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At The Gates THE GHOST OF A FUTURE DEAD

Death Metal, Century Media/Sony (12 Songs / VÖ: 24.4.)

6/ 7
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Vor diesem Tag hatte ich mich gefürchtet. Der Moment, an dem Tompas Vermächtnis auf meinem Tisch liegt. Aufgenommen in den Wochen, bevor seine Krebsbehandlung begann. Manche Elemente entstanden sogar buchstäblich in den letzten Stunden, in denen er noch singen, schreien, growlen konnte. Allein die Vorstellung, was und wie sich Tomas Lindberg im Studio gefühlt haben muss, reißt einem das Herz heraus. Doch er hat sich seiner Angst gestellt und das getan, was ihm wichtig war. Für sich selbst, seine Band-Freunde und, ja, auch für uns. Diesen Kontext zu kennen, ist kein Beiwerk, sondern essenziell, wenn man sich dieses Album anhört. Denn THE GHOST OF A FUTURE DEAD (ein von Tompa selbst bestimmter Titel) ist, das muss man klar sagen, nicht das wegweisendste Album von At The Gates. Diesen Job haben andere Platten der Band übernommen, und zwar mit Bravour. Zudem merkt man an mancher Stelle, dass Zeit gefehlt hat. Später, bei der Fertigstellung, muss der Kampf der Band-Mitglieder mit Trauer, Wut und Fassungslosigkeit enorm gewesen sein. Hier den Fokus zu behalten, ist unglaublich schwierig.

Nichtsdestotrotz ist die Platte viel mehr als ein letztes Lebenszeichen. Denn neben dem Mix aus bittersüßen Melodien, tödlicher Schärfe und Geballte-Fäuste-Power, den At The Gates zum Beispiel in ‘The Fever Mask’, ‘A Ritual Of Waste’ oder ‘Parasitical Hive’ so leichtfüßig und zugleich brutal-intensiv aufs Parkett zaubern (sogar mit etwas mehr Old School-Faktor als zuletzt, wohl auch dank der Wiedervereinigung der Björlers), zeigen At The Gates auf THE GHOST OF A FUTURE DEAD nicht nur Erwartbares. Sie schaffen es, die gesamte Bandbreite ihres Könnens auszuspielen. ‘Det Oerhorda’ etwa rückt eine oft unterschätzte Seite von At The Gates in den Vordergrund: ihr Talent für schwarz getünchte Brutalität, die sich um einen melancholischen Kern rankt. Auch der Mut, Komplexität zuzulassen, eine Spezialität der Frühwerke, blitzt wieder auf – und zwar in einem Sound, der sich deutlich von WITH FEAR I KISS THE BURNING DARKNESS oder THE RED IN THE SKY IS OURS unterscheidet. Und dann ist da ein Song wie ‘In Dark Distortion’, der – durch und durch introvertiert – ganz offen Verletzlichkeit zeigt. Dass das möglich ist, zeigt, wie viel Selbstsicherheit die Band im Lauf ihrer über 35-jährigen Karriere gewonnen hat. Und eben auch, wie groß der Verlust jetzt ist. Bittersüßer wird wohl kein Soundcheck-Sieg jemals mehr sein.

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