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Primordial: Über Qualität, Streit in der Band und die Kirche

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In einem Gespräch mit dem polnischen Metalurgia plauderte Primordial-Sänger Alan Averill aus dem Band-Nähkästchen (mit Dank an Blabbermouth). „Wir haben unsere Messlatte hoch gelegt. Uns gibt es schon sehr lange und es geht um Qualität, nicht Quantität. Zumal wir für das simple Raushauen von einer Menge Songs sowieso keine Zeit hätten“, gab Averill zu Protokoll.

Primordial hätten nie einen festen Plan gehabt, nach dem es sich zu richten galt: „Es hieß nie: Okay, dieses Album wird so sein, und in zwölf Monaten werden wir jenes machen. Alles ist sehr irisch und wir handeln stets nach Intuition und Gefühl. Das ist natürlich manchmal etwas planlos, chaotisch und spontan, aber es gibt weder einen Masterplan noch ein Gesamtkonzept für die Band.“

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Auch Gitarrist Ciáran MacUiliam plane nicht alles bis ins kleinste Details, und es gebe auch keine Diskussionen über zu erreichende Ziele. „Es passiert einfach, wenn es passiert. Wir tauschen keine Files aus und schreiben auch nicht jeder bei sich zu Hause. Wir nutzen GarageBand nicht. Ciaran schickt auch keine fertigen, mit Drumcomputer ausgestattete Songs. Alles passiert organisch.

Wir gehen immer noch alle zusammen in einen Raum, streiten, schreien und gehen uns gegenseitig auf den Sack. Das Einzige, was sich zu früher verändert hat, ist unser Aufnahme-Equipment. Ansonsten ist alles wie 1991. Und das ist meiner Meinung nach genau die Art und Weise, wie Heavy Metal gemacht werden sollte, und nicht in einem sterilen, digitalen Umfeld.“

Primordial, Party.San 2011

Folk-Akustikalbum von Primordial?

Betrachtet man diese Herangehensweise, ist es kaum vorstellbar, dass Primordial ein ruhiges, rein akustisches Album angehen könnten, doch: „Wir haben tatsächlich schon über ein Akustik-Folk-Album gesprochen“, so Averill. „Die anderen Jungs sind tiefer in der traditionellen irische Musik verwurzelt als ich. Doch sie könnten locker ein sehr spannendes, wahrhaftig dunkles, irisches, folkloristisches, mythologisch basiertes und traditionelles Album umsetzen. Und das auch sehr gut, da bin ich mir sicher.

Unser Schlagzeuger Simon O’Laoghaire ist ein super Sänger für traditionelle Lieder. Und die anderen beherrschen auch mehrere Instrumente. Aber das tägliche Leben verlangt nach viel Zeit und Verantwortlichkeit sowie Miete und Rechnungen wollen bezahlt werden. Daher wird es schwer, einfach mal zu sagen: Okay, diesen Monat schiebe ich alles beiseite, um akustische Musik zu machen.“

Pathos und Pädophilie

Hinsichtlich seiner Texte für Primordial sieht sich Averill manchmal missverstanden: „Gelegentlich nehmen die Leute meine Lyrics ein bisschen zu wörtlich. Es ist öfter mal Poesie. Ich nutze biblische Metaphorik und male eine Art sehr dramatisches Bild, ähnlich jenen, die auf den drastischen Holzschnitten und unglaublichen Gravierungen der frühesten Vergangenheit zu sehen sind.

Ich bin aber nicht katholisch, ich bin halb englisch und Protestant, was mich außerhalb der irischen Gesellschaft aufwachsen ließ. Und Teile davon wandern in meine Texte. Manchmal muss man ein Thema finden, dass zum Dramatischen, dem Pathos des Heavy Metal passt. Wir sind in Irland aufgewachsen, waren in den Achtziger Jahren Teenager und die katholische Kirche hatte damals noch immensen Einfluss auf die Gesellschaft.

Vor 20, 25 Jahren war das Antichristliche noch etwas, das uns thematisch noch umtrieb, aber das ist jetzt vorbei. Mittlerweile finde ich es spannender, in der Geschichte zu graben und herauszufinden, warum es überhaupt so weit gekommen ist. Während der Hungersnöte in der Mitte des 19. Jahrhunderts etwa, als das Land am Boden lag, wurden Organisation und Struktur des Schulwesens an die katholische Kirche übertragen. Das führte natürlich zu einem offenen pädophilen Ring, der gut 150 Jahre lang Bestand hatte.“

Das aktuelle Album EXILE AMONGST THE RUINS erschien am 30. März 2018 bei Metal Blade. Primordial spielen live 2020 als Headliner beim Dark Easter Metal Meeting in München.

(c) M. Born

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