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Armored Saint La Raza

Metal Blade/EMI 10 Songs / 51:31 Min. / 12.03.2010

6/ 7
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Foto: Metal Blade/EMI

Die Geschichte von Armored Saint ist eine Geschichte über unerfüllte Hoffnungen, geplatzte Träume und tragische Rückschläge. Aber vor allem ist es eine Geschichte, geprägt von tiefer Freundschaft, Leidenschaft, Hingabe und Spaß, Spaß, Spaß. Mit MARCH OF THE SAINT (1984) und DELIRIOUS NOMAD (1985) erschuf das Quintett zwei Klassiker. Die Band wurde mit Lob überhäuft, was Hoffnungen schürte, dass der Durchbruch kurz bevorstand – doch dem war nicht so.

Nach der Auflösung 1992 übernahm John Bush bei Anthrax die Nachfolge von Joey Belladonna, Joey Vera erweiterte seinen Horizont in diversen Truppen wie Fates Warning oder Tribe After Tribe, und die anderen widmeten sich kleinen Projekten. Was blieb, war die unerschütterliche Verbundenheit, aus der vereinzelte Gigs und das Langeisen REVELATION im Jahr 2000 resultierten. Heute, geschlagene zehn Jahre später, kehren Armored Saint mit LA RAZA zurück. Goldkehlchen John Bush und Basser Joey Vera feilten anderthalb Jahre an neuen Songs. Das einzige Ziel: einfach gute Lieder komponieren. Das Ergebnis ist ein Album, dem anzumerken ist, dass es ohne jeglichen Druck, ohne kommerzielle Hintergedanken und ohne kreative Fesseln entstanden ist.

Als cleverer Schachzug erweist sich die Entscheidung, wie bei SYMBOL OF SALVATION abermals mit Engineer Bryan Carlstrom zu kooperieren. Um die Musik so ursprünglich und natürlich wie möglich zu halten, diente Pro-Tools lediglich als Aufnahmegerät. Jedes Signal wurde vor der Einspeisung in den PC mit Analog-Equipment aufgenommen. Beim Mix wurden die Daten über eine analoge Bandmaschine auf analoge Mastertapes überspielt.

LA RAZA strahlt dadurch eine für heutige Verhältnisse verblüffende Frische, Authentizität und Unverbrauchtheit aus. Keine Spur von kalter, steriler High-Tech-Anti-Atmosphäre. Die außerordentlich organische, lebendige Produktion von Joey Vera bietet damit die optimale Plattform für ein Feuerwerk an Songs, die gleichermaßen flüssig, griffig, melodisch, energisch, zeitlos, unaufgeregt und entspannt aus den Boxen jagen. Sämtliche Tracks kommen sofort auf den Punkt, sind von jeglichem Ballast befreit, gespickt mit tollen Refrains und halten ein gleichbleibend sehr hohes Niveau – inklusive einer immens beeindruckenden Gesangsleistung von Bush, dessen raue, emotionale Stimme sehr stark im Vordergrund steht.

Armored Saint demonstrieren auf LA RAZA eine Menge Spaß und transferieren diesen Enthusiasmus auf den Hörer. Insgesamt kommen die Busenfreunde weniger metallisch, stilistisch offener und moderner als früher daher, ohne dabei die alten Fans vor den Kopf zu stoßen. Zumindest nicht diejenigen, die Armored Saint zugestehen, nicht exakt wie vor 25 Jahren klingen zu müssen, wie es einige Unverbesserliche sicherlich tun werden. Die Musiker entdeckten ihre Liebe zur Musik in den Siebzigern, so dass es kaum verwundert, dass hier und da UFO, Judas Priest, Scorpions oder MSG herauszuhören sind, vor allem beim Spiel des brillanten Gitarrenduos Pete Sandoval und Jeff Duncan. Sogar unterschwellige Blues-Einflüsse schimmern durch.

Das Quintett schlägt somit eine fast perfekte Brücke zwischen klassischem Heavy Metal und knackigem Hard Rock. So entstehen Songs wie das treibende, rockige ‘Loose Cannon’, das cool rhythmische ‘Head On’ oder das variabel strukturierte, rotzige ‘Left Hook From Right Field’. Das balladeske ‘Chilled’ macht seinem Titel alle Ehre, der Titel-Song wurde mit originellen Tribal-Elementen veredelt, und ‘Black Feet’ reißt schlicht und einfach mit. Besonders bemerkenswert: Diesen Höhepunkten stehen keinerlei Füller gegenüber. Extrem reife Leistung.
 

Kommentare der Redaktion

Ein paar Typen, die wissen, wie sowas geht, schreiben Songs. So einfach kann es sein. Dass diese Platte ohne Ballast entstanden ist, hört man auch: LA RAZA rockt, fließt und hat Luft. Wilder Stoff ist das nicht, aber lebendiges, wohlkomponiertes und cool gespieltes Zeug zwischen Metal und Rock, mit einem der fünf besten Sänger unserer Szene. Kurzum: LA RAZA macht Spaß. So einfach kann es eben sein…
Christof Leim (6 Punkte)

Ein gutes Metal-Album der kalifornischen Schule, das die Jungs fast in alter Frische präsentiert. Aber nur fast: Der rüde Charme der Achtziger und Neunziger geht nahezu völlig unter im für meinen Geschmack zu sehr auf modern getrimmten Sound – alles klingt etwas zu clean und zu kontrolliert. Ein bisschen Dynamik vermisse ich auch – trotzdem: ein überzeugendes Metal-Werk.
Andreas Schöwe (5 Punkte)

Jedes Album, auf dem John Bush mitwirkt, genießt bei mir automatisch einen Vertrauensvorschuss – der Mann hat Edelmetal(l) in seiner Kehle. Das wissen auch die Bandmitglieder von Armored Saint und lassen ihm auf LA RAZA alle Freiheiten. Die Lieder sind stilistisch breit angelegt, streifen auch mal Randgebiete wie Country – und rocken trotzdem wie Sau. LA RAZA atmet in manchen Passagen den lässigen Spirit von Thin Lizzy. Großartig!
Matthias Weckmann (6 Punkte)

Ohne John Bush als einen der letzten verblieben Gesangs-Säulenheiligen des Metal auch nur ansatzweise in Frage zu stellen – eine vokale Wohltat im Feld der Grunzrüben macht immerhin eine gute, jedoch zwangsläufig keine überragende Platte. In Kombination mit unangestrengter spielerischer Lässigkeit, songwriterischem Varianten- und Ideenreichtum sowie einer klassischen und gleichsam frischen Produktion sowie Attitüde aber schon. LA RAZA ist ein rassiges, volles Pfund – ohne Pferdefuss.
Frank Thiessies (6 Punkte)

LA RAZA ist die Oase in der endlosen Triggerwüste und erinnert uns daran, wie Musik eigentlich sein sollte. Locker und gleichzeitig präzise. Bis zum Rand voll Spielfreude und Ideen, ohne überfrachtet zu sein. Frei von Stereotypen, frei von verkrampftem Wir-müssen-uns-was-beweisen-Rock.. Fett produziert mit zum Niederknien schönen Soli. Und endlich wieder John Bush! Prädikat: besonders wertvoll.
Jakob Kranz (7 Punkte)

Mit ihrem sechsten Album sind Armored Saint endgültig „erwachsen“ geworden. Und das ist in diesem Fall nicht positiv gemeint. Denn mit Metal haben viele Riffs auf LA RAZA streng genommen nichts mehr zu tun. Rockig, alternativ und manchmal gar funkig tönt es aus den Boxen. Leider die Enttäuschung des Monats.
Marc Halupczok (4 Punkte)


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