Missbrauchsvorwürfe gegen Tilian Pearson

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Wieder sind Vorwürfe wegen Übergriffigkeit in der Musikwelt aufgekommen. Sie richten sich gegen Tilian Pearson, den Sänger von Dance Gavin Dance. In einem Reddit-Post in einem Forum zur Band erzählte eine Nutzerin von Begegnungen mit Pearson. In über 6.000 Wörtern beschrieb sie die Kontaktanfänge bis hin zu einem Auftritt der Band im April in Kalifornien.

Berichte von Alkohol und Übergriffen

Sie habe bereits vor längerer Zeit den Kontakt mit Pearson aufgenommen, schrieb die Frau. Es sei eine anrüchige Nachricht bei Instagram gewesen, „definitiv unter dem Einfluss von irgendwas“. Pearson antwortete lange nicht, und als er es dann doch tat, sei es „ein bisschen seltsam“ gewesen. Trotzdem hätten sie ihre Nummern getauscht und ein „Date“ für kurz vor dem SwanFest in Sacramento im vergangenen April ausgemacht. Die Nutzerin gab in ihrem Post zu, dass sowohl sie als auch Pearson bei diesem Treffen eine Menge Alkohol zu sich genommen hätten. Der Musiker habe sich außerdem noch im Trauerstadium um den kurz zuvor verstorbenen Dance Gavin Dance-Bassisten Tim Feerick befunden. Als er mitbekam, dass die Frau in der Nacht vielleicht nicht bei ihm bleiben wolle, sei er wütend geworden.

„Ich wusste, dass er ziemlich betrunken war und eine stressige Zeit hatte. Ich wollte ihm da durchhelfen. Ich hatte auch kein Problem damit, zu beenden, was wir angefangen hatten. Dann allerdings entschied sich dieser Mann, mich ins Gesicht zu schlagen. Es war offenbar sexy gemeint, aber es hat wirklich wehgetan“, heißt es in dem Text. Die Frau gab an, Pearson darauf hingewiesen zu haben, sie vorher zu fragen und nicht mehr so hart zuzuschlagen. „Er hat mir zugehört, eine Sekunde gezögert, und es dann nochmal getan. Stark genug, dass ich kurz nichts mehr gehört und gesehen habe, das war nicht cool.“

Beziehung trotzdem weitergeführt

Dennoch sei sie auch nach dem SwanFest mit Pearson im Kontakt geblieben. Bei einem weiteren Treffen habe der Musiker allerdings erneut ihre Grenzen nicht beachtet. „Er hat nichts gesagt, er hat mich einfach gepackt […]“, erinnert sich die Frau in dem Post. „Es hat physisch wehgetan. Das war nicht in Ordnung und ich habe das auch gesagt, aber er hat nicht zugehört. Danach wollte ich nicht mehr wirklich über Nacht bleiben, aber er hat drauf bestanden.“ Pearson habe sie an sich gedrückt und gehalten, sodass sie sich nicht mehr bewegen konnte: „Er hat immer wieder gesagt, dass ich bleiben müsse und er mich nicht gehen lassen würde“, heißt es weiter. Dasselbe habe sich in den folgenden Tagen fortgesetzt.

„Ich habe versucht, Entschuldigungen für sein Verhalten zu finden, so sehr, dass ich mir die Schuld gegeben habe. Ich weiß, dass jeder, der das liest, sich fragen wird, warum ich das getan habe – ich denke, wir sind alle schon mal wieder zu Leuten zurück gerannt, die nicht gut für uns sind. Das ist schwer greifbar, wenn einem die andere Person etwas bedeutet“, begründet die Frau, weshalb sie Pearson nicht verließ. Sie sei davon ausgegangen, ihm helfen zu können. Pearson habe sich außerdem sehr anhänglich verhalten.

Die Kommentare auf den Bericht sind zwiegespalten: Einige glaubten der Frau, andere Nutzer der Plattform zweifelten die Geschichte an. Der Thread ist auf Reddit inzwischen gesperrt, aber noch einsehbar.

Pearson geht auf Vorwürfe ein

Tilian Pearson schrieb sein Statement zu der Geschichte ebenfalls in das Reddit-Forum. Darin stritt er jegliches Fehlverhalten ab. Er gab an, zu dieser Zeit „sehr verletzlich“ gewesen zu sein, sagte jedoch, „jeder sexuelle Akt war vollständig einvernehmlich“. Da sie sich freundschaftlich getrennt hätten, überrasche ihn die Geschichte nun sehr. „Ich nehme das Thema sexueller Missbrauch ernst“, bekräftigte er. „Ich verstehe, dass es in einer neuen sexuellen Beziehung eine Zeit gibt, in der man die jeweiligen Vorlieben herausfinden muss. Trotzdem bezweifle ich nicht, dass in unserem Kontakt je Grenzen überschritten wurden, die an Missbrauch grenzen“, so Pearson. Um seine Worte zu unterstreichen, teilte er den Chatverlauf mit der Frau. Auch wenn die Geschichte ihn traurig mache, wolle er keine weiteren Schritte einleiten oder schlecht über seine ehemalige Partnerin sprechen.

  Im Gegensatz zu der Frau, die ihm die Vorwürfe machte, erfuhr Pearson Zuspruch von anderen Nutzern der Plattform. Sein Post wurde von 86 Prozent der Nutzer positiv bewertet, der Beitrag mehrere hundert Mal nach oben gevotet. Bei den Vorwürfen halten sich positive und negative Votes die Waage.

Weitere Vorwürfe auf Twitter

Allerdings ist die Frau von Reddit nicht die einzige, die in den vergangenen Tagen Vorwürfe gegen Pearson erhob. Auf den ersten Post folgend berichtete eine zweite Frau von ähnlichen Erfahrungen mit dem Sänger. Auch sie warf Pearson vor, sie vor bestimmten sexuellen Handlungen nicht gefragt zu haben. Zusätzlich teilte sie Screenshots von Nachrichten des Musikers. Die Gespräche hatten im Mai stattgefunden. Die Twitter-Nutzerin berichtete, dass sie es nicht geschafft hatte, Pearson zurückzuhalten, nachdem dieser sich darüber lustig gemacht hatte, dass sie beim ersten Date keinen Sex haben wollte. So bestehe „eine hohe Wahrscheinlichkeit, vergewaltigt zu werden“, soll Pearson gesagt haben. Ferner habe er darauf bestanden, kein Kondom zu benutzen. Daraufhin habe die Frau versucht, für sich selbst so zu tun, als sei es ihre Entscheidung gewesen. Die Geschichte wurde auch bei Twitter geteilt:

Pearson entschuldigt sich

Anders als bei der ersten Geschichte entschuldigte sich Pearson bei der zweiten Frau. Die Grundaussage blieb seinerseits jedoch dieselbe: „Für mich war es ein einvernehmliches Erlebnis, beide Male, die wir intim waren“, schrieb er. „Allerdings werde ich deiner Wahrheit nicht widersprechen und erkenne an, dass dir das viel emotionalen Stress gebracht hat. Der Musiker gab außerdem an, sich seiner Verantwortung als Mann in sexuellen Situationen bewusst zu sein. Im Nachhinein sei ihm bewusst, dass er Fehler gemacht habe. Daher entschuldige er sich, wenn die Frau sich „alles außer respektiert“ gefühlt habe. Er sei „vollständig verantwortlich“ für ihre emotionalen Schmerzen. Ferner kündigte Pearson in diesem Text an, sich in Therapie zu begeben. Er wolle „die gesündeste, verantwortungsvollste Version seiner selbst“ werden und sei bereit, dafür zu arbeiten, dass Situationen wie die aus der zweiten Erzählung nie wieder geschehen.


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