babymetal kurzerhand ab.

Zu diesem Zeitpunkt gab es offiziell noch kein Genre namens Kawaii Metal. Doch keine Sorge. Damals beabsichtigten Babymetal bereits die Etablierung ihrer kuriosen Kreuzung. Aber Kreuzung von was genau eigentlich? Der Begriff „kawaii“ bedeutet im Deutschen „süß“. Süßer Metal also. Der Name passt irgendwie, denn im Kawaii Metal finden sowohl Merkmale verschiedener Genres des Extreme Metal (darunter Power, Speed, Industrial, Black und Death), als auch zuckersüße J-Pop-Melodien ein Zuhause. Auch textlich finden sich gewaltige Unterschiede zu den sonst gewohnten Metal-Strukturen: Thematisch erinnern die meist auf Japanisch, manchmal Englisch gesungenen Lyrics an typische Pop-Songs. Es geht ganz klar um den Gegensatz zwischen aggressiven Riffs und niedlichen Stimmen.

Kawaii Metal in seinen Kinderschuhen: Dazzle Vision

Obwohl Babymetal als die Gründerinnen des Genres gelten, gab es schon vor ihnen Pionier*innen, die die grundlegende Züge des Kawaii Metal entwickelten. Zu nennen ist an dieser Stelle Dazzle Vision. Lange vor Babymetal warfen sie Pop-, Screamo- und Metal-Elemente mit elektronischer Musik in einen gemeinsamen Pott. Dazzle Vision waren von ihrer Gründung im Jahr 2003 bis zu ihrer Auflösung zwölf Jahre später aktiv und durchlebten zahlreiche Besetzungswechsel. Immer Teil des Line-ups war das Geschwisterpaar Maiko (Gesang) und Takuro (Bass).

Leon Neal Getty Images

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Gitarrist Gary Holt spricht sich für Babymetal aus

Bei der Kombination aus Metal und J-Pop gehen die Meinungen oft stark auseinander – die einen lieben es, die anderen macht die ungewöhnliche Kombi glatt zu Furien. Nun ist es bereits Weilchen her, dass Babymetal mit Schuluniformen und japanischem Kawaii Metal erstmals die Szene aufgewühlt haben. Mit Labels wie "Gimmick-Band" oder "Hipster-Metal-Band" müssen sie sich aber noch immer herumschlagen. Slayer- und Exodus-Gitarrist Gary Holt sprach in einem Q&A, das über Instagram stattfand, nun für Babymetal aus. Dort wurde er nämlich nach seiner Meinung zu dem japanischen Duo gefragt und antwortete: "Wieso nicht? Die Leute wollen lästern? Sie sind da draußen…
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