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Saitenhieb: Politikum Golden Circle

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Liebe Metalheads,

der Tourneemarathon im Herbst war krass! Auf fast jedem Konzert, auf dem ich gewesen bin, hatte ich einen Platz mit der idealen Sicht – dank dem Konzept des Golden Circle: Dabei wird die Halle aufgeteilt in zwei, drei oder sogar mehr Bereiche, die an verschiedene Preiskategorien gekoppelt werden. Ganz vorne stehen entweder die Leute, die eingeladen wurden oder eine Menge Geld dafür bezahlt haben. Schön für sie – Pech für die Leitragenden, die ganz hinten stehen müssen, weil sie ein „normales“ Ticket gekauft haben. Klar könnte man jetzt argumentieren: „Wer mehr sehen will, muss auch tiefer in die Tasche greifen – das ist nur fair.“ Aber ist es das?

Nein, ist es nicht – denn Ticket-Kategorien sind politisch. Stichwort: soziale Gerechtigkeit. Wer es sich nicht leisten kann, Bio statt Billig einzukaufen oder die nicht mehr sitzende Winterjacke gegen eine neue einzutauschen, der wird erst recht nicht das nötige Kleingeld aufbringen sich den heiligen Gral der Konzertkategorien leisten zu können. Konzertbesuchende werden nach ihren finanziellen Möglichkeiten aufgeteilt; in Bereiche, die ihrer Gehaltsklasse entsprechen.

 

Und hat man es als, wie es Friedrich Merz oder Christian Lindner nennen würden, „Geringverdiener“ verdient, an dem einzigen Ort, an dem einem alltägliche Sorgen egal sein sollten, ständig daran erinnert zu werden, dass man es sich nicht leisten kann, vorne Circle Pits zu drehen, Gitarren-Picks zu fangen oder überhaupt die Band zu sehen? Vielleicht wäre es doch fairer, nach dem Prinzip „first come, first served“ diejenigen nach vorne zu lassen, die es sich nach stundenlangem Bibbern vor der Konzert-Venue auch verdient haben.

Obendrauf sind Golden Circle-Bereiche oft auch nicht ausgelastet. Und es dann nicht zuzulassen, während des Konzerts Fans aus anderen Kategorien mit einem Upgrade zu beglücken, bestätigt schlicht eine Nicht-Gönner-Mentalität, bei der Personen aufgrund ihres sozialen Status ausgeschlossen werden – und das ist ganz schön politisch, oder?

Eure

Tamara

Ihr erreicht die Autorin unter redaktion@metal-hammer.de.

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