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Babymetal: So versetzen drei japanische Mädchen die Metalwelt in Aufruhr

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Am 11. Oktober erscheint das neue Album der japanischen Metal-Idol-Band Babymetal. Wir erklären euch das Phänomen und zeigen dabei auf, warum Babymetal die Metal-Gemeinde so spaltet.

Quietschende Stimmen von drei Mädels, die in ihren Schulmädchen-Kleidern so aussehen, als wären sie einem Manga entsprungen, gingen um die Welt. Wie Katzenvideos. Dabei mischen sie die Metalszene ordentlich auf. Das ist auch kein Wunder, denn Babymetal verbindet das, was auf den ersten Blick so gar nicht zusammenzupassen scheint: Brutale Metal-Riffs treffen auf schnuckelige Mädchen, die ein aberwitziges Tanz-Tempo an den Tag legen. Außerdem eine Zutat, die wir nicht zu vergessen wagen: J-Pop. Metal und J-Pop? Ein 2010 konzipierter Wahnsinn, der nicht lange brauchte, um Japan zu entfliehen und heute ganze Stadien füllt. Weltweit.

Babymetal-Fans.
Babymetal-Fans.

Außerschulische Aktivitäten

Bevor Babymetal zum Phänomen der Metal-Welt wurde, das überall auf der Welt unterschiedliche Anhänger zu finden scheint, waren sie Teil von Sakura Gakuin. Die Pop-Idol-Gruppe entspricht im Aufbau einer japanischen Schule mit ihren unterschiedlichen Aspekten: Es gibt eine Subgruppe, die als Kochclub Mini-Pati agiert, einen „Go Home Club“, der als Sleepiece sein musikalisches Unwesen treibt und den „Heavy Music Club“, später Babymetal. Eine der erfolgreichsten japanischen Bands begann ihre Karriere also als Verkörperung einer Clubaktivität. Sakura Gakuin gilt mit den vielen Ablegern als Talentschmiede und hat schon einigen japanischen Mädchen zum Absprung verholfen. Absprung darf an dieser Stelle auch wortwörtlich verstanden werden, denn am Ende jedes Schuljahres werden die ältesten Mädchen aus der Gruppe geworfen – um durch jüngere ersetzt zu werden.

So feierte Suzuka Nakamoto 2013 ihren 16. Geburtstag – und sollte Babymetal deshalb verlassen. Zugehörige Agentur Amuse erkannte aber, welches Potential in dem Trio – damals bestehend aus Moa Kikuchi alias Moametal, Suzuka Nakamoto alias Su-Metal und Yui Mizuno, die im vergangenen Jahr als Yuimetal aus der Band ausstieg – steckt. Deshalb eine Ausnahme: Babymetal wurde von den restlichen Subgruppen Sakura Gakuins abgekoppelt. Su-Metal durfte bleiben. Die außerschulischen Aktivitäten konnten beginnen.

Der WTF-Effekt sucht das Internet heim

Und die nahmen rasch Fahrt auf. Waren bisher ausschließlich Singles erschienen, veröffentlichten Babymetal 2014 ihr Debütalbum ‘Babymetal’. Und das schlug ein. Der WTF-Effekt hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen. Lange im Vorfeld explodierte das Netz. Babymetal löste schon mit ihrem ersten Musikvideo zu ‘Doki Doki Morning’ eine unerwartete Welle an Reaktionen aus. Und die hätten kontroverser nicht sein können.

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Babymetal wird – noch immer –  sehr widersprüchlich wahrgenommen: Einige Metalfans feiern die Andersartigkeit der jungen Japanerinnen, Nerds freuen sich, dass die langjährigen Passionen Manga und Metal endlich Vereinigung finden. Aber dann gibt es – natürlich – auch noch die Hater, die Babymetal keinen Platz auf den großen Bühnen bekannter Metal-Festivals, geschweige denn im heiligen CD-Regal zugestehen wollen. Trotzdem bekennen sich regelmäßig Metal-Größen wie Metallica, Slayer, Anthrax und Rob Zombie zu jenen Mädchen, die den Metal süß gemacht haben. Und zumindest musikalisch gesehen hat die Musik wundersamerweise nur wenig an Härte eingebüßt.

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Fuchsgott trifft auf Freak-Faktor

Was wie ein Wunder wirkt, ist ein zu Ende gedachtes, offensichtlich reibungslos funktionierendes Konzept: Babymetal lässt die Härte des Metal auf die Niedlichkeit japanischer Schulmädchen treffen. Zwei Welten kollidieren – und vereinen sich natürlicher, als bloße Beschreibungen vermuten lassen. Dass da Kompromisse geschlossen werden müssen, ist klar: Alteingesessene Metal-Fans können die teuflische Pommesgabel stecken lassen. Stattdessen wirft der (eigens vom Band-Management erschaffene) Fuchsgott sein goldenes Licht auf die Mädchen, heute: jungen Frauen. Ursprung dieser vollkommen neuartigen, etwas ungewohnten Gestik: Die Mädchen wussten nichts mit den Devil Horns anzufangen, sahen stattdessen einen Fuchskopf im Handzeichen und fertig war das neuartige Symbol.

Babymetal und der Fuchsgott.
Babymetal und der Fuchsgott.

Tatsächlich ging Babymetal noch einen Schritt weiter und gründete gleich ein komplett neues Genre: Kawaii Metal. Übersetzung: niedlicher Metal. Babymetal verbaut Elemente des Speed, Industrial und Black Metal, geben gleichzeitig J-Pop viel Raum. All das wird vermischt und choreografiert an kreischende Publika herangetragen. Und die flippen aus sehr unterschiedlichen Gründen aus – der Freak-Faktor schlägt zu.

Baby Metal – Metal Resistance

Auch Moametal und Su-Metal altern

In Zeiten des Internets ist es unglaublich schwer, etwas noch nie Dagewesenes zu erschaffen – Babymetal hat dies ohne Zweifel geschafft. Und dabei – vermutlich unwissentlich – das Feindbild vieler Alt-Rocker erschaffen, die nun regelmäßig auf dem Image Babymetal herumhacken. Bis dieses zusammenbricht. Die erste Sänger- und Tänzerin ist bereits ausgestiegen – aus gesundheitlichen Gründen; muss es doch unglaublich anstrengend sein, sich tagein, tagaus Choreografien ins Muskelgedächtnis zu ballern. Babymetal wird früher oder später zerbröckeln, denn auch Moametal und Su-Metal, die erst 2017 von Loudwire zur „Rock Goddess of the Year“ gekürt wurde, werden älter.

Bis es so weit ist, powert Babymetal noch einige Zeit über die Bühne, die Frontfrauen legen anstrengende Choreografien an den Tag und singen vor dem Hintergrund hackender Riffs mit engelsgleichen Pieps-Stimmen. Besonders die Live-Auftritte vervollständigen das Konzept Babymetal: Es wird mit Hebebühnen, Feuer und blinkenden Scheinwerfern gearbeitet. Gigantische Ausmaße. Moametal und Su-Metal im Mittelpunkt, ihre Rücken gestärkt von den Sessionmusikern der Kami Band, die meist mit Corpsepaint bemalt ihre Riffs zocken.

Babymetals eigene metallene Galaxie

Seit dem Ausstieg der Dritten im Bunde wurde noch kein eindeutiger Ersatz festgelegt. Bei Live-Auftritten kommen die sogenannten Rächerinnen zum Einsatz, die um Yuimetals ehemalige Rolle rotieren. Im Frühjahr 2020 können wir Babymetal live bezeugen – die Japanerinnen gehen auf Tour. Aber noch vorher erscheint im kommenden Oktober Babymetals drittes Album METAL GALAXY, das auf’s Neue Metal, wie wir ihn kennen, vollkommen aus dem Kontext reißen wird. Und das ist okay so.

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Ollie Millington Getty Images
Babymetal

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Ironbunny: Die neuen Babymetal mit Cyborg als Gitarrist

Wer bei Babymetal zur Spucktüte greift, sollte sich bei Ironbunny einen großen Eimer holen. Oder andersherum ausgedrückt: Das japanische Quartett mit einem als Cyborg kostümierten Gitarristen und den drei Sängerinnen treibt das Kawaii Metal-Konzept von Babymetal auf die Spitze. Wobei die Band um Riff-Meister Ediee durchaus anders an die Sache herangeht. So dreht sich bei Ironbunny nicht alles um das Mädels-Trio an den Mikros. Gitarrist Ediee steht nicht nur mindestens genauso im Mittelpunkt, denn der Cyborg-Saitenhexer hat einiges drauf an der Axt. Pointierte Riffs sowie technisch anspruchsvolle Soli gehen ihm scheinbar leicht von der Hand, zudem zeichnet er wohl für…
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