Als THE JESTER RACE im Februar 1996 erschien, war es weit mehr als nur das zweite Album von In Flames. Es war der Moment, in dem die Band endlich ein festes Gesicht bekam. Zum ersten Mal standen Anders Fridén am Mikrofon und Björn Gelotte am Schlagzeug – zwei Personalien, die den Klang und die Identität der Göteborger in den kommenden Jahrzehnten prägen sollten. Nach Jahren wechselnder Sänger und Schlagzeuger waren In Flames plötzlich ein Quintett mit klarer Vision.
Der Klang der Zukunft
Musikalisch knüpfte THE JESTER RACE deutlich stärker an die 1994er EP SUBTERRANEAN an als an das Debüt LUNAR STRAIN, das im gleichen Jahr veröffentlicht wurde. Das hört man nicht nur, man kann es auch im Booklet nachverfolgen: ‘Dead Eternity’ tauchte bereits auf SUBTERRANEAN auf, und ‘Dead God In Me’ existierte dort noch unter dem Titel ‘The Inborn Lifeless’. Für das Album wurden Text, Solo und Finale überarbeitet – ein Zeichen dafür, wie sehr In Flames damals an ihrem Stil feilten.
Der Mix aus filigranen Gitarren-Leads, harschen Growls und überraschend sensiblen Akustikmomenten wurde zu einer der Blaupausen des Melodic Death Metal. In Flames halfen, ein Genre zu definieren, das bis heute weltweit Bands beeinflusst.
Geburt eines Maskottchens
Während der Aufnahmen von THE JESTER RACE entstand eine Idee, die fast genauso prägend werden sollte wie die Musik selbst: der Jesterhead. Anders Fridén und Ex-Dark Tranquillity-Gitarrist Niklas Sundin wollten ein Symbol schaffen, das In Flames unverwechselbar macht. Das Ergebnis prangt nicht nur auf dem Cover, sondern wurde zum omnipräsenten Maskottchen: auf Shirts, Stickern, Backdrops und später sogar als Tattoo-Motiv für Fans. Sundin ist übrigens ein Teil der Geschichte von THE JESTER RACE, weil er die Texte für In Flames ins Englische übersetzte.
Gäste, die man nicht erwartet
Auch abseits der Kernbesetzung gab es Überraschungen. Oscar Dronjak von Hammerfall steuerte einen Gastauftritt bei – allerdings nicht an der Gitarre, sondern am Mikrofon in ‘Dead Eternity’. Frederik Nordström, der das Album produzierte und als Mastermind hinter Dream Evil bekannt wurde, setzte an mehreren Stellen atmosphärische Keyboard-Akzente. Nordström, ohnehin eine Schlüsselfigur der Göteborger Szene, verlieh dem Album zusätzlich Tiefe.
Ein Album, das man gehört haben muss
Zehn Songs, rund 40 Minuten – und bis heute ein Werk, das Musiker inspiriert. Trivium-Frontmann Matt Heafy bezeichnete THE JESTER RACE einmal bei Walls Of Sound als „das eine Metal-Album, das man mittlerweile wirklich gehört haben sollte“. Eine Aussage, die man nicht leichtfertig trifft, die aber kaum jemand bestreiten dürfte, der die Platte einmal bewusst durchgehört hat.
Auf Tournee mit den Großen
Nach dem Release ging es mit Samael, Grip Inc. und Kreator auf Tour – ein Line-up, das zeigt, wie ernst die Szene In Flames bereits damals nahm. Die Band war noch jung, aber THE JESTER RACE machte klar, dass hier etwas Großes heranwuchs.
2002 und 2008 wurde das Album erneut veröffentlicht, jeweils mit vier Bonustracks. Doch egal in welcher Edition: THE JESTER RACE bleibt ein Meilenstein. Ein Album, das nicht nur den Sound einer Band definierte, sondern ein ganzes Genre mitformte. Und eines, das auch 30 Jahre später nichts von seiner Magie verloren hat.
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