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Kreator: 40 Jahre PLEASURE TO KILL

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1986 war ein Jahr, in dem Thrash Metal endgültig explodierte. MASTER OF PUPPETS (Metallica), REIGN IN BLOOD (Slayer), ETERNAL DEVASTATION (Destruction) – Klassiker, die heute wie Monumente im Genre stehen. Mitten in diesem Ausnahmejahr veröffentlichte ein kleiner Haufen junge Musiker aus Essen ihr zweites Album unter dem Namen Kreator: PLEASURE TO KILL. Ein Werk, das nicht nur den deutschen Thrash schärfer, schneller und kompromissloser machte, sondern auch die Grenzen zum Death Metal aufstieß – lange, bevor diese Schubladen überhaupt klar definiert waren.

Zwischen Thrash und Death: ein Album aus einer Zeit ohne Grenzen

Kreator waren 1986 noch weit davon entfernt, eine etablierte Institution zu sein. PLEASURE TO KILL entstand in einer Phase, in der die Szene roh, hungrig und undefiniert war. Frontmann Mille Petrozza hat später oft betont, wie stark Slayer und Possessed damals auf ihn wirkten: HELL AWAITS (1985) und SEVEN CHURCHES (1985) waren hörbare Wegweiser. Genau diese Mischung aus Tempo, Chaos und düsterer Atmosphäre macht das Album bis heute zu einem Bindeglied zwischen Thrash und dem, was später als Death Metal definiert wurde. Für unzählige Bands beider Lager wurde es zur Blaupause.

Ein Schritt Richtung Professionalität 

Hinter den Kulissen lief dieses Mal vieles runder als beim Debüt. Mille erinnerte sich im Gespräch mit Louder, wie frustrierend die Arbeit mit dem damaligen Produzenten Horst Müller gewesen war: jemand, der die Band kaum ernst nahm und praktisch alles durchwinkte. Für PLEASURE TO KILL übernahm Harris Johns (bekannt durch seine Arbeit mit Helloween) – und plötzlich wurde konzentriert gearbeitet. Mehrere Takes, zwei Wochen Studiozeit, ein klarer Plan. „Es war wirklich professionell“, sagte der Sänger rückblickend.

Dass die Produktion trotzdem nach Achtziger-Underground klingt – zwischenzeitlich zweidimensional und ungeschliffen – gehört zum Charme. PLEASURE TO KILL ist ein Dokument seiner Zeit, und genau das macht es authentisch. Mille brachte es im Louder-Interview auf den Punkt: „Wir waren junge Leute voller Enthusiasmus. Wir tauschten Kassetten aus, hörten alles aus dem Underground – wir wollten einfach nur Teil dieser Szene sein.“ Genau das hört man bis heute. PLEASURE TO KILL roh, wild, ungestüm – und gerade deshalb so einflussreich.

Lyrische Extreme: Zombies, Dämonen und ein Hauch Realität

Inhaltlich fährt das Album alles auf, was den frühen Kreator-Kosmos ausmacht. Die Texte richten sich oft direkt an den Hörer und erzählen kleine Horrorgeschichten. In ‘Rippin‘ Corpse’ erhebt sich ein Untoter aus dem Grab, um seine Frau zu töten und sich anschließend dem Zuhörer zuzuwenden. ‘The Pestilence’ entfesselt hingegen eine ganze Armee von Pest-Zombies, deren einziger Antrieb Terror ist.

Besonders spannend bleibt ‘Command Of The Blade’. Hier taucht der Namenspatron Kreator auf, ein Dämon mit „schwarzen Haaren und rot glühenden Augen“, der den Auftrag erhält, den Hörer zu töten – und sich im Anschluss seinen nächsten Auftrag abholen soll. Ein früher Baustein der eigenen Mythologie. Zwischen all dem Horror blitzt aber auch Gesellschaftskritik auf. In ‘Awakening Of The Gods’ wird Religion als Lüge entlarvt, die Menschen in Sinnlosigkeit und Passivität zurücklässt. Diese Mischung aus Fantasie und Realität ist bis heute ein Markenzeichen der Band.

Der erste große Schritt hinaus in die Welt

Nach PLEASURE TO KILL ging es für Kreator erstmals auf richtige Tournee. Das Debüt hatte nur ein paar vereinzelte Konzerte ermöglicht, doch jetzt öffneten sich Türen. Die Energie des Albums, seine Radikalität und der Ruf, den es in der Szene sofort bekam, machten Kreator zu einem ernst zu nehmenden Exportgut aus Deutschland.

Kultstatus und ein spätes Chart-Comeback

Dass PLEASURE TO KILL bis heute das vielleicht populärste Kreator-Album ist, zeigt sich sogar auf der Online-Plattform Discogs: Dort teilen Freunde der analogen Musik ihre Sammlungen, in denen das Zweitwerk häufiger gesammelt wurde als jedes andere Werk der Band. 2017 tauchte es – 31 Jahre nach Veröffentlichung – in den deutschen Charts auf Platz 99 auf, dank einer Remastered-Version.

Und dann war da noch die Netflix-Serie ‘Dark’: Eine Zeile aus dem Titel-Track wurde dort verwendet, die im Lied nach exakt 33 Sekunden auftaucht – eine Zahl, die in der Serie eine besondere Bedeutung hat. Für viele Fans ein verstecktes Easter Egg, das zeigt, wie tief dieses Album auch in der Pop-Kultur verankert ist.

Ein Zeitzeugnis voller Enthusiasmus

1986 bekam das Album im aktuellen METAL HAMMER eine fünf von sieben in der Bewertung, und Autor Oliver Klemm nannte Kreator die „nach Celtic Frost beste Death Metal-Band Europas“. Eine Einschätzung, die rückblickend fast bescheiden wirkt, wenn man bedenkt, welchen Stellenwert die Band heute hat.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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Metallica: 40 Jahre MASTER OF PUPPETS

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