Die Mutter von Tom Morello ist gestorben. Das hat der Rage Against The Machine-Gitarrist jüngst in den Sozialen Medien vermeldet. „Mary Morello weilt nun für immer bei den Rebellen des Lichts und des Gesangs (1923-2026)“, informiert der Musiker. Seine Mama wurde demnach beachtliche 102 Jahre alt. Auf einem zugehörigen Foto hält der Rocker ihre Hand.
Großes Vorbild
Dass Mary zuletzt angeschlagen war, war bereits bekannt. Ende Juni tat Tom Morello nämlich kund, dass er frühzeitig von seiner Europatournee in die Vereinigten Staaten von Amerika zurückkehrt, weil: „Mary Morello ist wieder im Krankenhaus — und ich habe mich auf den Heimweg gemacht, um zu helfen und mich um sie zu kümmern.“
In Interviews erzählte der 62-Jährige stets mit Begeisterung von seiner Mutter. „Sie ist in vielerlei Hinsicht eine Inspiration“, gab Tom Morello zum Beispiel 2025 zu Protokoll. „Sie ist nach wie vor eine große Inspirationsquelle für alles, was ich tue. Damals, als ich in dieser lauten, miserablen Highschool-Punkband spielte, war ihr Keller der einzige Ort in der Stadt, an dem wir proben konnten. Und heute wohnt sie direkt nebenan, und mein Studio befindet sich in ihrem Keller. Ich spiele also wieder in ihrem Keller.“
Fortwährender Einsatz
In einem Meinungsartikel für die New York Times bezeichnete Morello seine Mami als „das radikalste und zugleich beliebteste Mitglied der Familie Morello“: „Bis heute höre ich von ihren ehemaligen Schülern. Viele bezeichnen sie als die wichtigste Pädagogin ihres Lebens. Sie ermutigte sie, über den Tellerrand unserer konservativen, homogenen Vorstadt hinauszublicken. Sie lehrte sie, sich für Benachteiligte und aufgrund von Herkunft oder sozialem Status Unterdrückte einzusetzen – von [Sozialwohnungsprojekt] Cabrini-Green in Chicago bis hin zu den Feldern, auf denen Wanderarbeiter in Kalifornien schufteten.
🛒 RATM-SHIRT BEI AMAZON HOLEN!Und sie ließ sich nichts gefallen, unterrichtete aber mit Humor und Offenheit und inspirierte so Generationen von Schülern. Das ist angesichts ihrer Lebensgeschichte kaum überraschend. In den Dreißiger Jahren half sie während der Weltwirtschaftskrise, Wanderarbeiter zu versorgen, und unterstützte den Kampf der Bergleute um ihre gewerkschaftliche Organisierung. Danach in den Vierziger Jahren trug sie durch das Werben für Kriegsanleihen dazu bei, die Faschisten im Zweiten Weltkrieg zu besiegen.
In den Fünfziger Jahren unterrichtete sie internationale Studierende an der Northern Illinois University, setzte sich gegen die rassistischen Jim Crow-Gesetze zur Wehr und bereiste als alleinstehende Frau mit bescheidenen Mitteln mehr als 60 Länder. Später in den Sechziger Jahren unterstützte sie während ihres Aufenthalts in Afrika antikoloniale Bewegungen. In den Siebziger Jahren war sie eine radikale Lehrerin an einer konservativen Highschool, die ihre Schüler dazu ermutigte, das System zu hinterfragen, und engagierte sich für die Gewerkschaft United Farm Workers sowie die Urban League. Anschließend in den Achtziger Jahren unternahm sie neun Friedensmissionen in die Sowjetunion und nach Kuba.
In den Neunziger Jahren sprach sie sich gegen den Golfkrieg aus und gründete Parents For Rock And Rap — eine internationale Organisation gegen Musikzensur, was ihr Auftritte bei Oprah Winfrey und CNN einbrachte. Nachfolgend in den Nuller Jahren half sie bei der Heilsarmee in Waukegan (Illinois) Obdachlosen und Suchtkranken auf dem Weg zu ihrem Highschool-Abschluss und demonstrierte in Chicago gegen Kriege, in denen es um Öl ging. In den Zehnerjahren engagierte sie sich ehrenamtlich in Suppenküchen in Los Angeles. Meine Mutter hat mir beigebracht, dass Gerechtigkeit wichtiger ist als Einigkeit und dass bedingungslose Liebe und Unterstützung eine ziemlich gute Grundlage für die Erziehung sind.“
