2001 sah es nicht gerade gut aus rund um Megadeth. Viele alteingesessene Fans hatten sie bereits abgeschrieben, da RISK 1999 krachend gefloppt war. Die Presse hatte Megadeth als Opfer der Kommerzialisierung abgestempelt. Doch statt sich zu ducken, schlug Dave Mustaine mit seiner Band zurück – mit einem Album irgendwo zwischen Trotzreaktion und Befreiungsschlag. THE WORLD NEEDS A HERO erschien 2001 und wird heute 25 Jahre alt. Wir blicken zurück auf die turbulente Zeit rund um die Entstehung.
Neustart im Zeichen der Rückbesinnung
THE WORLD NEEDS A HERO ist das neunte Studioalbum der Band und markiert eine deutliche Rückkehr zu härteren Tönen. Mustaine machte im Gespräch mit Blistering Entertainment keinen Hehl daraus, dass er genug davon hatte, in Richtung Alternative‑Pop gedrängt zu werden. Er erklärte, dass dieses Album „trotz all der Leute geschrieben wurde, die versucht haben, uns in eine Alternative‑Pop‑Maschine zu verwandeln“. Ob diese Leute tatsächlich existiert haben oder als willkommene Erklärung für vorangegangene Entwicklungen dienen, bleibt jedoch offen.
So oder so war das Ergebnis ein Werk, das sich wieder stärker an den Wurzeln des klassischen Megadeth‑Klangs orientierte. Die Fans dankten es ihnen, und die Charts ebenfalls: Platz 16 in den Billboard 200 und Platz 36 in Deutschland waren ein klares Signal, dass die Band noch lange nicht am Ende war.
Megadeth im Ausnahmezustand
Die Besetzung bestand aus Dave Mustaine, David Ellefson, Jimmy DeGrasso und Al Pitrelli. Für DeGrasso sollte es das zweite und letzte Album bleiben, und für Ellefson das vorerst letzte, bevor er 2011 zu THIRTEEN zurückkehrte. Alle Songs stammen aus Mustaines Feder, mit Ausnahme von ‘Promises’, bei dem Pitrelli mitgeschrieben hat. Die Band wirkte hörbar entschlossen, verlorenes Terrain zurückzuerobern.
Mit einer Laufzeit von 57:49 Minuten ist THE WORLD NEEDS A HERO das längste Album der Band-Geschichte. Der finale Track ‘When’ bringt es auf 9:14 Minuten und ist damit der längste Megadeth‑Song überhaupt. Mustaine griff für einige Passagen auf alte Kompositionen zurück, die er ursprünglich für Metallica geschrieben hatte. Das Intro von ‘When’ basiert auf ‘The Call Of Ktulu’, und das Solo in ‘Return To Hangar’ stammt aus ‘Phantom Lord’. Beide Stücke gehen auf Mustaines frühe Metallica‑Zeit zurück und verleihen dem Album eine zusätzliche historische Note.
Vic Rattlehead kehrt zurück
Zum ersten Mal seit RUST IN PEACE (1990) prangt das Maskottchen Vic Rattlehead wieder auf dem Cover. Er bricht aus Mustaines Brust hervor und erinnert dabei unübersehbar an den Film ‘Alien’ (1979). Gleichzeitig kehrt auch das klassische Megadeth‑Logo zurück, das seit YOUTHANASIA (1994) nicht mehr verwendet worden war. Diese optischen Entscheidungen waren kein Zufall, sondern ein bewusstes Signal: Megadeth wollten wieder als Metal‑Band wahrgenommen werden.
Ein Titel mit doppeltem Boden
Der Albumtitel war nicht nur ein Statement an die Musikindustrie, sondern auch eine Spitze gegen die Rock-Szene selbst. Mustaine erklärte 2001 auch bei Blistering Entertainment, dass die Branche Helden brauche und nannte in diesem Zusammenhang sich selbst, James Hetfield und Robert Plant. Gleichzeitig richtet sich das Album auch an Menschen jenseits des Rampenlichts. Die Single ‘Moto Psycho’ erzählt von Pendlern, die täglich stundenlang im Auto sitzen. Der Held, den die Welt braucht, muss nicht zwangsläufig eine Gitarre tragen.
Zwischen Comeback und Kollaps
Ironischerweise sah es kurz nach Veröffentlichung so aus, als wäre THE WORLD NEEDS A HERO tatsächlich das letzte Megadeth‑Album. Mustaine verletzte sich 2002 schwer am Arm und konnte nicht mehr Gitarre spielen. Die Band löste sich vorübergehend auf, und die Zukunft war ungewiss. Dass Megadeth später stärker denn je zurückkehren würden, war damals nicht abzusehen.
THE WORLD NEEDS A HERO ist kein Klassiker im Stil von RUST IN PEACE, aber ein entscheidender Wendepunkt. Es zeigte eine Band, die sich weigerte, sich abschreiben zu lassen. Es war ein trotziges, bissiges und selbstbewusstes Statement, das Megadeth wieder auf Kurs brachte. Die Welt brauchte vielleicht keinen Helden. Aber Megadeth brauchten dieses Album, damit es ihnen den Weg zurück in die Spur ebnet.
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