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Rokk Streaming: Eine neue Hoffnung

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Das komplette Interview mit Alex Landenburg von Rokk findet ihr in der METAL HAMMER-Februarausgabe 2026, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

METAL HAMMER: Das Offensichtliche in deinen Worten: Warum brauchen wir ein neues Streaming-Portal, und wie kam es dazu?

Alex Landenburg: Mir wurde in den letzten 10, 15 Jahren immer bewusster, wie wenig von den teils sehr beachtlichen Streaming-Zahlen der Acts, mit denen ich unterwegs bin, bei ihnen hängenbleibt. Wie viele andere Kollegen habe ich das einfach akzeptiert. Mit aufgenommener Musik verdient man so gut wie nichts. Man braucht sie als Vehikel, um auf Tour zu gehen, und als Musiker will man idealerweise natürlich Musik herausbringen. Wer davon leben will, muss es geschäftlich sehen, aber man macht all das ja wegen der Musik. Das war schon immer die Falle: Als junger oder Session-Musiker lässt man sich auf miese Verträge ein, weil man live spielen will. Das System nutzt aus, dass Leute etwas tun, das sie lieben. Wir haben es akzeptiert. Dann kam die Pandemie, es gab weder Tourneen noch Shirt-Verkäufe.

Geld und Kontakte

Mit Mitgründer Peter Moog diskutierte ich, wie man der Szene auf die Beine helfen könnte. Peter kommt aus der IT-Branche und ist der Entwicklungsexperte hinter ROKK. Als Metal-Fan und Hobby-Musiker gründete er in der freien Zeit seine Band Mentalist. Er sah, was er in das Projekt steckte, und wie wenig reinkam. Ich fragte mich, warum Metal-Labels keine eigenen Streaming-Services haben – wie Disney+ oder Netflix. Nach dem Motto: Ich habe eigenen Content und vertreibe ihn selbst. So entstand die Idee. Das war 2021, als unklar war, wie lange die Situation dauern oder ob es vielleicht für immer so bleiben würde.

MH: Daraus entstand eure Firma Fairmusic. Mit welchen Herausforderungen hattet ihr in den ersten Jahren zu kämpfen, und woran arbeitet ihr noch?

AL: Ganz offensichtlich: Man hat das Produkt, muss also eine Streaming-App bauen. Vor allem aber braucht man Content, also Musik. Das Verrückte ist: Wir mussten mit dem System ins Bett gehen, das wir „bekämpfen“. Auf einer Streaming-App für Metal braucht man Metallica, die man nur über Universal bekommt. Lizenzen waren die erste Hürde: Wie kriegen wir sie, wie lange dauert das, wie kompliziert und teuer wird es? Noch schwieriger ist es, den Content der Indies zu bekommen – wegen der schieren Menge.

Für die drei Großen – Warner, Universal und Sony – braucht man „nur“ Geld und Kontakte. Das andere braucht Zeit und Leute. Je kleiner und idealistischer eine Firma, desto eher fehlen die Ressourcen. Am meisten an der Idee hängt mein Herz im Bereich „Up & coming“ und bei kleinen Bands – leider müssen wir dort noch die meisten Lücken füllen. Das können Bands mittlerweile aber auch per Direct Upload kostenlos tun. Die Herausforderung ist, von 95 auf 99 Prozent Content zu kommen, um dasselbe anzubieten wie Spotify.

„Mein Ziel ist, das System zu verbessern.“

MH: Euer Monatsabo kostet 10,99 Euro. Ihr bezahlt den Künstlern aber zwei bis drei Mal mehr als gängige Plattformen, weil ihr keine Mainstream-Acts mit millionenfach gestreamten Hits mitfinanziert. Wie kam es zu diesem Ansatz?

AL: Unsere erste Idee war ein User-zentrisches System: Man hat ein Abo und hört in einem Monat nur eine Band. Dann ginge alles, was von diesem Abo ausgeschüttet wird, nur dorthin – das wäre fair. Oder man hat zwei Lieblings-Bands, dann bekämen diese beiden Bands all die Kohle. Das war unsere Grundidee. Leider konnten wir das mit den großen Partnern nicht umsetzen. Wir waren froh, die Lizenzen zu bekommen, und mussten so verhandeln, dass wir es finanziell stemmen können. An dieser Stelle konnten wir die Konditionen nicht diktieren, sondern mussten sie übernehmen. Die Industrie könnte sich für das User-zentrische System entscheiden, das würde die Einnahmen für alle verdrei- oder vierfachen.

Mein Ziel ist, das System zu verbessern – wenn wir das anstoßen können, haben wir unheimlich viel erreicht. Das andere System funktioniert so, dass alle Abo-Einnahmen in einen Topf gehen und an alle Streams ausgeschüttet werden. Das Problem ist, dass es im Mainstream so überproportional starke Player gibt, dass die Ausschüttung für sie nur funktioniert, indem alle anderen das mitfinanzieren. Metal-Fans hören vielleicht mal einen Pop-Song, doch ihr Geld wandert zum Großteil zu den zehn meistgestreamten Songs. Das war vor Jahren schon schlimm, doch nun gibt es auch KI-generierte Songs. Der Trick, das umzudrehen, ist: Wir haben ein Publikum, das diese andere Musik kaum hört.

Bessere Auszahlung bei Rokk

Selbst wenn Leute bei uns Taylor Swift hören, was geht, erzeugen sie keine zehn Milliarden Streams. Es steht in demselben Verhältnis wie eine kleine Metal-Band, also ergibt sich eine gleichmäßigere Auszahlung und man kommt von diesen grässlichen 0,3 Cent pro Stream auf über einen Cent. Wir können vermutlich sogar verfünf- oder versechsfachen, weil unser Publikum weniger hört und dafür bewusster, auch lange Songs. Auch diesen Nachteil haben Metal-Bands sonst: Bezahlt wird jeder Play über 30 Sekunden. Ob jemand 24 Minuten lang ‘The Odyssey’ von Symphony X hört oder einen 2-minütigen KI-Song, bewirkt dieselbe Ausschüttung. Das ganze System ist optimiert auf eine Art Player, der nicht bereit ist, es zu ändern.

Da wir ein anderes Publikum ansprechen und das System auf den Kopf stellen, haben wir diese viel bessere Auszahlung. Selbst wenn wir nur 20 Prozent der Streams haben und 80 Prozent bei Spotify bleiben, vervielfacht das für Bands die Einnahmen. Bands brauchen Spotify, um große Zahlen zu präsentieren, aber echte Fans haben auch eine Plattform, wo sie Musik mit besserem Sound hören und für Umsatz sorgen. Dieser macht vielleicht sogar den Unterschied, ob man von der Musik leben kann oder nicht. Bei kleinen Bands bezahlt das den Proberaum, bei größeren die Visa für eine Tournee.

Wie man bei Rokk seine Lieblings-Bands direkt unterstützen kann, warum der Widerstand gegen KI-Musik wichtig ist und ob es sich irgendwann wieder monetär lohnen kann, Musik zu veröffentlichen, lest ihr in der METAL HAMMER-Februarausgabe 2026, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

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