Max Cavalera über Stil von Sepulturas ROOTS

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Sepulturas ROOTS ist 26 Jahre alt, aber bietet noch immer Gesprächsstoff. Nicht nur bei Fans steht das 1996er-Album der Brasilianer hoch im Kurs, auch Ex-Sepultura-Frontmann Max Cavalera findet immer wieder Wege, darüber zu sprechen.

Max Cavalera: ROOTS ist zu simpel für Nu Metal

So widersprach er kürzlich der Auffassung, ROOTS sei – im Vergleich zu den Thrash-Alben ARISE (1991) und BENEATH THE REMAINS (1989) – Sepulturas Nu Metal-Album. In einem Interview mit iRock bezeichnete Cavalera ROOTS als „eher höhlenmenschenartig“. Als Nu Metal könne man den Stil nicht bezeichnen, auch wenn er von Vorveröffentlichungen abweiche.

„Für mich ist ROOTS ein sehr hartes Album. Ich denke, ein paar Sachen darauf, wie ‘Straighthate’, ‘Spit’, ‘Ambush’ oder ‘Endangered Species’, sind ziemlich hart und schnell und das ist brutal“, beschrieb Cavalera die Platte. Wieso es häufig als Nu Metal geht, dafür hat der ehemalige Band-Kopf eine Theorie: „Vermutlich kommt das daher, dass das Album schnell beliebt und trendy wurde, das wurde dann mit dem aufkommenden Nu Metal verknüpft.“ Er selbst findet es dafür allerdings zu simpel: „Tiefer getunet, aber einfachere Riffs. Schwere Percussion.“

Von Ehrgeiz und Mut

Worauf er sich mit Fans einigen kann, ist die Relevanz von ROOTS. „Ich würde nicht sagen, dass es mein Lieblingsalbum ist, das wäre, als würde man bei seinen Kindern favorisieren, das ist nicht richtig. Ich mag alle Sepultura-Alben, ich will keines aussuchen. Trotzdem fühlt sich ROOTS wie eine Idee an, die zur richtigen Zeit aufkam. Eine verrückte Idee in meinem Kopf, gemeinsam mit der indigenen Bevölkerung Brasiliens aufzunehmen und das in den Metal zu bringen.“ Den Grundgedanken von ROOTS findet er nach wie vor ehrgeizig und mutig. „Nicht viele Leute setzen alles auf eine Karte und machen eine Platte mit einer schrägen Idee wie dieser“, so Cavalera. „Da kann so viel schiefgehen. Daher gehen viele Bands lieber den sicheren Weg, machen Musik für Fans. Aber wir waren nicht so eine Band, wir wollten nach vorne streben. Wir wollten nie dasselbe zweimal machen. Deshalb war ROOTS ein aufregendes Album für mich.“

Sepultura, 1996: Max Cavalera, Andreas Kisser, Paulo Xisto Pinto Jr, Igor Cavalera

Brasilianischer denn je

In einem Aspekt ist sich Cavalera sicher: Nie klangen Sepultura so brasilianisch. „Das ist unglaublich“, schwärmte er von seiner Zusammenarbeit mit indigenen Stämmen und der Metal-untypischen Percussion, die dadurch entstand. „Der Mix ist richtig gut, die Videos sind richtig cool. Die Musik ist komplex, sie ist seltsam, unorthodox und wegen der verschiedenen Dynamiken cool zum Zuhören. Ich bin stolz auf die Scheibe.“ ROOTS sei eine verrückte Phase gewesen – vor allem, weil es für ihn selbst schlussendlich das letzte Studioalbum von Sepultura war, an dem er mitwirkte. Wegen Streitigkeiten verließ Max Cavalera die von ihm mitgegründete Band noch im gleichen Jahr, seither ist er bei Soulfly aktiv.

Neues Verständnis eines alten Albums

Für all seine Musik setzt Cavalera besonders auf ein Element: Veränderung. „Ich verstehe auch ein bisschen die Old School-Metalheads, die immer nur ARISE wollen. Mein ganzes Leben schon wollen sie, dass ich ARISE spiele, ständig nur ARISE. Und ARISE und BENEATH THE REMAINS sind großartig, aber man kann auch andere Dinge machen. CHAOS A.D. (1993) ist ebenso großartig. ROOTS ist großartig. Das würde ich für nichts auf der Welt ändern“, bekräftigte Cavalera. Derzeit befindet sich der Musiker an der Seite seines Bruders, Schlagzeuger Igor Cavalera, der ebenfalls bei Sepultura spielte, tatsächlich auf einer Tribut-Tour. Gemeinsam spielen die beiden die alten Alben ARISE und BENEATH THE REMAINS. „Diese Songs wieder für Live-Auftritte zu üben, hat mich ROOTS besser verstehen lassen denn je“, schlussfolgerte der Sänger.


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Niels Van Iperen Getty Images
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