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Heldmaschine Lügen

Industrial Rock, MP/Soulfood (12 Songs / VÖ: 21.8.)

2/ 7
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Als sich die Mit­glieder der Rammstein­-Coverband ­Völkerball 2011 dazu entschieden, ihre eigenen Kompositionen unter dem ­Namen Heldmaschine an den Mann zu bringen, war vor allem eine Live-Abgrenzung das Ziel.

Musikalisch gelingt dies den ­Koblenzern zum Teil: Auf ihrem Drittling ­LÜGEN regieren weitgehend unangenehm aufdringliche, funkig-spacige Synthies, die sich zwar mit zackigen Industrial-Riffs ­paaren, den Klang des Werks aber bestimmen. Dank ihrer Rhythmen, dem Lindemann-typisch rollenden „R“, deutschen Texten und unheilvoller Atmosphäre stellen Heldmaschine jedoch in aller Deutlichkeit klar, welchen Vorbildern sie huldigen. Doch die Rammstein’sche Art ist eine Kunstform für sich, deren bloße Kopie schnell peinlich wirken kann: So beachtenswert die sozial- und politikkritischen Töne auch sein mögen, die der Beginn des Albums äußert (als hörbaren Anspieltipp nehme man ‘Schwerelos’), so plump wirken die Versuche, den Rammstein-Geist mit eigener Identität zu füllen:

Stücke wie ‘Wir danken euch’ (vergleiche ‘Rammlied’), ‘Tränenblut’ (vergleiche ‘Dalai Lama’) oder ‘Der Hammer fällt’ (vergleiche ‘Engel’) erinnern zutiefst an existente Songs; zum anderen werden die sowieso nerv­tötend eingesetzten Synthies von einem Chaos der Stilmittel aufgemischt: Kinderchöre (‘Wer einmal lügt’), orientalische Sounds und Klagelieder (‘Ich will dein Bestes’) sowie der Versuch einer Kraftwerk-Hommage (‘Die Roboter’) stellen das eine, zugegebenermaßen meist zu den Song-Aussagen passende Extrem dar – Langweiler wie ‘Die Zeit ist reif’ oder ‘Maskenschlacht’, unspektakuläre Gastbeteiligungen von Unzucht- und Tanzwut-Musikern sowie die sonore Subway To Sally-Mittelalterballade ‘Einmal ist keinmal’ das andere. LÜGEN mag ambitioniert und ehrlich gemeint sein

– unterm Strich sollten sich Heldmaschine jedoch überlegen, ob es sich lohnt, weiter mit einem derart dünnen Strahl an das Bein ihrer Idole zu pinkeln. Nur das „R“ zu rollen, Stakkato-Riffs einzuflechten, bekannte Wendungen zu zitieren und Wortwitze à la „Ich will dein Bestes (Stück)“ reicht für Thronfolge-Ambitionen einfach nicht.

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