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Dark Tranquillity We Are The Void

Death Metal, Century Media/EMI 11 Songs / 47:31 Min. / 26.02.2010

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Foto: Century Media/EMI

Es gibt Bands, deren Karriere urplötzlich einen riesigen Satz nach vorne macht. Und dann gibt es diejenigen, die sich jeden noch so kleinen Schritt hart und mühsam erarbeiten müssen. Dark Tranquillity fallen in die zweite Kategorie – doch anstatt daran zu zerbrechen, haben die Göteborger aus der Not eine Tugend gemacht. Sie mussten sich nie verbiegen, keine Kompromisse eingehen, sondern konnten in aller Ruhe ihren Sound prägen.

Der wurzelt natürlich (nach wie vor) im melodischen Death Metal, doch er limitiert sich nicht allein aufs Extreme. Im Gegenteil: Mikael Stanne und seine Crew beweisen auf WE ARE THE VOID, dass sie selbst nach zwei Jahrzehnten im Business durchaus noch in der Lage sind, sich innerhalb ihres selbst gesteckten stilistischen Rahmens weiterzuentwickeln. Hier merkt man der Band ihre Reife an – sie hat nun das perfekte Gespür für den richtigen Ton zum richtigen Zeitpunkt entwickelt.

So enthält WE ARE THE VOID einerseits Songs wie ‘I Am The Void’ – einen Track, der auch auf THE GALLERY nicht aus dem Rahmen gefallen wäre. Doch mit Stücken wie zum Beispiel ‘The Grandest Accusation’ oder ‘Her Silent Language’ dringen Dark Tranquillity streckenweise sogar in Paradise Lost-Gefilde vor, ohne dass das Ganze erzwungen oder peinlich klingt. Das erweitert nicht nur die Sound-Bandbreite der Band, sondern eröffnet den Schweden auch die Chance auf ein noch größeres Publikum. Denn durch die Evolution in kleinen Etappen haben Dark Tranquillity nicht nur die Möglichkeit, ihre Live-Frontreihen mit frischen Nachwuchs-Bangern zu bestücken, sondern dürfen auch weiterhin fest mit den Fans der Anfangstage rechnen.

Und vielleicht – wir hoffen jetzt einfach mal fest auf die Kraft der sich selbst erfüllenden Prophezeiung – gelingt ihnen in ihrer zweiten Karrierehälfte das gleiche Kunststück wie ihren Landsleuten von Opeth: Die waren jahrelang ein Geheimtipp, respektiert und verehrt in einer kleinen Szene, aber ohne den großen Ruhm. Dann kam wie aus dem Nichts der Durchbruch – obwohl die Band im Grunde keine radikalen Veränderungen an ihrem Ur-Sound vorgenommen hatte. Manchmal genügt eben ein kleiner Funke, um einen Flächenbrand zu entfachen.

Das könnte auch Dark Tranquillity gelingen – Streichhölzer zur Entzündung eines ordentlichen Feuers haben sie jedenfalls in rauen Mengen dabei: ‘The Fatalist’ und ‘Surface The Infinite’ sind jedenfalls das, was in Kritiken häufig als „veritable Hits“ bezeichnet wird. Anders gesagt: totaler Hymnen-Alarm! Wer es etwas schwärzer braucht, wird ebenfalls prompt bedient: In ‘Arkhangelsk’ verbinden sich Todesmelodien aufs Innigste mit wogender Finsternis – das hätten Dimmu Borgir zu ihren besten Zeiten auch nicht grimmiger hinbekommen. Wer bei diesem (Live-)Kracher nicht sofort die Fäuste ballt, hat den Metal nicht im Blut.

Bei den Dark Tranquillitys selbst sprudelt jedenfalls definitiv jede Menge flüssiges Eisen durch die Adern: WE ARE THE VOID brodelt nämlich nicht nur vor Riff-Leidenschaft, sondern ist auch gespickt mit (aus-)gelebten Emotionen. Eine Kombination, die bewegt – und zwar sowohl den Nacken als auch das Herz.

Kommentare der Redaktion

Das Qualitätsniveau stimmt bei Dark Tranquillity eigentlich immer: eigener Sound, stilistische Vielseitigkeit, souveräne Leistung an den Instrumenten. Nur: Das variationslose Geröhre geht mir ziemlich schnell auf die Nerven, zudem hätte ich mir von WE ARE THE VOID ein paar mehr zwingende Songs gewünscht. Aber selbst wenn das nicht meine Lieblingsplatte wird: Der Sieg sei ihnen gegönnt.
Christof Leim (4 Punkte)

Dark Tranquillity liefern mit WE ARE THE VOID Qualität ab, die sie zum Sieg in diesem Monat führt. Die Schweden kombinieren geschickt verschiedenste Metal-Genres, streifen ihnen das passende Songwriting über und rühren Härte und Melodie unter. Fertig ist das fast perfekt melodische Todesblei-Album. Fehlen nur noch die Hits, dann werden sie in Zukunft öfter den Soundcheck gewinnen.
Thorsten Zahn (5 Punkte)

Dark Tranquillity gelingt es außerordentlich gut, moderne Elemente mit der Grundessenz des Metal zu vermischen – dass auf WE ARE THE VOID dabei ihre progressiven Elemente etwas in den Hintergrund treten, stört mich ehrlich gesagt nicht: Dafür sind die Hooklines wieder prägnanter – etwas, was ich bei der letzten In Flames-Scheibe beispielsweise durchaus vermisst habe. Verdienter Soundchecksieg, weil sich hier viele Geschmäcker (und Metal-Stilarten) treffen.
Matthias Weckmann (5 Punkte)

Ein klein wenig enttäuscht bin ich ja schon: Nach dem ersten Hören im Göteborger Studio hatte ich in Gedanken schon sechs Punkte notiert. Dafür hat es jetzt nicht ganz gelangt – WE ARE THE VOID ist streckenweise doch zu sperrig geraten. Statt auf sichere Hits setzen Dark Tranquillity auf stilistische Breite und Detailverliebtheit. Doch das soll ihnen niemand vorwerfen, denn große Songs haben sie definitiv geschaffen, und mit ‘The Fatalist’ oder ‘In My Abscence’ auch einige Kracher in petto.
Sebastian Kessler (5 Punkte)

WE ARE THE VOID offeriert – wie fast schon erwartet – Dark Tranquillity-Markenfutter: Grundsolide in der Anlage und grimmig in der Ausstrahlung. Es ist auch diesmal interessant, auf welche Art und Weise (beziehungsweise mit welcher Prioritätensetzung) die Schweden ihrem ureigenen frostig-herzerwärmenden Melodic Death frönen. Es gibt zwar keinen Übersong, aber dafür ist das Album in sich sehr stimmig und damit verdienter Soundcheck-Sieger.
Thomas Sonder (5 Punkte)

Die blanken Fakten über WE ARE THE VOID verkünden eher Langeweile: Dark Tranquillity sind nicht in eine neue experimentelle Phase eingetreten, Niklas Sundin und Martin Henriksson halten das auf FICTION etablierte Equilibrium zwischen Wucht und Melodie, und einen neuen Überhit habe ich auch (noch) nicht vernommen. Dafür aber Songwriting auf einem Niveau, das es zurzeit von keiner anderen Melodic-Death-Band gibt, und elf Hits, die zwar nicht „über“ sind, aber grandios anzuhören.
Robert Müller (6 Punkte)


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