„Leise, leise, fromme Weise“, schrieb einst Johann Friedrich Kind in seinem ‘Freischütz’ und hatte sicher nicht die Musik des Clubs Of Gore im Sinn. Zumal: Fromm sind die ehemaligen Hardcore-Freaks nun wirklich nicht mit ihrer jazzigen Instrumental-Musik im Schneckentempo.
Die ungewöhnliche Zusammenkunft aus Kontrabässen, Saxophon, Schlagzeug und Fender Rhodes-Orgel findet man oft in der Schublade „Horror Jazz“. Das klingt nicht nach „heilig“. Trotzdem könnte man die Songs im meditativen Sinn als spirituell bezeichnen.
Riecht sehr nach „Eso“. Ist es aber nicht. Nun mögen einige Hörer nach dem Genuss einer Platte des Clubs, das an Manowar angelehnte Zitat von Morten Gass „Other bands play, Bohren bore“ (andere Bands spielen, Bohren langweilen) für bare Münze nehmen. Doch verkennen sie die Nähe zum Metal.
So erschließt sich die Musik der Deutschen gerade Liebhabern von Extrem-Doom – das kann kein Zufall sein. Vielleicht sind die Doom-Jünger einfach daran gewöhnt, ein wenig mehr Geduld zu haben, erlauben es Alben, sich langsam zu entwickeln und nach und nach zu reifen.
Und doch – wenn man den Jungs um Morten Böses will, könnte man die Songs (mit klangvollen Namen wie ‘Staub’, ‘Unkerich’, ‘Welk’, ‘Von Schnäbeln’ oder ‘Orgelblut’) als „Fahrstuhlmusik direkt in die Hölle“ bezeichnen. Und so verkehrt ist das letztlich gar nicht.
Bohren & Der Club Of Gore sind unaufdringlich, entspannend, dämmrig, meditativ: leise, leise, finstre Weise.
Christian Hector
(Diese und viele weitere Rezensionen findet ihr in der METAL HAMMER Oktober-Ausgabe!)
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